Nachruf auf Bonnie Tyler: Rocksängerin mit unverhohlenem Glam
Dramatisch mit verwehter Frise glänzte Bonnie Tyler in zahlreichen Hits vor allem in den 1980er Jahren. Am Donnerstag ist sie mit 75 Jahren gestorben.
Sie hatte sich, in einem Interview im vorigen Jahr, vorgestellt, in zehn Jahren noch zu singen, auf der Bühne zu stehen, ihre mähnige Frisur hin- und herzuwerfen, den dazugehörigen Glam zu genießen, alle Spots auf sich gerichtet: Bonnie Tyler, 1951 als Kind eines Kohlenarbeiters und einer Hausfrau und mit fünf Geschwistern in Skewen, Wales, zur Welt gekommen, ein Mädchen aus proletarischem Haus, tiefreligiös, protestantisch.
Schon früh wurde sie als Wesen mit schöner Stimme erkannt. Hier mal ein Kirchenchorauftritt, später, als Teenager, erste Versuche als Backgroundsängerin in einer Band – Elvis Presley war der ästhetische Gott ihrer frühen Jahre.
Dass sie berühmt werden würde, zwei Grammys gewinnen und bis in ihre letzte Zeit ihren, wie sie sagte, Traum leben könnte, nämlich berufstätig auf der Bühne zu stehen, ahnte sie natürlich nicht. Aber, wie es sich für sehr ehrgeizige G*rlz gehört, sie hatte nicht resigniert: Ihr erster Hit war 1976 „Lost in France“.
Wenig später, noch erfolgreicher „It’s a Heartache“ 1977 – noch ohne diese gewisse Brüchigkeit in ihrer Stimme, die zog sie sich erst infolge einer Stimmbandoperation zu, aber man konnte heraushören, dass sich da eine mit dem Geschichtseintrag als „One-Hit-Wonder“ nicht zufriedengeben wollte.
Das Glück des richtigen Produzenten
Tyler, von der so gut wie keine Boulevardgeschichten mit Scheidungen, Trennungen oder Ähnlichem überliefert waren, sollte schließlich in die Countryecke geschoben werden. Aber das war ihr zu lieblich und brav. Und sie hatte Glück, auf einen Produzenten wie Jim Steinman zu treffen. Der bastelte aus ihrem Stimmlichen eine Rocksängerin mit unverhohlenem Glam.
Immer noch – und bis zu ihren letzten Veröffentlichungen – ging es um Liebe und nichts als diese, ums Verlassenwerden.
Die Achtziger, befördert durch Steinman und andere, das waren für sie (und ihr entzücktes Publikum) Songs wie „Total Eclipse of the Heart“, „Faster than the Speed of Light“, das (mit Shakin’ Stevens) charmante „Rockin’ Good Way“, vor allem aber das sechsminütige Überpompdramastück „Loving You’s a Dirty Job (But Somebody’s Gotta Do It)“ mit Todd Rundgren ist ein Juwel in ihrer Sache: nie wirkte sie dramatischer, ihre Frise verwehter und umtoster, die Stimme, ja nie perfekt timbriert, hier rau und verletzlich zugleich. Dazu im Übrigen ein nicht sehr sparsam eingesetzter Chor mit hysterisch anmutenden Interventionen … Bonnie Tylers eigentliches Signature Poem.
Empfohlener externer Inhalt
Die weiteren Jahre waren natürlich auch ein Ringen um weitere Erfolge, aber sie war ja ohnehin im Olymp des Pop fest vertäut, im Erinnerungsspeicher der Menschen (und Pophörenden) ihrer Zeit.
Die Briten glaubten an sie, 2013 beim ESC
2013, als die britische BBC in puncto ESC völlig ratlos war, bat der Sender sie um die Teilnahme für Großbritannien. In Stockholm belegte sie einen 19. Platz, der jugendorientiert gewordene ESC hatte damals kein Herz für Veteraninnen und in ihrem Fall ihr „Believe in Me“ – ein eher ruhiges Stück, bei dem Tyler, verheiratet ein erwachsenes Leben lang, ihre Rockstimme prima zur Geltung bringen konnte.
Gesundheitlich war Tyler seit Wochen angeschlagen, einige Zeit im Koma, wieder aufgewacht, kommende Auftritte avisierend, etwa am 21. Juli im Harzer Bergtheater in Thale. Sie schmähte nie kleinere Orte, sie kam selbst aus einem …
In Faro an der Algarve ist Bonnie Tyler am Donnerstag eben 75-jährig gestorben. Sie selbst sagte vor nicht langer Zeit: „Ich hatte ein großartiges Leben.“
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