Nach der Armeerevolte in Niger : Russland als Neokolonialist
Nigers Militärregime benötigte russische Hilfe, um einen Putschversuch niederzuschlagen. Damit untergräbt es seine eigene Legitimität.
Foto: Russian Foreign Ministry/Reuters
D ie Militärregime in Westafrikas Sahelzone, die sich in einer Reihe von Staatsstreichen zwischen 2020 und 2023 auf Kosten gewählter Regierungen etabliert haben, versprechen Stabilität. Aber sie sind alles andere als stabil. In Mali und Burkina Faso folgte auf den ersten Militärputsch alsbald ein zweiter, und die Sicherheitslage bleibt extrem angespannt.
In Niger, wo seit 2023 die Armee herrscht, wurde eine Revolte unzufriedener Frontsoldaten als Vorstufe eines Putschversuchs in der Nacht zu Samstag nur mit größer Mühe niedergeschlagen: Militäreinrichtungen in der Hauptstadt Niamey waren umkämpft, Russlands Afrikakorps musste eingreifen, Algerien schickte Kampfjets.
Dass ausländische Mächte der Regierung von General Tiani in Niger das Überleben ermöglichten, ist eine peinliche Wendung. In Mali, Burkina Faso und schließlich in Niger putschten die Streitkräfte alle im Namen der nationalen Souveränität. Man wolle, verkündeten die meist zu Eliteeinheiten und Spezialkräften gehörenden Offiziere, nicht länger vom „Westen“ abhängig sein.
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Frankreich und die UNO, die beiden Oberlehrer Westafrikas, wurden hinauskomplimentiert. An ihrer Stelle sollten russische Kämpfer ohne lästige Rücksicht auf Menschenrechte islamistische Terrorgruppen und Rebellen zerschlagen. Nun braucht Nigers Regierung die Russen, um sich vor Teilen des eigenen Militärs zu retten. Schöne „Souveränität“.
Russland tritt mit seiner Intervention gegen eine Armeerebellion in alte neokoloniale Fußstapfen. Und Nigers Regierung schafft sich ein neues Problem. Teile der Streitkräfte sind nunmehr Feinde. Schon machen Nachrichten die Runde, dass in sensiblen Landesteilen Armeeeinheiten abgezogen, entwaffnet oder ausgetauscht werden. Vertrauen schwindet, Befehlsketten zerfallen. All das spielt Nigers bewaffneten Islamisten in die Hände. Und von den Legitimationsgründen der Sahel-Militärputsche löst sich einer nach dem anderen in Luft auf.
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