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Nach dem WM-Aus IransVerzerrter Wettbewerb

Noch nie hat ein WM-Gastgeber so schamlos in das sportliche Geschehen eingegriffen wie die USA. In Irans Team beklagt man fehlende Fairness.

„Die WM ist eine Desaster“, sagte Mehdi Taremi, der Kapitän der iranischen Nationalmannschaft nach dem 1:1-Unentschieden im letzten Spiel der Gruppe G gegen Ägypten. „Ein Desaster“, wiederholte er noch einmal. Und dann ließ er seinen Gedanken freien Lauf und zählte auf, wie mit seinem Team vor und während des Turniers umgegangen worden ist. Sein Vorwurf: „Die Fifa hätte alle Probleme lösen müssen, das ist ihr leider von Anfang an nicht gelungen.“ Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass Iran ausscheiden würde. Große Hoffnungen machte sich Teremi bei seiner Ansprache in der Mixed Zone offenbar nicht.

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Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

Noch nie zuvor hatte es die Situation gegeben, dass eine Fußball-WM der Männer in einem Gastgeberland ausgetragen wird, das sich gerade mit einem der Teilnehmerländer im Kriegszustand befindet. Irans Auswahl hatte sich, lange bevor die USA Ende Februar zum Krieg geblasen haben, für die Endrunde qualifiziert. Mit Kriegsausbruch begannen dann die Spekulationen, ob Iran am Turnier würde teilnehmen können.

Erst drohte Iran mit einem Boykott, dann gab es Befürchtungen, Spieler und Betreuer würden keine Visa bekommen, bevor US-Präsident Donald Trump dann meinte, das Team könne schon einreisen, für seine Sicherheit könne aber niemand garantieren. Während Fifa-Präsident Gianni Infantino viel dafür unternahm, das iranische Team zu bearbeiten und zu einer Teilnahme an der WM zu bewegen, dachte sich die US-Regierung eine Gemeinheit nach der anderen aus, um dem iranischen Team den Aufenthalt bei der WM so unkomfortabel wie möglich zu machen.

Ein derart dreistes Eingreifen in Abläufe während einer Sportgroßveranstaltung sucht seinesgleichen. Das Team, das sich seit März aus Sicherheitsgründen in der Türkei aufgehalten hatte, durfte für die WM nicht in den USA Quartier nehmen, obwohl alle drei Gruppenspiele in den Staaten angesetzt waren.

Es bereitete sich im mexikanischen Tijuana vor, durfte nur zum Spiel selbst anreisen und hatte gleich nach dem Spiel wieder zu verschwinden. Nur für das Spiel gegen Ägypten in Seattle genehmigte man den Spielern eine frühere Anreise. Wesentliche Betreuer des Teams, auch solche aus dem medizinischen Stab, durften die Spieler zudem nicht zu den Partien begleiten, weil die USA ihnen Visa verwehrt hatten.

Unfaire Fifa

Es ist bestimmt nicht überinterpretiert, vor diesem Hintergrund davon zu sprechen, dass die US-Regierung direkten Einfluss auf dem sportlichen Wettbewerb genommen hat. Es herrschten ungleiche Voraussetzungen, was die Vorbereitung anbetrifft. Das Sportvokabular kennt dafür den Ausdruck Wettbewerbsverzerrung. Dass Iran das Turnier nach drei Unentschieden am Ende ungeschlagen verlässt, ist da mehr als respektabel.

„Das ist nicht fair“, fasste Irans Kapitän Taremi seine Einlassungen zusammen und stellte die Frage: „Ist es für die Fifa fair?“ Und: „Wenn sie uns nicht dabei haben wollen, okay, dann sind wir weg. Aber so? Das ist doch nicht fair.“ Da wusste einer ganz genau, was er sagen wollte.

Das iranische Team hat auch wegen seiner professionellen PR-Arbeit viele Herzen gewonnen

Er hatte sogar einen freundlichen Satz parat, mit dem er auf die Frage geantwortet hat, was er denn davon hält, dass die Gastgeberstadt Seattle die Partie als Pride Match zur Unterstützung der LGBTQI+-Community beworben hat. „Unsere Religion akzeptiert das nicht, aber wir respektieren alle LGBTQI+-Menschen“, sagte er und wusste ganz bestimmt, dass sein Verband zuvor alles dafür unternommen hat, dass die Fifa selbst kein Zeichen für Diversität zu diesem Spiel aussendet.

