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Kennedy Center Washington geschlossenPalast der Schande

Wie US-Präsident Trump eine Kulturinstitution in der Hauptstadt Washington beschädigt, beschäftigt nun auch Gerichte. Die Chronik eines Niedergangs.

Für die USA ist es ein Staatsbegräbnis erster Klasse: Donald Trumps schändlicher Umgang mit dem auch international bedeutsamen Kulturzentrum „Kennedy Center for the Performing Arts“ in der US-Hauptstadt Washington ist jetzt um ein weiteres unrühmliches Kapitel erweitert. Vielleicht liefert der irrlichternde Machthaber damit sogar den Abschluss einer bereits katastrophal mäandernden Erzählung über das Siechtum einer Institution vom einstigen kulturellen Leuchtturm hin zu einem baufälligen Palast der Schande.

Am Dienstag trat der von Trump maßgeblich bestimmte Vorstand des Kennedy Centers zu einer Sitzung zusammen, an deren Ende der Beschluss feststand, wonach der zu Ehren des 1963 ermordeten demokratischen Präsidenten John F. Kennedy benannte Kulturtempel bis auf Weiteres geschlossen wird.

Als offizieller Grund werden Sicherheitsbedenken genannt, Teile der Deckenverkleidung in der Lobby hätten sich gelöst und könnten auf BesucherInnen herabfallen. Renovierungsmaßnahmen wurden zunächst aber nicht beschlossen. Ohnehin will Trump durchsetzen, dass das nationale Kulturzentrum, dessen Eingang seit geraumer Zeit eingerüstet ist, in „Donald J. Trump Center“ umbenannt wird.

Bereits im Dezember vergangenen Jahres wollte Trump diese Namensänderung durchsetzen und ließ seinen Namen vor den von Kennedy außen an die Marmorfassade setzen. Die offizielle Namensänderung verhinderte allein das „Checks and Balances“-System der Exekutive; dies hat festgeschrieben, dass nur die Kongresskammer eine solche Namensänderung anordnen kann.

Keine Größe im Umgang mit den Insignien der Macht

Auch wenn Trump inzwischen Gefolgsleute wie den ehemaligen US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, auf maßgebliche Posten im Kennedy Center installiert hat: Im Umgang mit den Insignien der Macht zeigt er einfach keine Größe, er hat kein menschliches Maß, er zetert wie ein wutschnaubendes Kind, dessen Burg im Sandkasten eingestürzt ist. Je stärker Trump sein Vermächtnis zu Lebzeiten durchsetzen möchte, desto mehr Kulturschaffende gehen zu ihm und der durch ihn beschädigten Institution auf Distanz.

Die Liste von Künst­le­r:In­nen und Institutionen, die inzwischen ihre Unterstützung für das Kennedy-Kulturzentrum eingestellt haben und dort nicht mehr ausstellen, Gastspiele abhalten oder Werke zur Ur-Aufführung bringen, ist lang: Die National Opera Washington, der Komponist Philip Glass, die Sopranistin Renée Fleming, Country-Superstar Rhiannon Giddens, die Martha-Graham-Ballett-Compagnie, … Zudem sind viele bedeutende KulturmanagerInnen auf eigenen Wunsch aus dem Stiftungsrat ausgeschieden oder haben ihre künstlerische Beratung eingestellt.

Gestiftete Kunstwerke wahllos entfernt

Zumal Ticketverkauf und Spenden für das Kennedy Center radikal eingebrochen sind, seit Trump und seine Leute dort das Zepter schwingen und wahllos gestiftete Kunstwerke entfernen lassen.

Bei der Sitzung des Vorstands habe sich Trump am Dienstag aus dem Weißen Haus live zugeschaltet und die demokratische Abgeordnete Joyce Beatty angebrüllt, wie bekannt wurde. Beatty, die weiterhin im Kennedy-Center-Kuratorium sitzt, klagte vor Gericht erfolgreich gegen die Namensänderung. Sie sagte dem Wall Street Journal, Trump habe „einen Wutanfall bekommen, weil er vor Gericht verloren hat“.

Der Rechtsstreit zieht große Kreise, wegen des von Trump und den Seinen geplanten Umbaus des Kennedy Centers klagen nun auch Denkmalschutzorganisationen und Architektenkammern.

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12 Kommentare

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  • totto

    Nach einem Bericht der New York Times plant Trump möglicherweise, das Kennedy Center abzureissen. Grund: die Sanierung würde zu teuer.



    Erinnert mich an einen Palast mitten in Berlin, der jetzt einer Schlossattrappe gewichen ist.

  • Bürger L.

    United States of Absurdistan?



    Ha ha, er nun wieder ..... und täglich grüßt der Trump.

    Das Lachen bleibt mir im Halse stecken, wenn ich mir klar mache, dass der amerikanische Präsident sich nicht an die Macht geputscht hat, sondern von einer Mehrheit gewählt wurde. Todernst wird es, wenn ich mir vor Augen führe, wer im direkten Umfeld seine Politik mitträgt oder gar die Strippen zieht.



    Der lustige, selbstverliebte und machtbesessene Clown lenkt dabei nur von einer tiefersitzenden ernsthaften Gefahr ab.



    Alle Blicke sind auf ihn gerichtet wie auf den Kasper als Handpuppe im Kasperle-Theater.

    Dabei ist der Donald nur das offensichtliche Hauptsymptom einer bedrohlichen Krankheit.



    Das globale System des Kapitalismus stößt so langsam an seine Grenzen, die Verteilungskämpfe werden brutaler und unberechenbarer. Das falsche Versprechen vom ständigen Wachstum ist nicht mehr einzuhalten. Also sucht man nach Sündenböcken, denen man die Schuld zuschieben kann.



    Das gilt sowohl nach außen, als auch nach innen.

    Solange das globale kapitalistische System in seiner jetzigen, selbstzerstörerischen Form nicht hinterfragt wird, wird es egal sein, welcher böse Clown die Welt gerade in Atem hält .

    • totto

      @Bürger L.:

      Der Kapitalismus ist also endlich dort angekommen wo Marx und Engels seine Selbstwidersprüche diagnostiziert haben ?

      Allerdings hofften die noch, dass dann die arbeitenden Massen die Macht in einer Revolution ergreifen würden.



      Sieht eher nicht so aus.

  • Ricky-13

    Falls es irgendwann mal wieder einen demokratischen und normalen US-Präsidenten (gerne auch eine US-Präsidentin) in den USA gibt, wird er/sie sehr viel reparieren müssen.

    • Perkele

      @Ricky-13:

      Falls das Desaster reparabel sein sollte.....

  • Horst Sörens

    Es wird eine Zeit nach Trump geben.

    • Perkele

      @Horst Sörens:

      Wenn das dann die Vance-Periode sein sollte - dann wird's noch schlimmer.

  • Flix

    Wenn Trump seinen Namen unbedingt irgendwo verewigt sehen möchte hätte ich ein paar Vorschläge:

    - Psychiatrische Klinik



    - Hochsicherheitsknast



    - Müllkippe

    erscheinen mit weit passender als eine anerkannte Kulturinstitution.

    • Klaus Waldhans

      @Flix:

      Grabstein......

      • Flix

        @Klaus Waldhans:

        Ich fürchte, er wünscht sich ein Mausoleum, natürlich größer als das von Lenin und Mao zusammen.

      • LeKikerikrit

        @Klaus Waldhans:

        ... war auch mein erster Gedanke auf Flix's Post.

  • Bolzkopf

    Was tun, wenn die Realität bessere Gags schreibt als es der oder die beste Kabarettist/in je könnte ?