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Nachruf auf Village-People-SängerKnalliges Catwalking mit testosteronsättigendem Tanz

Victor Willis war Sänger und Produzent der Discoband Village People. Er war der einzige Hetero in der Truppe, in einer Zeit, in der Schwules noch unsagbar war.

Es war die Zeit, als von Aids und anderen sexuell ansteckenden Infektionen noch keine Rede sein musste, also um das Jahr 1978, als ein in den USA lebendes französisches Freundespaar in seiner Musikszene auf die Idee kam, einen Act zu kreieren, der die männlichsten (nach klassischer Lesart) Stereotypen zusammenfasste, um aus ihnen so etwas wie eine gecastete Discoband zu gestalten. Heraus kam eine Formation namens Village People – und ihr Lied lautete „Y.M.C.A.“.

Das war ein schon nach kurzer Zeit, wie alle Schlager, enervierender Ohrenfräser, ästhetisch weitgehend anspruchsarm produziert, immens erfolgreich, bis in heutige Tage ein Popsong in kristalliner Klarheit. Tanz- und stampffähig, entsetzlich eingängig auf Anhieb.

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Village People YMCA

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Das Kuriose war allein: Die Männer, die die Band verkörperten, waren ausstaffiert wie aus einem schwulen Traumarrangement – der, hier in der Nomenklatur benannt wie in früheren Zeiten, Indianer, der Bauarbeiter, der Schwarze und der Cowboy.

Und das Dorf, das Village, um das es behaupteterweise ging, war Greenwich Village, das Schwulenviertel in New York City, noch eher ungentrifiziert, nahe am Hudson, weit weg von der vornehmen East Side, Sex, Drugs & Gay Rock ‚n‘ Roll. Nur dass das keiner aussprechen durfte (oder vermochte): Schwules war noch hot, weil es so unsagbar, so verboten, so CSD-Pride-Parade-Lichtjahre-entfernt, zumal in Deutschland das Wort „Stonewall“ noch niemand als politisches Faktum gehört hatte, aber selbst Heteros, die sich als aufgeklärt und informiert verstanden, erkannten in diesen Dorfleuten keine Signaturen schwuler Codes.

Der Mann des virilen, lebenszuversichtlichen Konzepts

Noch kurioser: Der Leadsänger, Victor Willis, war der einzige der Formation, der nicht schwul war. Geboren 1951 in Dallas, Texas, spielte er in der Popgruppe die Figur des „Cop“ (and he was no bastard!) und Marineoffiziers, bekam früh attestiert, über eine schöne und kräftige Rhythm-'n‘-Bluesstimme zu verfügen, nur für eine Solokarriere reichte es nie.

Dafür, siehe die Zeilen vorher, wurde er entdeckt als Mann des virilen, lebenszuversichtlichen Konzepts, keine Schneeflocke, keine vergrübelte Sanftheit, im Gegenteil knallig fröhliches Catwalking mit testosteronsättigenden Tanzschritten. Willis, bis zu seiner Erfolgsnummer hier und da am Broadway tätig, in der Werbejinglebranche, aber fern eines persönlichen Oeuvres, produzierte einige der Hits der Village People mit, auch an den zwei anderen Liedern, die ewige Tantiemen verhießen, „In the Navy“, „Macho Man“ oder „Go West“.

Willis, der vom Miterfinder der Village People darauf hingewiesen wurde, dass auch er mit den Zeichen der politisch und kommerziell erwachenden Schwulenszene Post-Stonewall umzugehen habe, war nicht zimperlich – und machte seinen Job mit den anderen exzellent. Dass ein sehr aufregendes Leben damals zu Drogenkonsum führen würde, ist aus heutiger Sicht naheliegend, dass er seine Kokainprobleme in den Griff bekommen würde, tröstlich.

Er war zweimal verheiratet, hatte am Ende nichts mehr mit der Urbesetzung der Village People gemein, die im Übrigen nach Willis' Abschied aus der Gruppe nie mehr so recht Erfolg hatten.

Am 30. Juni ist er im einen Tag vor seinem 75. Geburtstag gestorben. Er hat buchstäblich Spuren hinterlassen, unironisch gemeint, gut lesbar … und heute ein wenig verweht.

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