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Miliz im GazastreifenDie Hamas verkündet das Ende ihrer Regierung in Gaza

Hamas hat angekündigt, ihre Regierung im Gazastreifen aufzulösen und an Technokraten zu übergeben. Ist das wirklich das Ende ihrer Herrschaft?

Serena Bilanceri

Aus Tel Aviv

Serena Bilanceri

Die Hamas hat am Montag angekündigt, ihre Regierung im Gazastreifen aufzulösen. Dies ist Teil des sogenannten Trump-Plans für die Nachkriegszeit in Gaza, laut dem ein technokratisches, palästinensisches Komitee die Verwaltung des Küstenstreifens übernehmen soll – vorläufig zumindest.

Die islamistische Terrororganisation regierte 19 Jahre lang mit eiserner Hand den palästinensischen Küstenstreifen seit ihrer Machtübernahme im Jahr 2007. Ein Jahr zuvor hatte die Gruppe als politische Partei dort die palästinensischen Wahlen gewonnen und bald darauf in Gaza einen bewaffneten Konflikt mit der rivalisierenden Fatah für sich entschieden.

Nach dem Angriff vom 7. Oktober 2023, bei dem Hamas-Kämpfer israelische Dörfer stürmten und fast 1.200 Menschen töteten sowie 250 nach Gaza verschleppten, und dem darauffolgenden, verheerenden Krieg mit Israel hatte es immer wieder auch unter Gazas Bevölkerung Proteste gegen die langjährigen Machthaber gegeben.

Unter dem US-geführten Friedensplan hatte die Hamas akzeptiert, die zivile Autorität über den Gazastreifen aufzugeben. Viel umstrittener ist jedoch die Frage ihrer Abrüstung. Die jetzige Entscheidung über die Regierung im Gazastreifen betrifft nicht den bewaffneten Arm der Hamas, über dessen Zukunft die Un­ter­händ­le­r:in­nen noch immer verhandeln.

Zahlreiche Hindernisse auf dem Weg zum dauerhaften Waffenstillstand

Die Frage nach der Entwaffnung ist zudem nicht das einzige Hindernis auf dem Weg zur Durchsetzung des Waffenstillstandsabkommens. Israel hat bislang die Einreise der Komiteemitglieder nach Gaza blockiert, sämtliche der Politiker sind noch in Kairo. Das Verhältnis der israelischen Regierung zum Friedensplan war von Anfang an heikel. So bemängelte Israel die Wahl der Mitglieder des Friedensrats, zu denen etwa die Türkei und Katar zählen. Dann weigerten sich israelische Politiker, den Wiederaufbau zu finanzieren. Die nahezu täglichen Brüche der Waffenruhe, oft durch israelische Luftangriffe, könnten außerdem eine neue Regierung in Gaza in Gefahr bringen.

Der Vorsitzende des Komitees, Ali Shaath, schrieb auf X, sie seien bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Was sie dafür bräuchten: eine einzige Verwaltung in einem klaren rechtlichen Rahmen und einen Sicherheitsapparat, der ihr untersteht. Derzeit kontrolliert Israel mehr als 60 Prozent des Gebiets. Der Friedensrat versucht, eine neue Polizei in Gaza zu rekrutieren, doch auch dabei gibt es Unstimmigkeiten darüber, inwiefern Polizisten, die bereits unter der Hamas aktiv waren, beteiligt sein dürfen. Außerdem sind noch immer mehrere Milizen im Land aktiv, die teilweise von Israel unterstützt werden.

Laut dem israelischen Außenminister Gideon Sa’ar ist die Auflösung der Hamas-Verwaltung ein „Trick“, um „ihre eigene Abrüstung zu verhindern“. Sie wolle die Verwaltung aufgeben, um militärische Macht zu behalten. Die Hamas sagt hingegen, sie wolle ihre volle Verpflichtung zeigen, das Waffenruheabkommen umzusetzen. Zivile Be­am­t:in­nen sollen aber zunächst ihre Posten behalten, um den Übergang zu erleichtern. Der Friedensrat teilte am Montag mit, er habe von der Auflösung Kenntnis genommen.

