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Arabisch-israelischer AktivistEin Influencer für den rechten Neuanfang

Yosef Haddad polarisiert in Israels jüdischer und arabischer Gemeinschaft. Jetzt schließt sich der Influencer einer neuen rechten Partei an.

Serena Bilanceri

Aus Tel Aviv

Serena Bilanceri

Der 41-jährige Polit-Influencer Yosef Haddad ist gewiss eine der umstrittensten politischen Figuren Israels. Denn geboren wurde er in der israelischen Küstenstadt Haifa, in eine christlich-arabische Familie. Kürzlich verkündete er seinen Beitritt zur neu gegründeten rechtsnationalistischen Partei Amcha Yisrael (Das Volk Israels) – mit dem nicht unerheblichen Ziel, ins nächste israelische Sicherheitskabinett einzuziehen.

Haddad, Sohn eines Priesters und einer Lehrerin, war bislang vornehmlich als konservativer Influencer bekannt. In einem TEDx Talk aus dem Jahr 2020 stellte er sich so vor: „Ich bin ein Terrorist. Und ich bin ein Verräter. Mein Name ist Yosef Haddad“.

Als Kind einer Minderheit in der Minderheit – der Chris­t:in­nen unter den muslimischen Ara­be­r:in­nen in einem jüdischen Staat – fand Haddad nach eigener Aussage im Fußball eine universelle Sprache, um Freundschaften über Milieugrenzen hinweg zu schließen. Er selbst sieht sich als „stolzer Israeli“ und „stolzer Araber“.

Aufgewachsen in Nazareth, der größten arabischen Stadt Israels, trat er nach einem Selbstmordanschlag 2003 in Haifa freiwillig dem israelischen Militär bei. Der Anschlag, verübt von einer Palästinenserin, rekrutiert vom islamischen Dschihad, traf ein Restaurant, das sowohl jüdische als auch arabische Israelis besuchten. Haddad wurde Mitglied der elitären Golani-Brigade, stieg zum Rang eines Kommandanten auf.

Neulich zückte er seine Pistole mitten auf der Straße

Nach seinem Militärdienst, während dessen er im Libanonkrieg 2006 verletzt wurde, studierte er Politikwissenschaften und arbeitete eine Zeit lang im Marketing. Gleichzeitig gründete er die NGO Together – Vouch for Each Other, die sich für arabisch-jüdische Integration einsetzt. Immer wieder reist er zu Veranstaltungen ins Ausland, um das Image Israels zu promoten.

Haddad tritt in der Öffentlichkeit meist ruhig und selbstbewusst auf. Vor etwa einem Jahr verlor er allerdings die Beherrschung, als er nach einem Streit mit einem Motorradfahrer mitten auf der Straße in Jaffa seine Pistole zückte und scharf schoss – laut eigener Aussage als Selbstverteidigung. Dafür wurde er verhaftet.

Haddad sagt, sein Engagement habe ihm Hassnachrichten und Todeswünsche eingebracht – von Radikalen der jüdischen als auch der arabischen Gemeinschaft in Israel. Auch im Ausland werde er angefeindet.

Nach dem Überfall der Hamas in Südisrael am 7. Oktober 2023 engagierte sich der 41-Jährige online verstärkt politisch. Der Anführer von Amcha Yisrael, Ex-General Ofer Winter, sagte nun, Haddad solle der nächste Minister für Öffentlichkeitsarbeit werden. Winters Ansichten sind rechts-nationalistisch. Er sieht die palästinensische Emigration als Lösung für Gaza, will die Ultraorthodoxen in die Armee integrieren, Kriminalität in den arabischen Gemeinschaften bekämpfen.

Haddad selbst erklärte seinen Beitritt zu Ofer Winters Partei so: Israel brauche eine neue rechte Partei, „die die Mentalität des Nahen Ostens versteht“. Er kritisierte die arabischen Parteien Israels, die in der Knesset „Jenin, Gaza und Ramallah“ statt der arabischen Gemeinschaften in Israel vertreten würden. In den vergangenen Jahren hat Haddad stets erklärt, dass Israel in Gaza keinen Völkermord begehe und dass es in Israel auch keine Apartheid gebe.

Zum Krieg gegen Iran und seinen Alliierten sagte er: „Wir befreien den Nahen Osten. Die Menschen werden sehen, dass wir die ganze Welt retten. Wir stehen auf der richtigen Seite der Geschichte“.

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