Konzertempfehlungen für Berlin: Klang flirrt nicht nur durch Räume, er steckt auch im Boden
Bei der Floating University lauscht man Ökosystemen nach. Und der Elektroniker Max Cooper erforscht die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Umwelt.
Foto: Anke Phoebe Peters
Z wischen Mathematik, Naturwissenschaft und elektronischen Klängen scheint es eine Schnittmenge zu geben. Jedenfalls haben erstaunlich viele Technomusiker einen entsprechenden Hintergrund – so auch der Computerbiologe und Genforscher Max Cooper aus Belfast, der seit gut 15 Jahren zwischen Wissenschaft, Kunst und Musik unterwegs ist.
Auf seinem neuen Album „Feeling Is Structure“ geht er der Frage nach, wie menschliche Gefühlswelten von den Strukturen und Formen beeinflusst werden, die uns umgeben – sei es in der Architektur, der Kunst oder der Natur. Um Wechselwirkungen geht es auch bei Coopers immersiver, audiovisueller 3D-Show, die seine abstrakte und zugleich einnehmende Mischung aus Techno, Ambient und orchestralen Einflüssen begleitet (24. Juli, 21.30 Uhr, Haus der Visionäre).
Noch konkreter greifbar werden die Wechselwirkungen zwischen Natur, Kunst und Klang beim Firefly Festival, welches bei der Floating University zu Gast ist. Letztere ist ein Natur-Kultur-Lernort an einem Regenwasserrückhaltebecken nahe dem Tempelhofer Feld. Hier lässt sich bei freiem Eintritt erleben, wie es klingt, wenn sich die Natur dieses menschengemachte Feuchtgebiet langsam zurückholt – übrigens trotz der beträchtlichen Schadstoffbelastung des Geländes, welches einst zum Flughafen gehörte.
Vorbereitung für ein Picknick am Weißensee
Nachmittags gibt es eine Installation und Performances, abends finden Livekonzerte statt. So beschäftigt sich etwa die aus Italien stammende Klangkünstlerin Marta Zapparoli in „Transductive Grounds“ mit elektromagnetischen Signalen, die im Boden unterwegs sind, und übersetzt sie in Klang. Und Martin Howse, der seine Forschungen als Psychogeophysik bezeichnet, lauscht Fruchtkörpern und dem Sound vom Entstehen und Verrotten (25. Juli, 16–22 Uhr, Lilienthalstr. 32).
Wem zu Musikexporten aus Norwegen nur Death Metal oder fluffiger Strickpulli-Folk á la Kings of Convenience einfällt, kann sich von folgender zwei jungen Bands durchpusten lassen: Das Psych-Power-Trio Kanaan hat mit den schwedischen Neo-Folk-Innovatoren von Ævestaden das Album „Langt, langt vekk“ aufgenommen und damit eine sehr eigenständige Klangwelt erschaffen. Flirrender Folk-Prog trifft auf jazzige Grooves, traditionelle Instrumente auf wabernde E-Gitarren. Support kommt vom Avantgarde-Singer-Songwriter Thorsten Lang (31. Juli, 20 Uhr, Neue Zukunft).
An dieser Stelle noch ein Ausblick auf das übernächste Wochenende. Die stets unterhaltsame Albertine Sarges lädt in die Freilichtbühne Weißensee – ebenfalls bei freiem Eintritt. Neben einem Konzert der Berliner Folk-Pop-Musikerin mit einem Faible für Italo-Pop gibt es Performances, einen Soundwalk und ein Kinderprogramm. Das Ganze beginnt bereits am frühen Nachmittag. Am besten bringt man eine Decke und Picknick mit. (2. August, 14–18 Uhr, Freilichtbühne Weißensee).
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert