Krieg in Sudan: Völkermordartige Verbrechen und ausländische Unterstützung
Ein neuer UN-Bericht über den Krieg in Sudan liefert Belege für die internationale Unterstützung der RSF-Miliz mit Waffen und Söldnern.
Foto: Mohnd Blal/ap
Zwanzig Seiten lang ist der jüngste Bericht zum Krieg in Sudan seitens der Vereinten Nationen (UN), der am Freitag dem UN-Menschenrechtsrat vorgelegt wurde. Die wohl wichtigste Feststellung: „Der Einsatz technologischer Fortschritte, insbesondere erweiterter Drohnenkapazitäten, hat den Charakter des Konflikts verändert, die geografische Reichweite der Kampfhandlungen ausgedehnt und die Kämpfe ohne erkennbare Ruhepause verlängert“.
Allein zwischen Januar und Mai dieses Jahres seien mehr als 1.000 Zivilistinnen und Zivilisten Opfer von Drohnenangriffen geworden. Zudem dokumentierten die UN-Ermittler „Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen, Schulen, Gotteshäuser, Märkte, Lager für Binnenvertriebene, zivile Versammlungen wie Hochzeiten und Beerdigungen sowie die Energieinfrastruktur.“
Etwa ein Kindergarten wurde im Ort Kalogi in Süd Kordofan von der Miliz RSF im Dezember 2025 mit einer Drohne beschossen. Aber auch Sudans Armee attackiert mit Drohnen regelmäßig zivile Einrichtungen, darunter Krankenhäuser, Märkte oder Wasserstellen, wo Frauen und Kinder Wasser abfüllten. „Frauen und Kinder gehörten wiederholt zu den Getöteten und Verletzten bei Drohnenangriffen“, so die UN-Ermittler. Es handle sich dabei um Kriegsverbrechen, begangen von beiden Seiten.
Unterstützung von „externen Netzwerken“
Des Weiteren belegen die UN-Ermittler, dass beide Kriegsparteien ausländische Unterstützung erhalten. Dabei hatte der UN-Menschenrechtsrat mehrfach alle Staaten aufgerufen, das seit 2004 geltende Waffenembargo für die sudanesische Region Darfur zu respektieren. Darfur befindet sich derzeit fast vollständig unter Kontrolle der RSF.
Die RSF erhielten dennoch von „externen Netzwerken“ sowohl Waffen und fortschrittliche Militärtechnologie als auch „ausländische Kämpfer, Finanzierung und andere Formen der Unterstützung“. Diese seien eingesetzt worden beim Angriff auf die Stadt El Fasher im Oktober 2025. „Merkmale eines Völkermordes“ hatte der UN-Menschenrechtsrat hierzu festgestellt.
Als externe Akteure, die die RSF unterstützen, werden neben den Vereinten Arabischen Emiraten auch Tschad, Libyen und die Region Puntland in Somalia genannt. Letzte fungieren als Transitgebiete; Einzelpersonen und Netzwerke in den Emiraten liefern darüber gezielt Waffensysteme an die RSF.
Zudem seien über in den Emiraten registrierte Rekrutierungsfirmen bis zu 2.000 Söldner aus Kolumbien angeheuert worden, so der Bericht. Diese würden moderne Waffensysteme bedienen und RSF-Kämpfer ausbilden. Die meisten Kolumbianer seien über die Flughäfen in Bosaso in Somaliland und Kufra in Libyen eingeflogen worden. Eine kolumbianische Einheit bekannt unter dem Namen „Wüstenwölfe“ sei beim Sturm auf die Stadt El Fasher in Darfur beteiligt gewesen. Auch Kämpfer aus Südsudan, Tschad und Äthiopien seien bei dem Angriff beteiligt gewesen, so die UN-Ermittler.
Das Waffenembargo für Darfur läuft bald aus
„Art, Umfang und Dauer der externen Unterstützung geben Anlass zu ernsten Bedenken hinsichtlich der Einhaltung des Darfur-Waffenembargos“, so der Bericht. Er weist außerdem darauf hin, dass nach internationalem Recht auch „Beihilfe und Anstiftung sowie die wissentliche Bereitstellung von praktischer Hilfe, Ermutigung oder moralischer Unterstützung“ zu den Verbrechen beitragen.
Die UN-Ermittler haben die genannten Regierungen über diese Beihilfe zu Kriegsverbrechen informiert. Tschad und Kolumbien haben versichert, Ermittlungen gegen Firmen und Einzelpersonen in ihren Territorien einzuleiten. Libyen, Somaliland, Südsudan und Äthiopien hätten auf die UN-Ermittlungen nicht reagiert. Die Emirate würden nach wie vor alle Anschuldigungen zurückweisen und beharrten darauf, dass die Anschuldigungen auf „unbestätigten oder unzuverlässigen Informationen“ basieren.
Der UN-Bericht ist die Grundlage für eine Diskussion im Sicherheitsrat am nächsten Wochenende. Denn am Samstag läuft das Waffenembargo für Darfur aus und müsste verlängert werden. Vor dem Hintergrund des Krieges soll das Embargo auf das ganze Staatsgebiet Sudans ausgeweitet werden, fordern viele Länder und die UN.
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