Gewomansplaint : Uelzen wagt mehr männliche Energie
In der Stadtverwaltung Uelzen arbeiten zu 70 Prozent Frauen, nur die Chefs sind alles Männer. Aber warum sollte das denn ein Problem sein?
Foto: Philipp Schulze/dpa
T heoretisch soll ein Gleichstellungsplan dazu führen, dass in der öffentlichen Verwaltung beide Geschlechter halbwegs gleich repräsentiert sind. So will es jedenfalls das Niedersächsische Gleichberechtigungsgesetz (NGG), das Kommunen dazu verpflichtet, im Dreijahres-Rhythmus eine Analyse der Beschäftigtenzahlen vorzulegen und Maßnahmen zu benennen, wie man die darin entdeckten Ungleichheiten zu beseitigen gedenkt.
Ein solcher Gleichstellungsplan stand auch im Rat der Hansestadt Uelzen in dieser Woche mal wieder auf der Tagesordnung. Allerdings nicht lange. Normalerweise läuft das so: Die Verwaltung legt den Plan vor. Keiner liest ihn, alle nicken ihn ab und widmen sich dann den Themen, die sie wirklich wichtig finden – den „Aufstellungsbeschlüssen für die 31. Änderung des Flächennutzungsplanes“ zum Beispiel.
Alle Top-Positionen männlich besetzt
Dummerweise fand sich in den Reihen der Ratsfrauen in Uelzen dieses Mal allerdings eine, die das Papierchen vorher las. Und weil Elke Schulze (Grüne) vom Fach ist und vorher selbst woanders Gleichstellungsbeauftragte war, fiel ihr dabei so einiges unangenehm auf.
In der Stadt Uelzen, schreibt sie, sind alle Top-Positionen männlich besetzt: Drei Dezernate, sieben Fachbereichsleitungen und die Geschäftsführerpositionen der Eigenbetriebe. Obwohl in der Verwaltung insgesamt mehr Frauen als Männer arbeiten (das Verhältnis liegt bei 70:30), sind die Chefs alle männlich. Es gibt nur einen Bereich, in dem Frauen überrepräsentiert sind: in den unteren Gehaltsgruppen.
Und die Maßnahmen dagegen? Die hat man aus dem letzten Gleichstellungsplan kopiert, wie eigentlich alles andere auch, inklusive des Vorwortes vom Bürgermeister. Ein paar Zahlen und den Namen der Gleichstellungsbeauftragten hat man ausgetauscht, sonst nichts. Frei nach dem Motto: Was beim letzten Mal schon nicht gewirkt hat, kann ja heute nicht falsch sein.
Eigentlich hatte Schulze dazu einen Änderungsantrag und eine gepfefferte Rede vorbereitet – aber daraus wurde nichts. Die CDU beantragte flugs, den Tagesordnungspunkt abzusetzen. Es gäbe da möglicherweise noch Nachbesserungs- und Beratungsbedarf. Außerdem ist ja auch die Gleichstellungsbeauftragte gerade im Urlaub.
Wann man sich wieder mit dem Thema befassen wird, ist unklar. Aber der Plan für 2024 bis 2026 kommt ja ohnehin schon mehr als ein Jahr zu spät – da kommt es auf ein paar Monate mehr oder weniger auch nicht mehr an. Oder man wartet einfach, bis der gesellschaftliche Backlash das Thema erledigt. Merke: In Uelzen muss man die Zeit nicht zurückdrehen, da stehen die Uhren so weit auf gestern, dass sie ihrer Zeit fast schon wieder voraus sind.
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