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KlimakriseEhrt die Seegraswiesen und lokalen Na­tur­schüt­ze­r*in­nen

Jonas Waack

Kommentar von

Jonas Waack

Europa erhitzt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Die Bedeutung der Meere bei der Klimaanpassung wird zu wenig gesehen.

Beim Klimaschutz kommt den Weltmeeren eine bedeutende Rolle zu Foto: Uhlíø Patrik/CTK/dpa

I m Mittelmeer verstecken sich einige der größten Heldinnen des europäischen Klimaschutzes: Seegraswiesen. Während sie in bescheidener Pflanzenmanier schlicht wachsen, binden sie CO₂ 30-mal so schnell wie tropische Regenwälder. Ebenso beiläufig bieten sie hunderten Tierarten Nahrung und Brutstätten, filtern Schadstoffe aus dem Wasser und schützen Küsten vor Stürmen.

Dieser Küstenschutz wird immer wichtiger, weil Mittelmeerstürme infolge der Erderhitzung immer heftiger werden. Die gleiche Hitze dezimiert aber auch die Seegraswiesen und ihre küstenschützenden Kräfte. Die Seegraswiesen machen deutlich: Allein sind wir unfähig, die Folgen des Klimawandels vollständig zu begreifen, und werden es auch bleiben.

Das zeigte der diesjährige Klimabericht des EU-Erdbeobachtungsdienstes Copernicus. Denn wer – mit Ausnahme einer Handvoll Meeresforscher*innen – weiß schon, dass in den 1980ern noch etwa 40 Prozent der Meere jedes Jahr eine Hitzewelle erlebten und es in den vergangenen drei Jahren jeweils 98 Prozent waren? Welche überlebenswichtigen Dienste die Meere deshalb nicht mehr leisten können, wird den meisten erst dann auffallen, wenn sie sie nicht mehr leisten können.

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Europa erhitzt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Jetzt müssen wir mit den Konsequenzen klarkommen. Dafür erarbeitet die EU-Kommission derzeit einen gemeinsamen Rahmen für Klimaanpassung. Ihr Klimaexpert*innenrat empfiehlt, Europa solle sich auf eine Erderhitzung von 3 Grad einstellen.

Die Infrastruktur ist auf die Klimakrise nicht ausgelegt

Viele Brücken, Straßen und Schienen, Flusssysteme und Gebäude in Europa sind dafür nicht ausgelegt. Sie müssen renoviert, neue Infrastruktur mit Blick auf künftige Klimakatastrophen resilient geplant werden. All das kostet Geld, und zwar immer mehr, je langsamer die weltweiten CO₂-Emissionen zurückgehen.

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Wer dafür aufkommt, welche Projekte priorisiert werden und welche Rolle Tiere und Pflanzen bei Klimaschutz und -anpassung spielen sollen – zu diesen Fragen schweigen Union und SPD in Brüssel. Gleichzeitig fordern sie von der EU-Kommission lautstark schwächere Klimaschutzregeln für die Autoindustrie und wollen den Bau neuer Autobahnen als „überragendes öffentliches Interesse“ begreifen, wodurch Umweltzerstörung unkomplizierter würde.

Umso wertvoller ist die Arbeit von Naturschutzgruppen wie BUND und Nabu, die vielerorts dank ehrenamtlicher Unterstützung fossile Infrastruktur ausbremsen. Auf welche vielfältigen Weisen sie lokal der Zivilgesellschaft Halt bieten, Ohnmacht in Selbstwirksamkeit verwandeln und vor Ort Arten und Klima schützen, bleibt meist unsichtbar. Sie sind in der Lage, die grundsätzlich überfordernde Klimakrise auf eine begreifbare Ebene herunterzubrechen.

Wie die Seegraswiesen auch müssen die Ehrenamtler*innen vor Ort als Held*innen gelten, sollten wir Artensterben und Klimakrise in den Griff bekommen. Die eine oder andere Klage gegen ein Windrad oder eine Bahnstrecke sei ihnen dann verziehen.

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Jonas Waack
Klima-Redakteur
Jahrgang 1999, zuständig für Klima-Themen im Ressort Wirtschaft und Umwelt. Stadtkind aus Mecklenburg, möchte auch sonst Widersprüche vereinbaren. Bittet um Warnung per Mail, falls er zu sehr wie ein Hippie klingt.
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3 Kommentare

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  • Die Menschen werden es erst begreifen wenn es zu spät ist.



    Ein weiteres Problem, die die jetzt über Maßnahmen entscheiden



    bekommen die Folgen selber gar nicht mehr mit.



    Die Klimakrise ist immer noch schleichend.



    Und dann sollte man mal die Begrifflichkeit anpassen.



    Wir haben eine vom Menschen "sehr stark beschleunigten Klimawandel" auf den sich Umwelt und Natur nicht so schnell anpassen kann.



    Es ist immer wieder müßig das zu erklären.

  • Auch militärische Aktivitäten als sogenannte Friedenssicherung und erst recht die aktuellen Kriege sind nicht nur multilateral und mehrdimensional tödlich für die jeweiligen Konfliktparteien, sie sind Klimakiller.



    "Kriegsopfer Umwelt"



    taz.de/Klimakrise/!6170772/



    Dort steht:



    "Militär ist schon in Friedenszeiten eine wahre Kriegserklärung an die Umwelt. Denn es gehört zu den großen Verursachern von Umweltschäden.



    Besonders anschaulich wird dies anhand der größten Streitmacht auf unserem Planeten, der Armee der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie ist der größte einzelne Energieverbraucher der USA, haben Forschende ermittelt."