Neymar: Tschau, Superstar
Neymar tritt aus der brasilianischen Nationalmannschaft zurück. Seine Karriere ist aber eigentlich schon seit drei Jahren zu Ende.
Das ist doch eine Unverschämtheit! Was erlauben sich die Norweger? Vor allem Doppeltorschütze Erling Haaland und Torhüter Örjan Nyland. Aber vor allem auch Nyland: Ein 35 Jahre alter Torwart, der vor 11 Jahren noch beim FC Ingolstadt spielte und dort nicht einmal Stammtorhüter war, wagt es, jeden Schuss, jeden Angriff zu parieren und so Neymar Jr. die Show zu stehlen
Das kann der ein Jahr jüngere Altstar nicht auf sich sitzen lassen. Das Spiel ist zwar entschieden. Die Nachspielzeit abgelaufen. Doch Brasilien bekommt noch einen Elfmeter. Und Neymar die letzte Chance, zu zeigen, mit wem die anderen 21 Akteure hier eigentlich auf dem Platz stehen dürfen: mit dem teuersten Transfer der Fußballgeschichte. Also mit dem, was davon noch übrig geblieben ist.
Vor dem Strafstoß liefert sich Neymar ein Wortgefecht mit Nyland. Dann ein pompöser Anlauf. Tor. Wieder Trash Talk. Zuerst mit Nyland, dann mit dem Schiedsrichter. Wie Betteln um Aufmerksamkeit. Kurz darauf ist Schluss, Brasilien raus.
Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.
Anschließend ist auch Neymars Zeit in der Nationalmannschaft vorbei. Weinend sitzt er auf dem Rasen von New Jersey. Dort, wo seine Karriere im Optimalfall am kommenden Sonntag mit dem WM-Titel und der Erfüllung seines Traums, ja seiner Bestimmung, hätte enden sollen, geht sie nun zu Ende – mit dem ersten brasilianischen Ausscheiden im Achtelfinale seit 36 Jahren.
Das Ende kommt drei Jahre zu spät
Dieses Ende ist nicht nur das Scheitern einer großen Fußballnation bei dieser WM. Vor allem ist es das Scheitern eines ihrer größten Spieler. Nicht tragisch, sondern logisch. Tragisch und sportlich rätselhaft ist, dass Neymar überhaupt an dieser Weltmeisterschaft teilnehmen und seine Karriere in der Nationalmannschaft auf der größten Bühne beenden durfte.
Seit er 2022 Paris Saint-Germain Richtung Saudi-Arabien verlassen hat, bestritt er nur vier Länderspiele. Anfangs ließen sich die Ausfälle noch mit Verletzungen erklären, inzwischen ist er sportlich nicht mehr gut genug. Auch seine Rückkehr zum FC Santos änderte daran nichts. Neymar hat seinen Zenit überschritten. In der brasilianischen Série A kämpfte er gegen den Abstieg. Die Leichtigkeit, die ihn einst als Pelés Nachfolger auszeichnete und die seine arrogante Selbstgefälligkeit lange kaschierte, ist verschwunden. Sie weicht bei seinem letzten Schuss endgültig der Überheblichkeit und zeigt der Welt: Das war’s.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert