Party-Skandal von Boris Johnson : Ein zynisches Spiel
Die Empörung der Tory-Rechten über Johnsons „Corona-Party“ ist scheinheilig. Es geht um Regeln, deren Einführung sie selbst bekämpft hatten.
Foto: Andrew Parsons/Parsons Media/imago
I m Mai 2020 trafen sich rund 30 Mitarbeiter des britischen Premierministers Boris Johnson im parkähnlichen Garten von 10 Downing Street, um erstmals seit der kurz zuvor beschlossenen Lockerung des Corona-Lockdowns zu feiern. Die Einladung erging von Johnsons Stabschef. Johnson selbst war ganze 25 Minuten lang da, wie er sagt. Zulässig war das nicht: Nach damaligen Regeln durfte man unter freiem Himmel nur eine Person aus einem anderen Haushalt treffen.
Seit Tagen rollt die Empörungslawine. Der verlogene Premier denkt wieder mal, dass Regeln nicht für ihn gelten! Der Eliteschnösel feiert feucht-fröhlich, während draußen Menschen sterben! Johnson muss weg! Und Johnsons Ausrede im Parlament am Mittwoch – er habe den Garten von 10 Downing Street als „Erweiterung des Büros“ gesehen und da seien Treffen „technisch“ zulässig – glaubt er wohl selbst nicht, warum sonst hätte er sich entschuldigt.
Über der Affäre hängt viel Scheinheiligkeit. Hat Johnson – damals frisch von Covid-19 genesen – etwa alleine gefeiert? War die Veranstaltung wirklich bis jetzt geheim? Die Einladungen gingen an 100 Leute. In der politisch-medialen Blase von Westminster kennt jeder jeden und es gibt keine Geheimnisse.
Oberstratege der Tory-Rechten
An die Öffentlichkeit geriet die „Garden Party“ jetzt durch einen Hinweis von Dominic Cummings, Johnsons damaliger Chefberater. Cummings trennte sich Ende 2020 im Streit von seinem Boss und sinnt auf Rache: Er nahm bei seinem Abgang viel interne Kommunikation mit und lässt sie seitdem selektiv und gezielt an die Öffentlichkeit durchsickern. Das erklärte Ziel seiner Vendetta: „Regimewechsel“.
Der einstige Oberstratege des Brexits agiert nun als Oberstratege der Tory-Rechten, die vom Premier enttäuscht sind, weil er den harten Rechtskurs vermissen lässt. Sie nutzen jetzt ausgerechnet die Empörung über seine Missachtung von Coronaregeln, die sie selbst vehement bekämpften. Es ist ein zynisches Spiel.
Corona-Infektionen als Ergebnis der Garden Party vom 20. Mai 2020 sind übrigens nicht überliefert.
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