piwik no script img

Kritik an Dua Lipas HochzeitViele Hochzeiten und kein Todesfall

Die britisch-kosovarisch-albanische Popsängerin Dua Lipa hat auf Sizilien geheiratet. Boulevardmedien werfen ihr deshalb ein Event im Mafia-Style vor.

In Kosovo ist sie eine absolute Nationalheldin, Albanien verlieh ihr 2022 die Staatsbürgerschaft – und dennoch entschied sich Popsängerin Dua Lipa mit Sizilien für einen anderen Ort, um ihre Hochzeit mit dem britischen Schauspieler Callum Turner zu feiern.

Von einem Event im Mafia-Style schrieb die britische Boulevardpresse und zog Vergleiche mit dem Film „Der Pate“. Private Sicherheitsleute, die zum Schutz der prominenten Gäste des Paares angeheuert wurden und öffentliche Plätze sperrten sowie hohe Geldsummen, die An­woh­ne­r:in­nen geboten wurden, damit sie keine eigenen Bilder machen, verstärkten den halbseidenen Eindruck.

Italien wird schon länger als glamouröse Kulisse für Promihochzeiten genutzt. Amazon-Milliardär Jeff Bezos und seine Frau Lauren Sánchez heirateten 2025 in Venedig, die Stadt war eigens dafür abgeriegelt worden, was großen Protest von An­woh­ne­r:in­nen ausgelöst hatte. Auch George Clooney und Bastian Schweinsteiger haben hier geheiratet. Kim Kardashian und Kanye West hatten den Trend 2014 in Florenz gesetzt.

Da war Dua Lipa, geboren 1995 in London, noch nahezu unbekannt. Ihre Eltern waren kurz vor ihrer Geburt vor dem Krieg nach Großbritannien geflohen. 13 Jahre später zogen sie zurück in den Kosovo. Dua – albanisch für „lieben“ – besuchte dort die Schule, lernte unter anderem deutsch und lud Coverversionen bekannter Songs auf Youtube hoch. So wurde die Musikindustrie auf sie aufmerksam.

Politisch laut und sichtbar

Mit 15 zog sie zurück nach London – allein, ihre Eltern blieben im Kosovo. Sie nahm ihre Gesangsstunden wieder auf, arbeitete als Model, Sängerin und Songwriterin, bekam einen Plattenvertrag. 2015 landete sie mit der Single „Be the One“ den ersten großen Charterfolg. Es folgten Kooperationen mit Rapper Sean Paul oder Coldplay-Sänger Chris Martin. 2018 reüssierte sie bei den Brit Awards, 2019 bekam sie ihre ersten Grammys. Mit ihrem Vater Dukagjin, Frontmann der kosovarischen Rockband Oda, gründete sie 2018 das Sunny Hill Musikfestival in Pristina.

Neben der Musik macht Dua Lipa immer wieder mit politischen Statements auf sich aufmerksam. Sie sprach sich gegen den Brexit aus, machte Wahlwerbung für Bernie Sanders, später für Joe Biden, auch weil der sich für die Unabhängigkeit des Kosovo eingesetzt hatte. Sie engagiert sich für Feminismus und die LGBTQI-Bewegung sowie gegen den Krieg in Gaza. Eine Kampagne in Israel wollte verhindern, dass ihre Songs weiter im Radiosender des israelischen Militärs liefen – vergeblich.

Mit einer Reichweite von 88,1 Millionen Followern auf Instagram und 65 Millionen monatlichen Hörern auf Spotify verhilft sie auch dem Kosovo – Einwohner: 1,87 Millionen – zu mehr Sichtbarkeit.

Auf die Sichtbarkeit für seine Stadt würde Palermos Bürgermeister Roberto Lagalla hingegen lieber verzichten. Er echauffierte sich über „ungerechte Klischees“ und die „simple und beleidigende Darstellung“ seiner Stadt als Mafiahochburg in der Presse. Seit Jahren versucht sich Palermo mit Anti-Mafia-Touren für Tou­ris­t:in­nen von den Klischees zu lösen.

Dua Lipa und Callum Turner sind daran aber unschuldig, gegen sie richtet sich auch der Ärger der An­woh­ne­r:in­nen nicht. Der Gästeempfang etwa fand in Palermos Palazzo Gangi statt. Hier wurde kein Mafiafilm gedreht, sondern Luchino Viscontis Film „Der Leopard“.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare