Phishing-Angriff auf Signal: Prävention statt Panik
Bundestagsvize Andrea Lindholz fordert ein Signal-Verbot für Abgeordnete. Es offenbart, wie sehr es an Wissen über Messengerdienste mangelt.
B undestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz von der CSU fordert ein Verbot der Nutzung von Signal für Abgeordnete und Mitarbeiter des Bundestages. Das wäre ungefähr so schlau, wie Autos zu verbieten, weil sie Unfälle verursachen, statt Regeln und Kontrollen im Straßenverkehr zu verbessern. Mit solchen pauschalen Äußerungen sammelt man keine Zustimmung, sondern zeigt, dass man nicht versteht, wie moderne, digitale Kommunikationskanäle funktionieren.
Ein möglicher tieferer Grund für den Verbotsvorstoß: Der eigentlich zielführende Weg würde Einsicht und Selbstreflexion erfordern. Denn nicht die verwendete Technik ist das Problem, sondern dass auch knapp 13 Jahre nach Angela Merkels „Neuland“-Aussage anscheinend immer noch nicht alle in Regierung und Parlament verstanden haben, wie das Internet und die Dienste, die fast jeder täglich nutzt, funktionieren. Wer wie Lindholz argumentiert, blendet aus, dass bei der Nutzung digitaler Dienste die eigentliche Schwachstelle allzu oft der Mensch ist.
Die Schuldigen sehr schnell in Russland auszumachen? Geschenkt. Vorausgesetzt, Schuldzuweisungen und Aktionismus wären nicht die einzige politische Konsequenz der Angriffe via Signal auf Politiker.
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Wie wäre es mit stattdessen mit Pen Tests und Schulungen?
Besser wären Debatten darüber, wie man ein Mindestmaß an Sicherheits- und Technikverständnis innerhalb des politischen Apparats gewährleisten könnte. Neben Schulungen könnten sogenannte pen tests für mehr Sicherheit sorgen: simulierte Cyberattacken, durchgeführt von IT-Experten, um Sicherheitslücken aufzudecken, bevor echte Angreifer sie ausnutzen – Prävention statt Panik. Der eigentliche Skandal ist, dass so ein technisch simpler Angriff, bei dem mehrere Politiker getäuscht wurden, gelingen konnte.
Irritierend ist zudem Lindholz’ Vorschlag, vom „US-Dienst“ Signal zur „europäischen“ Alternative Wire zu wechseln. Wire sitzt zwar heute in der Schweiz, war jedoch zwischenzeitlich in den USA ansässig. Lässt sich schnell herausfinden, wenn man sich ins Neuland begibt.
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