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Neue Musik aus BerlinDemokratische Quellenarbeit

Instrumentalmusik, die rattert, faucht und schnarrt: Sawt Out kreiert freie Jazz-Sounds mit Noise-Einschlag. Nun legt das Trio ein neues Album vor.

D as Trio Sawt Out verweist auf eine jahrhundertealte Tradition, die Bläserformation mit Perkussion, und macht eine zeitlose Moderne daraus: Trompeter Mazen Kerbaj spielt in seinen eigenen Worten elektronische Musik in akustischer Manier. Er lässt sein Instrument fauchen und rattern, schnarren und sägen. Bei den beiden Perkussionisten Burkhard Beins und Michael Vorfeld werden die Schlaginstrumente schon mal zu Streichinstrumenten.

Gerade erschienen ist „Fake Live in America“. Mit 71 Minuten Laufzeit ist das vierte Album das bis dato umfangreichste von Sawt Out. Ungewöhnlich ist es noch aus einem anderen Grund: Es enthält Mitschnitte einer elftägigen Tour durch die Vereinigten Staaten im Juni 2023 und dokumentiert diese nicht einfach. Die drei ausgedehnten Stücke sind Collagen aus Aufnahmen verschiedener Qualität, von professionellen Mikrophonen bis hin zum Smartphone, also das Resultat demokratischer Quellenarbeit.

Die Improvisationsmusiker Kerbaj, Beins und Vorfeld sind keine Halbgötter mit Notenschlüssel: Am Ende des vierzigminütigen Mittelstücks „The Box“ sorgt das Publikum für einen Klangteppich. Sawt Out schöpfen aus dem Fundus von experimentellem Jazz, Noise und Industrial.

Das Album

Sawt Out: „Fake Live In America“ (Headache Productions); Live im KM28, 14. 5.: The Return – Episode 1; 28. 5.: The Return – Episode 2 (Sawt Out Plugged), 20.30 Uhr / Doors 20 Uhr, Karl-Marx-Str. 28

Speziell im ersten Stück „Way In“ hat das etwas Ritualistisches. Den „Way Out“ wiederum weisen Spieluhr und Glöckchen. In aller Geräuschhaftigkeit steuern Sawt Out sehr oft einen Ruhepol an. Mit ihrer Instrumentalmusik setzen sie einen Kontrapunkt gegen den Missbrauch der Worte und bleiben so aktuell.

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Robert Mießner

Robert Mießner

Robert Mießner, geboren 1973 in Ost-Berlin. Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Philosophie und Bibliothekswissenschaft. Flaniert und notiert, hört zu und schreibt auf. Herausgeber (mit Alexander Pehlemann und Ronald Galenza) von „Magnetizdat DDR. Magnetbanduntergrund Ost 1979–1990“, Buch und LP, Berlin, Leipzig und Barreiro 2023.
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