Kein Russisch mehr an estnischen Schulen : Bilingual wäre besser
Nur noch Estnisch in den Schulen? Das nützt der Integration der russischen Minderheit und der europäischen Sicherheit. Aber es gibt einen Haken.
Foto: Jannis Laizans/reuters
D ie estnische Grenzstadt Narva ist die russischste Stadt der EU. Rund 95 Prozent der Einwohner:innen der drittgrößten Stadt Estlands sind russischsprachig; Estnisch beherrschen die meisten von ihnen nicht. Und viele von ihnen haben auch keinen estnischen Pass: Zwei Drittel haben den russischen – oder einen grauen: den Pass für Staatenlose.
Für die russische Minderheit in Estland, die ein Viertel der estnischen Bevölkerung ausmacht, im Osten des Landes sogar 90 Prozent, ist es schwierig, die estnische Staatsangehörigkeit zu erhalten. Dafür müssen sie Estnisch sprechen, eine Sprache, die mit Finnisch verwandt ist, eine der am schwierigsten zu erlernenden Sprachen der Welt. Da die Russischstämmigen im Osten im Alltag Estnisch nicht verwenden, ist es unmöglich für sie, die Sprache gut zu beherrschen.
Die Folge sind geringere Bildungschancen und alle sozioökonomischen Nachteile, die damit einhergehen. Das treibt sie in die Isolation und zu den russischsprachigen Staatsmedien – nicht umsonst gilt Narva als möglicher Ausgangspunkt für einen russischen Angriff auf die Nato. Die Sprachreform in Estland, wonach bis 2030 in den Schulen nur noch auf Estnisch unterrichtet werden soll, scheint dementsprechend nicht nur eine sinnvolle Integrations-, sondern auch eine sehr notwendige Sicherheitsmaßnahme zu sein.
Allerdings: Niemandem sollte es verboten werden, in seiner Muttersprache sprechen und lernen zu dürfen. Denn Muttersprache ist Denken, Muttersprache ist Sicherheit und ein Zuhause, Muttersprache ist das tiefste eigene Sein. Es widerspricht zudem dem Wert der EU, Minderheitenrechte explizit zu schützen. Die Sprachreform schießt somit über das Ziel hinaus, ist in ihrem Kern dennoch sicherheitspolitisch nötig, damit es innerhalb der EU keine komplett von Putin gesteuerte russische Parallelgesellschaft gibt.
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Nur wären bilinguale Schulen, in denen in beiden Sprachen unterrichtet wird, die bessere Wahl. Das würde die Ausgrenzung beenden, Putins Einfluss begrenzen, aber den ethnischen Russ:innen nicht ihre Sprache nehmen.
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