Das hat der Weltverband letztlich in der Tat nicht getan. Einen besseren Pressesprecher wird das iranische Regime, das vor und während des Turniers schamlos Propaganda mit der WM-Truppe gemacht hat, gewiss so schnell nicht finden.

Das iranische Team hat auch wegen seiner professionellen PR-Arbeit viele Herzen gewonnen – weit mehr als die der zahlreichen Exil-Iraner:innen, die in den WM-Stadien ihr Team auch mit Fahnen aus der Schah-Zeit angefeuert haben. Am Ende ist es auch die verrückte Nachspielzeit der Partie gegen Ägypten, die so schnell niemand vergessen wird, der die Partie verfolgt hat.

Die Iraner jubelten bereits über den Siegtreffer, als Bilder der VAR zeigten, dass der vermeintliche Torschütze Shojae Khalilzadeh mit einem halben Fuß im Abseits stand. In den sozialen Medien kursiert längst die Verschwörungstheorie, nach der diese Entscheidung so fallen musste, um Iran aus dem Turnier zu eliminieren. Auch wenn die US-Regierung damit nichts zu tun hat, wird sich diese Erzählung so wohl nicht mehr einfangen lassen.

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12 Kommentare

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  • Für die fußballbegeisterten Iraner:innen tut mir das Ausscheiden leid, dem Regime hingegen gönne ich es von Herzen.

    Als Alternativprogramm empfehle ich allen den im Iran verbotenen Spielfilm "Offside" von Dschafar Panahi aus dem Jahr 2006.

  • "Das Team (...) durfte für die WM nicht in den USA Quartier nehmen, obwohl alle drei Gruppenspiele in den Staaten angesetzt waren."



    Ja du liebe Güte 🙄



    Die hatten Quartier in Tijuana an der Grenze und sind dann vor den beiden Spielen in Los Angeles die 204 Kilometer kurz geflogen ✈️



    Die Anreise war stressfreier als jedes Bundesliga-Auswärtsspiel, wo Vereine oft deutlich weitere Strecken mit dem Bus fahren als zu fliegen.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Darum geht es allerdings überhaupt nicht. Schikane nennt man das, worum es hier geht. No less.

  • Auweia, schämt ihr euch nicht??? Mit keinem Wort erwähnt ihr, dass diese iranische Mannschaft eine Puppe des Regimes der Mullahs ist! Der Großteil der eigentlichen Nationalmannschaft sitzt im Gefängnis oder ist hingerichtet, weil sie das Massaker im Januar mit 42.000 ermordeten Demonstrant*innen kritisiert haben, So z.b. der frühere Nationaltorwart Rashid Mazaheri. Und euch fällt nur ein, die Flagge der Demonstrierenden im Stadion als aus der Schah-Zeit zu nennen, dieses völlig überkommene Stereotyp von vor 42 Jahren, als die Linken Europas die Mullahs feierten. Diese Flagge ist die Flagge des freien Iran!!! Versteht endlich mal, dass die Leute das Mullah Regime nicht mehr ertragen, auch wenn die deutschen Regierungen es immer weiter unterstützen.

    • @Rupert :

      Das ist allerdings eine gewagte Behauptung: es stimmt zwar, dass im Iran immer wieder Spieler aus politischen Gründen ausgeschieden sind oder sogar verhaftet wurde , aber mit Sicherheit nicht die Hälfte der "eigentlichen Nationalmannschaft"; Mazaheri gehört dieser soweit ich weiss schon seit 2021 nicht mehr an. Die restlichen, nicht direkt auf Fussball bezogenen Punkte sind vielleicht ein Thema für ein anderes Forum, ich rate aber davor, Gerüchte aus dem Internet allzu unkritisch zu übernehmen (wie falsch man mit darauf basierenden Einschätzungen lag, haben die Ereignisse der letzten Monate ja gezeigt).

  • Wurde das iranische Team unfair behandelt? Sicherlich!



    Sollten wir deshalb Mitleid mit dem Team haben? Nein!



    In einem anderen Artikel hier wurde klar gesagt, dass das Team ein System vertritt, welches seine Bürger und insbesondere Bürgerinnen massiv unterdrückt und kein Problem damit hat, Protestierende zu ermorden!



