piwik no script img

Neue Musik aus BerlinEingespielte Schrägtöner

Auf ihrem gemeinsamen Album „Döner Kebab“ erfinden die Improvisationsmusiker Axel Dörner und Mazen Kerbaj ein neues elektronisches Rezept.

Z weimal Trompete und Elektronik steht auf der Menükarte dieses knapp 55 Minuten umfassenden Albums. Guter Hinweis! Denn, was die Berliner Experimental- und Improvisationsmusiker Axel Dörner und Mazen Kerbaj da in drei Gängen zwischen 15 und 20 Minuten auftischen, ist zwar scharf, klingt aber nicht unbedingt nach Trompete.

Dafür gibt es Klick- und Rauschtöne wie aus Spielkonsolen der 80er-Jahre, das Krachen eines Donnerblechs, Industrielles und das behutsame Spiel mit verschiedenen Lautstärken, das alles gerade einmal im ersten Stück „Döner“. Das muss nicht nur der Humor zweier Schrägtöner wie Dörner und Kerbaj sein, die auf dem Cover mit ihren Nachnamen Schabernack treiben.

Dönerzubereitung ist, ein Besuch im Imbiss des Vertrauens belegt das, sehr oft eine Duodisziplin. Einer (zumeist sind es Männer) schabt und schnitzt am Drehspieß, ein anderer ist für den Salat zuständig. Das Duo Dörner und Kerbaj verteilt sich exakt auf den linken beziehungsweise rechten Stereokanal, ähnlich wie beispielsweise Don Cherry und Freddie Hubbard auf Ornette Colemans Genreklassiker „Free Jazz“.

tazplan

Der taz plan erscheint auf taz.de/tazplan und immer Mittwochs und Freitags in der Printausgabe der taz.

Das Album

Axel Dörner & Mazen Kerbaj: Döner Kebab (Al Maslakh Records), almaslakh.bandcamp.com/album/d-ner-kebab

Zwischen jenem Koller und dem minimalistischen „Döner Kebab“ liegen mittlerweile sechs Jahrzehnte, und so laufen das Scratchen und die Klingeln, die Percussion und die Orgelpfeifen des zweiten Stücks „Kebab“ – Sounds, die immer noch aus den Trompeten kommen – auf das elektronische Finale „Ayran“ zu: Science Fiction-Motive, Orchestergraben-Ambient und so etwas wie ein endlos geloopter Trommelwirbel. Ein Efes und einen Tee, bitte.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Robert Mießner

Robert Mießner

Robert Mießner, geboren 1973 in Ost-Berlin. Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Philosophie und Bibliothekswissenschaft. Flaniert und notiert, hört zu und schreibt auf. Herausgeber (mit Alexander Pehlemann und Ronald Galenza) von „Magnetizdat DDR. Magnetbanduntergrund Ost 1979–1990“, Buch und LP, Berlin, Leipzig und Barreiro 2023.
Mehr zum Thema

0 Kommentare