„Kernproblem bleibt die Entwaffnung“

Wie wahrscheinlich es ist, dass die Hamas ihre Macht im Küstenstreifen abgibt, ist umstritten. Ibrahim Dalalsha vom palästinensischen Thinktank „Horizon Center“ sieht die Aktion als eher symbolisch an. „Israel wird höchstwahrscheinlich nichts weniger als die vollständige Hamas-Abrüstung und den Abbau der militärischen Infrastruktur akzeptieren“, sagt er. Die Auflösung der Hamas-Verwaltung soll Flexibilität zeigen und den Druck auf Un­ter­händ­le­r:in­nen und Friedensrat erhöhen. Das bedeute aber kein tatsächliches Ende der Hamas-Herrschaft. Das Kernproblem bleibe die Entwaffnung.

Der israelische Palästina-Experte und Ex-Militärgeheimdienstler Michael Milshtein hält die Ankündigung ebenfalls für symbolisch, aber dennoch für einen wichtigen Schritt. Die Hamas versuche, Veränderung zu zeigen, um den Friedensrat zu überzeugen – ohne indes an der Frage der Abrüstung zu rütteln. Es gebe „keine Chance, dass die Hamas aus der politischen Szene in Gaza vollständig verschwindet“.

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5 Kommentare

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  • Solange sie weiter ihre Schutzgelder eintreiben können, ist wahrscheinlich egal, wer unter ihrer Führung formal regiert.

  • Die Hamas wurde demaskiert, ihr ganzes Sozialsystem diente eben einem bestimmten Zweck. Wozu also noch diesen Aufwand betreiben, wenn alles auf dem Tisch liegt und man sich ungeniert auf das militärische Kerngeschäft konzentrieren kann.

  • Die israelische Regierung arbeitet seit Jahrzehnten hart daran, islamistischen Terror großzuziehen. Ich schätze, nicht mal Jesus könnte sich einen gewissen kleinen Hass auf die israelische (vom israelischen Volk gewählte) Regierung verkneifen, wenn er, seine Eltern und seine Großeltern vertrieben, unterdrückt und ermordet worden wären. Besonders tragisch ist, dass die Mehrheit des israelischen Volkes aus der Geschichte heraus, in der sie selbst auf schrecklichste Weise verfolgt und ermordet wurden, nicht viel gelernt haben. Wir in Deutschland übrigens haben leider genauso wenig gelernt. Menschen, wie Margot Friedländer, haben gelernt, aber sie sind eine Minderheit.

    Die Strategie, wie man Israel einen tollen Staat finden soll, ist überarbeitenswert.

    • @Jalella:

      Wieso sollten die Nachfahren der Opfer aus deren Erfahrungen lernen? Das sollten doch eher die Nachfahren der Täter. Warum sollte die sehr diverse Bevölkerung Israels, die es während des 2.Weltkrieges noch gar nicht gab, Lehren aus dem Massenmord ziehen? Sie setzen Israel mit Juden/Jüdinnen gleich. Wer jüdisch ist, muss also mit Israel in Verbindung stehen und aus der jahrtausendelangen Verfolgung gelernt haben. Ihre Logik ist irrational und frei von Basiswissen zum Thema.



      Israel ist kein toller Staat, so etwas gibt es nicht. Israel ist aber der Staat, der jüdisches Leben schützen soll, weil das leider nötig ist. Auch wenn die israelische Gesellschaft im Augenblick mehrheitlich offen ist für menschenfeindliche Politik, wie sie von der derzeitigen Regierung real betrieben wird, ist dieser Fakt tatsächlich toll am Staate Israel. Was stört sie daran?

  • Seit wann möchte Israel eine Auflösung der Hamas? Die waren doch immer ein genehmer Keil gegen ein geeintes Palästina.