    Ob die Exiliraner mit den alten persischen Flaggen wirklich das Team gefeiert haben oder nicht eigentlich protestiert haben, sei auch mal dahingestellt.



    Konsequent wäre es, solche Länder gar nicht erst zuzulassen, aber dafür ist die FIFA zu geldgierig!

  • Wettbewerbsverzerrung ist schon sehr oft vorgekommen bei einer WM.



    Allein die Sonderbehandlung die Messi in Katar und auch jetzt bei den Schiedsrichtern bekommt verzerrt meiner Meinung nach deutlich mehr den Wettbewerb als die frühe ab und Anreise des iranischen Teams.



    Der iranische Verband hat übrigens die FIFA aufgefordert alle Pride Symbole zu entfernen. Woher die Sympathie für diesen Verband kommt, ist mir ein Rätsel.

    Und noch was aus der Historie: Argentinien 1978

    Erst ein völlig überraschendes und zweifelhaftes 6-0 gegen Peru sichert Argentinien die Finalteilnahme. Die Militärdiktatur hat kurz vorher die peruanische Mannschaft noch aufgesucht...

    5 Minuten vor dem Finale darf ein Holl. Spieler wegen eines Verbands am Arm nicht mitspielen. Obwohl er das gesamte Turnier damit bestritten hatte und die FIFA vor dem Turnier alles genehmigt hatte.

    Erst die Weigerung der Holländer dann überhaupt anzutreten, hob das Verbot auf.

    Der Schiedsrichter ließ die überharten Argentinier gewähren und Pfiff an entscheiden Szenen so gut wie nur für Argentinien.

    Wenn man das erlebt hat, ist die Behauptung noch nie habe ein Gastgeber Land so manipuliert wie die USA, einfach Unsinn .

    • @Kölner 69:

      Die Entscheidungen eines unfairen Schiedsrichters hat nichts mit staatlichen Behörden oder Zwängen zu tun. Dafür ist die (undemokratische) FIFA verantwortlich. Bei den Schikanen gegen eine ganze Mannschaft wie in dem Bericht geschrieben, handelt es sich jedoch um rein hoheitliche Maßnahmen des Trump Regimes. Das ist ein riesiger Unterschied.

  • Die WM wird von Gastländern, Teams, Fifa selbst für ihre politischen, wirtschaftlichen und Marketingzwecke benutzt. Es wird manipuliert, betrogen, Schmiergeld gezahlt, Recht gebogen.

    Vielfalt gepredigt, während Menschenrechte in Wirklichkeit völlig egal sind.

    Jüngstes Beispiel: Eine Riesen-WM, bei der ein Viertel aller Länder der Welt qualifiziert ist.

    Ich hätte noch einen Vorschlag: Eine WM, gestreckt auf 4 Jahre, auf 7 Kontinenten (inklusive Antarktis).

    Das Finale im Weltall, organisiert von SpaceEx. Und man spart sich die Qualifikation und lässt ALLE zahlungskräftigen Verbände teilnehmen (aber nur die).

    Es ist so, wie der Comedian John Oliver einmal sagte: "Alles eine einzige Mafia. Und doch kann ich nicht anders, als mir die Spiele anzuschauen ...."

  • Das Verhalten der USA unter dem Trump-Regime ist dem von ein paar Kleinkindern im Sandkasten gleichzustellen. Die Kids können noch nicht abwägen, fairen Umgang beherrschen sie noch nicht, während das US-Regime offenbar sehr bewusst handelt. Und dieses Land will das Land "der großen Freiheit" sein? Für wen denn? Die Oligarchen?

  • Russland wurde wegen des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs (zurecht) von internationalen Sportwettbewerben ausgeschlossen.

    USA darf trotz des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs sogar einen internationalen Sportwettbewerb austragen, und dabei vor den Augen der Weltöffentlichkeit das angegriffene Land weiter düperien.

    • @Limonadengrundstoff:

      Sowas ging mir auch durch den Kopf. Wenn "US-Präsident Donald Trump dann meinte, das Team könne schon einreisen, für seine Sicherheit könne aber niemand garantieren" und die Veranstaltung nicht abgesagt werden kann, sollten beide Kriegsparteien, also sowohl Iran als auch die nicht für die Sicherheit sorgen wollenden USA, vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Wie andere sich im Krieg befindende Länder auch.