Kolumne Wir retten die Welt: Kritiklos in die Klimakrise
Alle reden über das Klima. Aber die Umweltverbände werden nicht gefragt. Kein Wunder, wenn sie so zahm geworden sind.
Foto: Imago Images/ZUMA Press/Alexander Pohl
D ie traditionellen Umweltverbände haben es gerade nicht leicht. Zwar ist eins ihrer Kernthemen – die Klimakrise – nach Jahren des öffentlichen Desinteresses auf der politischen Agenda endlich nach ganz oben gerutscht. Doch BUND, Nabu, WWF und Co spielen dabei kaum eine Rolle.
In den Talkshows, die sich erstmals seit Jahren wieder mit der Erdüberhitzung beschäftigen, wird die Umweltbewegung nicht durch die Verbände vertreten. Sondern durch die Schülerinnen und Schüler, die seit Monaten unter dem Motto Fridays for Future auf die Straße gehen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Das ist auch vollkommen logisch – denn es waren ja vor allem diese Proteste, die das Klima wieder zum Thema gemacht haben.
Am Mittwochabend waren aber endlich mal wieder viele Augen auf den BUND gerichtet: Der hatte in Berlin zu seinem traditionellen Sommerfest geladen und durfte sich über prominenten Besuch freuen. Neben Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der SPD und der Thüringischen Landesumweltministerin Anja Siegesmund war auch die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gekommen. Die ist zwar nicht mehr ganz neu im Amt, doch zu Umweltfragen war bisher noch nicht viel von ihr zu hören.
45 Minuten Podiumsdiskussion mit den drei Politikerinnen und BUND-Chef Hubert Weiger hätten also eine Chance sein können, die CDU-Chefin zu klaren Aussagen zu drängen: Warum ist in den letzten 20 Jahren beim Klimaschutz so wenig passiert? Und wenn sich das jetzt ändern soll – warum blockiert das Kanzleramt dann weiterhin das Klimaschutzgesetz und die CO2-Steuer?
Doch diese Chance ließ der Verband verstreichen. Keine einzige Frage bekam AKK zu jenem Thema gestellt, über das derzeit das ganze Land diskutiert. Und als sie es am Schluss von sich aus ansprach, wurde ihre sehr allgemeine Aussage („Es wird in diesem Jahr gehandelt.“) nicht zum Anlass genommen, nachzufragen, was das denn bedeutet. Reden durfte die CDU-Chefin stattdessen über das „Grüne Band“ entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze („soll die Menschen wieder verbinden“) und Kreislaufwirtschaft („sehr spannender Gedanke“).
Nun mag es aus Sicht der Verbände Gründe für die Zurückhaltung geben – ein guter, persönlicher Draht zu SpitzenpolitikerInnen mag langfristig mehr Wert sein als ein öffentlicher Schlagabtausch. Doch der völlige Verzicht auf jede Kritik scheint als Strategie mehr als fraglich. Schließlich waren es die Massenproteste mit ihren klaren, kritischen Botschaften und der damit verbundene Stimmungsumschwung in der Öffentlichkeit, die für Bewegung in der Klimafrage gesorgt haben – und nicht die freundlichen Gespräche zwischen Verbänden und Politik.
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