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Görlitzer Park in BerlinKlatsche für Kai Wegner

Erik Peter

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Erik Peter

Die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks ist erst mal vom Tisch. Für den Regierenden Bürgermeister ist das die nächste politische Niederlage.

D as Kai-Wegner-Denkmal hielt genau drei Monate. Am Montag demontierte das Berliner Verwaltungsgericht die zentrale symbolpolitische Maßnahme des Regierenden Bürgermeisters und erklärte die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks in Kreuzberg für illegal. Für den eh schon angeschlagenen CDU-Mann ist das die nächste politische Niederlage. Man wird sie als eine der Gründe aufzählen, wenn Wegner nach der kommenden Abgeordnetenhauswahl im Herbst nur noch Ex-Regierender sein wird. Ein Ex-Regierender ohne Denkmal.

Das Scheitern Wegners und seines schwarz-roten Senats in der Causa Görli war dabei von Beginn an angelegt. Es war absehbar, dass die sicherheitspolitische Antwort auf die sozialen Probleme im Park – Drogen, Obdachlosigkeit, Illegalität – wirkungslos bleiben würde. Das allerdings nahm er in Kauf, um das eigene Law-and-Order-Profil und jenes des Kulturkämpfers gegen das links-grüne, verlotterte Kreuzberg zu schärfen. Zum Problem für Wegner wird vielmehr, dass er in eine Falle getappt ist, die das Setzen auf symbolpolitische Maßnahmen grundsätzlich mit sich bringt.

Einer solchen, sachlich kaum begründbare Politik, zum Markenkern erhoben, wohnt die Tendenz inne, die Fähigkeit zur Korrektur zu verlieren. Sie läuft sogar Gefahr, sich über Gesetze hinwegzusetzen. Genau das ist in diesem Fall passiert. Entgegen aller eingebrachten Rechtsbedenken etwa vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zog der Senat die Hoheit über den Park, für den eigentlich der Bezirk zuständig ist, an sich, drückte den Bau eines Zauns um den Park herum durch und erließ nächtliche Schließzeiten. Die Rechtsgrundlage dafür aber schuf er erst nachträglich, wie nun auch das Gericht feststellte.

Zwar stehen weitere Verfahren aus, die Überprüfung des Eilentscheids durch das Oberverwaltungsgericht und die Klärung in der Hauptsache, doch die Intervention in Sachen Görlitzer Park wird für den Senat keine Erfolgsgeschichte mehr werden, sondern eine von Pleiten, Pech und Pannen bleiben.

Sicherheitsgipfel vor zwei Jahren

Nur drei Monate nach Amtsantritt, nach der Nachricht über eine Gruppenvergewaltigung als Höhepunkt einer Serie sexualisierter Übergriffe im Park, hatte Wegner im Sommer 2024 einen Sicherheitsgipfel anberaumt und dabei seine Idee des Zaunbaus durchgedrückt. Sechs Monate später sollte dieser stehen.

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Kurz nach der Ankündigung deckte die taz auf: Nur eine von sechs Vergewaltigungen im „kriminalitätsbelasteten Ort“ Görlitzer Park/Wrangelkiez fand tatsächlich im Park statt. Dann entpuppte sich die vermeintliche Gruppenvergewaltigung als Fehldarstellung. Zentrale Begründungen für den Zaun waren weg, laut waren dagegen die Sorgen der Anwohner:innen, dass ein Absperren des Parks zu mehr Elend in ihren Hauseingängen führen würde. Und obwohl die Kosten für den Einbau der abschließbaren Tore immer weiter in die Höhe schnellten, gaben sich Wegner und der Senat unbeirrt.

Mit mehr als einem Jahr Verzögerung, am 1. März diesen Jahres, wurde der Park dann erstmals verschlossen. Doch Konstruktionsfehler beim Bau, vor allem aber andauernde Sabotage führten dazu, dass immer ein Loch oder ein nicht abschließbares Tor zu finden war. Kreuzberg wollte das Wegner-Denkmal einfach nicht haben.

Wenig spricht dafür, dass die Gerichte diesen Zustand bis zur Wahl im September wiederherstellen. Noch weniger, dass eine neue Konstellation im Roten Rathaus daran festhalten wird, die Parktore wieder zu verschließen. Sie werden wohl für immer offen bleiben – als Mahnmal gescheiterter Symbolpolitik.

