Konzertempfehlungen für Berlin: Echos aus der Wüste und Avantgarde in dunklen Räumen
Das Pluriverse-Fesival eröffnet mit einer Parade durch den Tiergarten. Andere Konzertorte wie die Halle am Berghain versprechen dagegen Abkühlung.
A ls Thomas Vermynck vor 17 Jahren von Paris nach Berlin zog und ein zweites Standbein seiner Bookingagentur etablierte, hatte er es in der seinerzeit sehr technoiden Stadt nicht ganz leicht, schlug sein Herz doch für Jazziges. Nun darf seine J.A.W. Family zum Glück ihren 20. Geburtstag feiern – mit einer Sause, bei der sich Künstler von Theo Parrish bis Floating Points ein Stelldichein geben (26.–28. 6., 90mil, Tickets auch an der Abendkasse).
Ebenfalls am 26. Juni startet das Pluriverse-Festival. Bei der diesjährigen Ausgabe stehen „Global Echos of Gnawa“ im Fokus: Eigentlich haben die marokkanischen Klangwelten ihre Wurzeln in der Südsahara, spirituelle Gesänge treffen auf afrikanische, berberische und arabische Rhythmen. Nach Öffnung der klandestinen Sufi-Tradition entstanden vielerorts Fusion-Genres.
Den Auftakt macht am 26. Juni eine Parade durch den Tiergarten, angeführt von Maalem Hicham Bilali & Black Koyo aus Brüssel – die im Anschluss ein Konzert bei freiem Einritt geben. Abends spielt Vieux Farka Touré, Sohn und musikalischer Erbe des Dessert-Blues-Gitarristen Ali Farka Touré, auf der Terrasse.
Am 27. Juni folgt unter anderem Theorie in Form eines Panels. Auch ein Blick ins restliche Programm lohnt: Für ein Highlight sorgt sicher die senegalesische Legende Baaba Maal am 2. Juli. (26. 6.–1. 8.)
Wem bei den Temperaturen nicht nach Tanzen ist, schon gar nicht draußen, für den könnte die Halle am Berghain ideal sein. Dort eröffnet die zweite Runde der Orchestral Sessions des Komponisten und Dirigenten Avi Caspi. Präsentiert in völliger Dunkelheit wird unter anderem sein Stück „Tacet Mare“.
Im Fokus des Abends steht der Komponist Giacinto Scelsi und sein vom Kollaps der Maya-Kultur inspiriertes Stück „I presagi“. Scelsi schuf ein höchst eigenwilliges Werk und gilt nicht wenigen als Begründer einer ganzen Avantgarde-Tradition. (26. 6., 21 Uhr, Halle am Berghain).
Kühl dürfte es auch in der Betonhalle sein, wo hackedepicciotto – die Künstlerin Danielle de Picciotto und ihr Partner, der Ex-Neubauten-Bassist Alexander Hacke – ihr schwelgerisch-elektronisches Album „Lichtung“ vorstellen. Das klingt nach Ankommen und Neuanfang zugleich: Nach 16 Jahren Nomadentum lebt das Experimentalduo wieder in Berlin, genauer gesagt in Lichtenrade – nahe der titelgebenden Lichtung (27. 6., 20 Uhr, Silent Green).
Und noch ein Ausblick: Schließlich will man nicht ticketlos dastehen, wenn ein Festival der Herzen, das Down By The River, in den vielleicht lauschigsten Garten der Stadt lädt. Die 15. Ausgabe wartet mit einem Line-up auf, das Neuentdeckungen und alte Bekannte zusammenbringt: unter anderem gibt es Techno-Rap der Räubertochter, das Bandprojekt Morning Stars (mit Barbara Morgenstern) und groovigen Folk der kurdischen Musikerin Helan Jawish. (5. 7., 14–22 Uhr, About Blank).
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