Mangelnde PCR-Tests in Deutschland: Von Österreich lernen

Eine effektives Corona-Management ist möglich. Die Bundesregierung und Län­der­che­f*in­nen könnten einfach mal in Wien anrufen und fragen.

Teststation im Container mit einigen Frauen davor

Da geht was: Corona Teststelle in Wien Foto: Daniel Biskup

Wien macht Deutschland vor, wie vorausschauende Coronapolitik beim Testen aussehen kann. Wenn ich am Abend einen PCR-Test vorweisen muss, gehe ich morgens zur fünf Minuten entfernten Teststation, zeige meine elektronische Versicherungskarte und bin nach fünf Minuten wieder draußen. Nur zu Spitzenzeiten bilden sich kleine Schlangen. Um 17 Uhr kommt normalerweise das Testergebnis via SMS aufs Smartphone.

Wien ist Testweltmeister. Zwischen 400.000 und 500.000 PCR-Tests werden derzeit täglich verarbeitet. Bis zu 800.000 wären in 24 Stunden möglich. Vier Prozent sind derzeit positiv. Beliebt ist auch die Variante, den Test mit Selfie-Video zu dokumentieren und die Probe in einer Drogerie oder einem Supermarkt in eine Box zu werfen. Um 9 Uhr holt das Labor die Proben ab, das Resultat ist meist binnen zwölf Stunden da. Anderswo dauert es oft so lange, dass die 48-stündige Gültigkeit des Tests schon abgelaufen ist.

Was ist das Geheimnis der österreichischen Bundeshauptstadt? Die sozialliberale Stadtregierung unter Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat schon sehr früh auf flächendeckende Tests gesetzt. Schon bei den Antigentests im vergangenen Jahr wurden schnell effiziente Mechanismen entwickelt, die die Testkits unter das Volk brachten. Die Kosten von rund 6 Euro für einen PCR-Test inklusive Logistik übernimmt der Bund. Die beliebten Gurgeltests wickeln die Lifebrain-Labors ab, die mit rund 1.000 Mitarbeitern – darunter viele Migrantinnen – rund um die Uhr arbeiten. Kein anderer Anbieter kann in puncto Schnelligkeit und Zuverlässigkeit mithalten.

Ludwig praktiziert eine strenge Coronapolitik und nimmt dafür auch den Vorwurf der Spaßbremse in Kauf. Die Teststrategie, die unter dem Motto „Koste es, was es wolle“ stehen könnte, gehört zum Gesamtkonzept. Sie verringert die Dunkelziffer und ermöglicht einen relativ ungestörten Kultur- und Gastronomiebetrieb.

Wenn es Deutschland so schwer fällt, beim Testen und anderen Problemen in der Pandemie vorausschauend zu handeln, sollte Berlin einfach mal in Wien vorbeischauen und sich beraten lassen.

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Geboren in Wien, 1955, taz-Korrespondent für Österreich und Ungarn. Daneben freier Autor für Radio und Print. Im früheren Leben (1985-1996) taz-Korrespondent in Zentralamerika mit Einzugsgebiet von Mexiko über die Karibik bis Kolumbien und Peru. Nach Lateinamerika reist er noch immer regelmäßig. Vom Tsunami 2004 bis zum Ende des Bürgerkriegs war er auch immer wieder in Sri Lanka. Tutor für Nicaragua am Schulungszentrum der GIZ in Bad Honnef. Autor von Studien und Projektevaluierungen in Lateinamerika und Afrika. Gelernter Jurist und Absolvent der Diplomatischen Akademie in Wien.

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