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Palästinensische KunstDer „Künstler der Intifada“ ist tot

Sliman Mansour zählte zu den berühmtesten modernen palästinensischen Künstlern. Er selbst hielt sein Werk nicht für politisch.

Serena Bilanceri

Aus Tel Aviv

Serena Bilanceri

Einer der einflussreichsten palästinensischen Künstler ist tot: Sliman Mansour ist im Alter von 79 Jahren in seinem Haus in Ostjerusalem verstorben. Die Familie hat den Trauerfall mit den Worten „Das letzte Kapitel ist geschrieben worden“ angekündigt. „Der Welt hinterlässt er ein Leben voller Schönheit, Erinnerungen und ein Vermächtnis, das in all jenen weiterleben wird, die er berührt hat.“

Mansour wurde 1947 in Birzeit nahe Ramallah geboren, ein Jahr vor der Gründung Israels und der Nakba, der Vertreibung von mindestens 750.000 Pa­läs­ti­nen­se­r:in­nen aus dem Gebiet des heutigen Israel. Sein gesamtes Werk ist von diesen Ereignissen sowie von dem bis heute anhaltenden Konflikt geprägt. Verlust, Sehnsucht, die Frage nach der palästinensischen Identität ziehen sich durch seine Gemälde, Texte und Skulpturen.

Als „Künstler der Intifada“ hat er sich einen Namen gemacht, doch er selbst sah sich nicht als politischer Kunstschaffender. Im Interview mit der Deutschen Welle sagte er im Jahr 2018: „Ich finde, die Leute übertreiben es mit all diesen Bezeichnungen. Sie brauchen Helden. Also haben sie mich ausgesucht. Mir gefällt das nicht. Als Künstler möchte man nicht in eine Schublade gesteckt werden.“

Doch seine politischen Ansichten, das Leben unter israelischer Besatzung, Schmerz und unerfüllte Hoffnung sickern durch seine Bilder, mal glänzend, mal als leise Hintergrundkulisse. Frauen in palästinensischen Gewändern mit alten, überdimensionalen Schlüsseln in der Hand, ein Symbol des Willens, in die einstigen Wohnhäuser nach der Vertreibung zurückzukehren, stehen neben Frauen in Bikinis und Männern in Badeanzügen am Strand einer Stadt, die Jaffa oder Tel Aviv sein könnte. Auf anderen Bildern sieht man Kinder, die einen Kometen hinter Stacheldraht bestaunen – ein klarer Bezug zum Stern von Bethlehem.

Sicher fühlte er sich in Jerusalem nicht

Seine Arbeit spiegele sein Leben wider, sagte Mansour. Während der ersten Intifada benutzte der Künstler ausschließlich natürliche Materialien aus Palästina in seinen Werken, um israelischen Künstlerbedarf zu boykottieren. Schlamm etwa, mit dem er seine Figuren ins Leben rief.

Ausgebildet wurde er an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem, wo er vor allem in abstraktem Expressionismus ausgebildet wurde, doch sein Stil entspricht eher dem figurativen Realismus, mit traditionellen Elementen, dargestellt in nahezu märchenhaften, träumenden, doch tief symbolischen Zügen.

In seinen letzten Jahrzehnten lebte Mansour in Jerusalem. Nicht, weil er die Stadt besonders liebte. Er besaß einen sogenannten Jerusalemer Ausweis, und um den zu behalten, durfte er nicht ins Westjordanland umziehen. Der Ausweis gab ihm keine israelische Staatsbürgerschaft, aber erlaubte ihm einen dauerhaften Aufenthalt und auch, nach Israel oder nach Europa zu reisen. Doch sicher fühlte sich Mansour in Jerusalem nicht, wie er der Deutschen Welle sagte. „Ich habe das Gefühl, dass es eine Art Krieg gegen die Palästinenser gibt. Es ist ein verdeckter Krieg, kein offensichtlicher mit Flugzeugen.“

Die ganze Zeit sei er traurig gewesen über das, was bei der Nakba geschah. Manchmal auch ein wenig wütend, manchmal auch ein wenig verwirrt. Denn, so sagte er, „wenn man Europäer und Amerikaner über Menschenrechte sprechen hört, wenn sie die Situation hier betrachten und dann nichts unternehmen – oder, noch schlimmer, Israel unterstützen –, dann ist das verwirrend.“

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