piwik no script img

Identitäre Bewegung klebt PlakateErmittlung wegen Hausfriedensbruchs

Rechtsextreme wollen Plakate gegen „linke Gewalt“ an mehreren Verlagshäusern und Parteizentralen kleben – auch bei der taz. Sie sind nicht sehr erfolgreich.

epd/dpa/taz | Rechtsextreme haben am Montagmorgen vor verschiedenen Verlagsgebäuden und Parteizentralen Plakate geklebt. Darauf sieht man die Aufschrift „Wann reden Sie über linke Gewalt?“, das Logo der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ sowie ein Bild des vor einer Woche verletzten AfD-Politikers Frank Magnitz.

Betroffen von der Aktion waren unter anderem das Wahlkreisbüros und Bundeszentralen von Linken, Grünen und SPD, das ARD-Hauptstadtstudio – und die taz. Als eine taz-Mitarbeiterin sie am Anbringen der Plakate am taz-Haus hindern wollte, wurde sie von den Täter*innen bedrängt. Sie wurden handgreiflich gegen die Mitarbeiterin. Eine*r der Täter*innen drang ins Haus ein und warf einen Stapel Flugblätter in den Eingang.

Der Staatsschutz ermittelt nun wegen Hausfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung. Ein möglicher Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Tatorten werde geprüft, teilte die Polizei über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Zu den Vorfällen bekannte sich die „Identitäre Bewegung“ auf Twitter und sprach von einer bundesweiten Aktion „gegen linke Gewalt vor sämtlichen Parteibüros und Medienhäusern“. Bei einer Aktion am Gebäude der Frankfurter Rundschau wurden etwa zehn Personen von der Polizei festgehalten.

„Die Angriffe auf politische und journalistische Büros und Einrichtungen im Herzen Berlins durch eine rechtsextreme Clique sind widerlich und kriminell“, erklärte der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh. „Hier wurde eine rote Linie überschritten. Der Rechtsstaat wird sich mit allen Mitteln wehren. Die Pressefreiheit ist elementarer Bestandteil unserer Grundordnung. Wir dulden keinen Angriff auf die Demokratie und deren Repräsentantinnen und Repräsentanten!“

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

11 Kommentare

 / 
  • LeSti

    Das lustige an Belegen ist: Jemand könnte Sie lesen. Ich habe in dem von Ihnen Artikel kein einziges Wort gelesen, dass die Ermittlungen skandalisieren könnte. Vielleicht zitieren Sie ja die fragliche Stelle. Der Artikel berichtet neutral, dass gegen die Plakatkleber, die übrigens nicht gewalttätig gegen eine Frau vorgegangen sind und auch nicht widerrechtlich in ein privates Gebäude eingedrungen sind, ermittelt wird und vier in Gewahrsam sind. Ohne jegliche moralische Wertung.

  • TheBox

    Aber nicht vergessen: Wenn Linke Plakate an Orten kleben, die dafür nicht vorgesehen sind, und dafür zur Rechenschaft gezogen werden, dann ist das ein Skandal:

    www.taz.de/Plakat-...U-Urteil/!5522304/

    Nur zur Klarstellung: Ich finde diese Identitären-Plakataktion widerlich, und die Anti-NSU-Plakate sicherlich vom moralischen Anspruch her höher - aber entweder sollte man die Freiheit der vollmüllenden, sachbeschädigenden Plakatierung auf fremden Flächen für alle politische Strömungen hochhalten, oder man macht es selber auch nicht.

    • LeSti

      @TheBox:

      Das lustige an Belegen ist: Jemand könnte Sie lesen. Ich habe in dem von Ihnen Artikel kein einziges Wort gelesen, dass die Ermittlungen skandalisieren könnte. Vielleicht zitieren Sie ja die fragliche Stelle. Der Artikel berichtet neutral, dass gegen die Plakatkleber, die übrigens nicht gewalttätig gegen eine Frau vorgegangen sind und auch nicht widerrechtlich in ein privates Gebäude eingedrungen sind, ermittelt wird und vier in Gewahrsam sind. Ohne jegliche moralische Wertung.

  • Philippe Ressing

    ...man sollte der lächerlichen Aktion der rechtsradikalen Schickeria nicht auch noch den medialen Raum anbieten, den sie damit erreichen wollen. Regelmäßig werden linke Projekte oder Büros von Rechtsgesinnten angegriffen, darüber wird in einer Kurzmeldung berichet. Immer daran denken Cui Bono - wem ist das von Nutzen.....

  • 7G
    76530 (Profil gelöscht)

    Nicht beirren lassen von den Freunden der Gewalt. Zeigen, was eine Harke ist.

    Der Kampf geht weiter!!!

    • rero

      @76530 (Profil gelöscht):

      Na, das Schöne ist doch, dass diese Aktion sehr moderat war.

      Green- Peace-Niveau.

  • 9G
    97684 (Profil gelöscht)

    "



    Der Rechtsstaat wird sich mit allen Mitteln wehren. Die Pressefreiheit ist elementarer Bestandteil unserer Grundordnung. Wir dulden keinen Angriff auf die Demokratie und deren Repräsentantinnen und Repräsentanten!“

    Schöne Worte. Wenn ich ihnen doch glauben könnte.



    spätestens wenn's um wirtschaftliche Belange geht, ist der "Kampf des Rechtsstaats für die freie Meinungsäußerung " nur noch eine Farce.

  • Immanuel

    Diese Identitären zeigen hier anschaulich, was das Problem ist: Gewalt (Bedrängen, Hausfriedensbruch) von Seiten der rechtsradikalen und rechtsextremen sog. "Identitären Bewegung".

    Und im übrigen scheinen die Identitären des Lesen und Hörens der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein, sonst wüssten sie, dass ihr Vorwurf Unsinn ist, denn alle Medien haben ausführlich über den gewalttätigen Angriff auf den AfD-Politiker berichtet.

    Dummheit und Dämlichkeit sind offenbar notwendige Voraussetzungen dafür, rechtsradikal und rechtsexrem zu sein.

    • 9G
      97684 (Profil gelöscht)

      @Immanuel:

      Da muss man unterscheiden. Zwischen denen, welche dort nach Macht streben-die brauchen eine gehörige Portion Intelligenz um die Stimmung bei den Massen auszuloten und dann geschickt zu bedienen wissen. Solche nenne ich intelligentdumm.



      Und denen, die tatsächlich einfach doof und dämlich sind.



      Die sind leicht zu lenken.

      • Popanek

        @97684 (Profil gelöscht):

        Ah, Neusprech?

        • PPaul

          @Popanek:

          Nein, einfach gut analysiert.