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Erik Peter

Erik Peter Politik | Berlin

Leiter der Berlin-Redaktion und Redakteur für parlamentarische und außerparlamentarische Politik in Berlin, für Krawall und Remmidemmi. Schreibt über soziale Bewegungen, Innenpolitik, Stadtentwicklung und alles, was sonst polarisiert. War zu hören im Podcast "Lokalrunde".
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7 Kommentare

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  • Und jetzt schlägt die Natur zurück - der Eichenprozessionsspinner übernimmt den Park. Und wie ich Berlin kenne wird erst mal ein Arbeitskreis gebildet und der kommt Jahre später zu einem Ergebnis. Und bis dahin bleibt der Görli komplett geschlossen weil ja Gefahr für Leib und Leben besteht.

  • Wer braucht einen Park der nachts offen ist?



    Berliner sind glaube ich weltweit die einzige Spezies die dich freut das ein hotspot der Kriminalität störungsfrei weiter betrieben werden kann.

  • Warum wird es eigentlich immer so gefeiert - "Klatsche" und andere Häme - wenn ein Politiker mit seinen Plänen nicht durchkommt?



    Egal, ob richtig oder falsch, wenn es nicht funktioniert: "KLATSCHE!!!"

  • Die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks ist erst mal vom Tisch. Für den Regierenden Bürgermeister ist das die nächste politische Niederlage.



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    Knapp daneben ist auch vorbei!



    Macht der Kai jetzt den Fritz?



    Nun ja, die Idee "eine Blinddarmentzündung mit Schmerzmittel zu heilen" ist nicht nur in der Medizin nicht Zielführend!



    Dass niemand soziale Probleme mit einem "Zaun" lösen kann, sollte einem regierenden Bürgermeister, gerade in BERLIN, doch klar sein! ODER?



    OK, ist eine Eilentscheidung, die Hauptsache wartet noch, doch wie Gerichte in DE oft zeigen, entscheiden die nicht leichtfertig in solchen Rechtszügen!



    Kommt nicht gut, was der Kai da mit "Trotzkopf" durchsetzen wollte! Vor allen Dingen bei DEM nahen Wahltermin! :-(

  • Ich habe mich gefragt, wie das andere Großstädte auf der Welt so machen?



    Paris: Jardin des Tuileries, Parc Monceau, Parc Georges Valbon - alle nachts geschlossen.



    London: Hyde Park, St. James's Park, Battersea Park - alle nachts geschlossen.



    Wien: Augarten, Türkenschanzpark, Volksgarten - alle nachts geschlossen.



    New York: Central Park, Bronx Park, Bryant Park - alle nachts geschlossen.



    Andere Großstädte verschließen also durchaus nachts ihre Parks.



    Eine "sachlich kaum begründbare Politik" ist die Idee der Berliner Senats somit nicht.



    Ob es zielführend ist den Görlitzer Park nachts zu verschließen, konnte leider nie erprobt werden, durch die genannten anhaltenden Sabotageakte.



    Das ist engstirnig. Gerade aus dem progressiven Millieu wird sonst immer eine Offenheit für neue Wege gefordert (e-Mobilität, Windräder, Wärmepumpe, mehr ÖPNV nutzen), aber selbst hat man anscheinend keine Toleranz für neue Ideen.



    Ich frage mich was gewesen wäre, wenn die Schließung ein Versuch von R2G gewesen wäre und nicht von Wegener. Weil die Kriminalität im Görli stört ja offensichtlich alle - sonst hätten die Anwohner nicht moniert, dass sie um ihre Hauseingänge fürchten wenn der Görli schließt...

    • @Astrid Sehnefeld:

      die nächtlichen parkschließungen waren spürbar: die soziale not und die kriminalität haben sich verstärkt in den anliegenden straßenräumen und in den hausfluren beispielsweise der wiener straße, görlitzer straße, lübbener, sorauer, oppelner, falckenstein- und cuvrystraße konzentriert. aus treppenhäusern werden konsumräume und toiletten, gedealt wird nachts vermehrt in den seitenstraßen, statt im park. welchen sinn macht so eine politik, der jegliche strategische weitsicht fehlt, die nicht einmal den leisesten anspruch hat, etwas zu verbessern, sondern alles nur woanders hinschiebt?

      • @Pflasterstrand:

        "welchen sinn macht so eine politik"



        Vielleicht mal in Paris, London, New York und Co nachfragen - aus purer Bösartigkeit werden die wohl kaum nachts ihre Parks abschließen.



        Auch Mamdani hat noch keine Anstalten gemacht, nachts die Parks zu öffnen. Eine reine Verbotsstrategie von rechts ist es also schon mal nicht