Hunde im Wald

Wertschätzendes Miteinander fehlt

Wenn Hunde auf mich zurennen, die von ihren BesitzerInnen nicht zurückgerufen werden und dann an mir hochspringen – endet das meist nicht friedlich.

Ein Hund kommt bellend und hechelnd auf die Kamera zugerannt.

Viele lieben ihn, doch unsere Autorin fürchtet sich Foto: imagebroker/imago

Wer meint, bei uns im ländlichen Bereich sei alles noch so wie früher – Augenhöhe, Miteinander, Nachbarschaftshilfe, das volle Besteck –, irrt. Auch in meiner kleinen Gemeinde gibt es Konflikte. Ruhestörungen natürlich, aber auch Schottergärten. Und natürlich Hunde.

Ich zum Beispiel finde, dass Hunde hier genau richtig sind. Die Leute haben Gärten, es gibt einen See samt Wald. Und, ja klar, es gibt auch eine Hundeverordnung. Keine Ahnung, was da drinsteht; ich bin eine Anhängerin des wertschätzenden Miteinanders, des Aushandelns von Interessen im Konfliktfall. Im Falle von Hunden wären meine PartnerInnen also deren HalterInnen. Aber die sind kleine Daunenjackenpunkte am Horizont, wenn ihre „Fellnasen“ im Wald bellend auf mich zurennen und nicht den Eindruck erwecken, als täten sie dies aus rein spielerischem Interesse.

Das Dumme: In mir wohnt eine nicht mit Vernunft und Argumenten wegzudiskutierende Hundeangst. Andere, coolere Zeitgenossen als ich würden den Hund mit einem beherzten „Hallo!“ begrüßen. Ich hingegen bleibe stocksteif stehen und starre dem Hund entgegen, hoffend, ein magischer Pfiff möge ihn zur Umkehr bewegen.

Hunde im Vollgalopp

Allermeist ist das so. Manchmal aber auch nicht. Und gestern gab es dann sogar zwei Hunde im Vollgalopp und gar keinen Pfiff. Stattdessen eine heranschlendernde Spaziergängergruppe samt Hunden und natürlich ohne Leine (Wald, eh klar). Sie hatten gute Laune und ordentlich was zu bereden; und hey, die Frau da vorne, die gequält guckt und wie vom Donner gerührt stehenbleibt, während Pongo und Perdi (oder Paule & Pille) auf sie zurennen – die soll sich mal nicht so haben. Und als die Frau irgendwann doch mal fiept, ob es eventuell, unter Umständen, bitte, bitte möglich wäre, die Hunde davon abzubringen, an ihr hochzuspringen, geht ein Lachen durch ihre Reihen. „Jetzt kommse mal, Hunde haben auch Pubertät“, wird die Frau aufgeklärt, die ja so was von keinen Draht zu haben scheint zu ihren Mitgeschöpfen.

Ich würde jetzt gerne sagen, dass sich unsere Wege friedlich trennten. Aber das wäre gelogen. Ich bin so was von sauer geworden. Ich war allein, die waren verdammt viele, von wertschätzendem Miteinander war keine Rede mehr. Ich fühlte mich nicht adäquat behandelt und fing tatsächlich an, irgendwas von Unterschieden im pubertären Verhalten bei Mensch und Tier zu faseln. Meine Besserwisserei ward mit Hohngelächter quittiert, Hunde wurden am Halsband gepackt, auf dass sie mich nicht anspringen. Irgendwann löste sich das Ganze auf und wir zogen unter gegenseitigen Verwünschungen weiter unsere Bahn.

Scheiße, dachte ich, als sich meine Nackenhaare wieder gelegt hatten. Scheiße. Warum wird der Umgang immer mieser? Warum triggern die mich so – und ich sie? Werden wir alle zu kleinen Trumps, die recht behalten müssen? Dieser Tage würde ich sagen: Ja, leider.

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1965, ist taz-Parlamentsredakteurin. Sie berichtet vor allem über die Unionsparteien und die Bundeskanzlerin.

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