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Juristin über Kölner Silvesternacht„Gewalt gegen Frauen ist kein importiertes Problem“

Vor zehn Jahren schockierte die Kölner Silvesternacht das Land. Frauenrechte wurden danach rassistisch instrumentalisiert, sagt Juristin Dilken Çelebi.

Feministische Demo „Womanswalk“ 2017 in Köln Foto: Karsten Schoene/laif
Patricia Hecht

Interview von

Patricia Hecht

taz: Frau Çelebi, Anfang Januar 2016 berichteten erste Medien in Köln über Frauen, die in der Silvesternacht rund um den Hauptbahnhof begrapscht worden waren. Was war passiert?

Dilken Çelebi: In der Silvesternacht war es in Köln, aber auch in anderen Städten wie Hamburg in großen Menschenmengen zu Übergriffen gekommen. Darunter waren Diebstähle von Handys, Sachbeschädigungen und Böller, die in die Menge geschossen wurden. Vor allem aber gab es Hunderte sexualisierte Übergriffe, die für die Betroffenen teils traumatisch waren.

taz: Allein in Köln wurden mehr als 1.200 Strafanzeigen erstattet, davon mehr als 500 wegen sexueller Übergriffe, auch Vergewaltigungen. 355 Beschuldigte wurden später ermittelt, 33 Männer verurteilt. Muss man die Ereignisse als Exzess beschreiben?

Çelebi: Es war wohl einmalig, was da passierte, ein Schock, eine Eskalation. Allerdings nahm die Debatte schnell eine bestimmte Richtung. Es hieß, die Täter seien alles migrantische Nordafrikaner – „Nafris“, wie die Polizei schrieb.

taz: War das nicht so?

Çelebi: Viele Beschuldigte waren algerische und marokkanische Staatsbürger. Was aber kaum diskutiert wurde sind sozialstrukturelle Ursachen der Ereignisse. Viele Verdächtige durften nicht arbeiten, hatten wenig Geld, teils keinen Aufenthaltsstatus. Teils lebten sie seit Jahren in engen Unterkünften, nun kam Alkohol dazu, letzteres durchaus vergleichbar mit dem Oktoberfest. Dass Delikte mit der Staatsangehörigkeit von Tä­te­r*in­nen zusammenhängen, dafür gibt es in der Kriminologie keine empirischen Befunde – sondern es sind solche Faktoren, die betrachtet werden müssen. Zudem war die Polizei völlig überfordert.

Im Interview: Dilken Çelebi

ist Doktorandin im Völkerstrafrecht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Rechtsreferendarin am Kammergericht Berlin. Sie ist Vorsitzende der Strafrechtskommission des Deutschen Juristinnenbundes.

taz: Warum?

Çelebi: Die Orte waren schlecht ausgeleuchtet, die Polizeipräsenz niedrig. In Köln patrouillierte das Ordnungsamt überhaupt nur bis 14 Uhr. Aber in der Debatte spielte das fast keine Rolle. Im Fahrwasser der sogenannten Flüchtlingswelle …

taz: … 2015 war die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland innerhalb weniger Monate deutlich gestiegen, vor allem aus Syrien, Afghanistan und Irak...

Çelebi: … ging es eben vor allem um die Ethnizität der Verdächtigen. Gesellschaftlich hatte bereits ein Prozess der Abgrenzung begonnen: Wenn die hierherkommen, müssen sie erst mal unsere Normen akzeptieren. Diese Rhetorik fiel nun auf fruchtbaren Boden: Unter dem Deckmantel von Sexismuskritik waren breite Teile der Gesellschaft bereit, rassistische Diskurse anzunehmen oder voranzutreiben.

taz: #metoo kam fast zwei Jahre nach Köln. Wie wurden Sexismus und sexualisierte Übergriffe damals diskutiert?

Çelebi: Wiederum zwei Jahre vor Köln, also Anfang 2013, gab es den #aufschrei. Feministinnen twitterten über Alltagssexismus in der Öffentlichkeit, Anlass war unter anderem ein übergriffiger Kommentar des FDP-Politikers Rainer Brüderle gegenüber der Journalistin Laura Himmelreich. Allerdings wurden derlei Erfahrungen von Frauen noch oft belächelt und herabgewürdigt. Auf einmal jedoch konnte mit Köln ein „Othering“ stattfinden: Weiße Täter standen nicht im Fokus. Die Kritik an patriarchalen Rollenbildern, an Besitzansprüchen an Frauen konnte ausgelagert werden. Sicher: Für sich genommen war, was da passiert ist, singulär. Trotzdem wurden Frauenrechte instrumentalisiert und rassistisch vereinnahmt.

taz: Welche Rolle spielten die Medien?

Çelebi: Eine große. Die Bild-Zeitung schrieb vom „Sex-Mob“, der Focus brachte ein Cover mit einer weißen Frau, auf der schwarze Handabdrücke prangten – einer nackten weißen Frau wohlgemerkt. Es gab dort offensichtlich keinerlei Verständnis, was Sexismus ist.

taz: Mit einem weiteren Hashtag, #ausnahmslos, forderten Feministinnen bald eine Debatte über sexualisierte Gewalt als gesamtgesellschaftliches Phänomen, zudem eine Reform des Sexualstrafrechts.

Çelebi: Die feministische Zivilgesellschaft wollte das seit Langem, das Strafrecht war nicht mehr zeitgemäß. Sexuelle Belästigung war noch kein Straftatbestand. Sexualisierte Übergriffe waren nur dann strafbar, wenn Gewalt, eine Gefahr für Leib und Leben im Spiel waren oder eine sogenannte schutzlose Lage ausgenutzt wurde, zum Beispiel die Haustür verschlossen war. Es gab deshalb enorm viele Fälle, die strafrechtlich gar nicht erfasst wurden.

taz: Welche?

Çelebi: Überraschungsangriffe etwa, Fälle, in denen sich über den Willen der Betroffenen hinweggesetzt wurde oder sogenannte Klima-der-Gewalt-Fälle. Da hatten Betroffene schon so viel häusliche Gewalt erlitten, dass sie resignierten und der Täter weder drohen noch Gewalt anwenden musste.

taz: In den Jahren vor Köln hatte sich dennoch einiges getan: 2011 unterzeichnete Deutschland die Istanbul-Konvention des Europarats gegen Gewalt gegen Frauen. Welche Bedeutung hatte die?

Çelebi: Um die Konvention zu ratifizieren, musste das Sexualstrafrecht geändert werden. Das war zuletzt 1997 reformiert worden, als Vergewaltigung in der Ehe endlich strafbar wurde. Trotzdem war das Recht weiter nötigungs- und nicht einverständnisbasiert: Zwar war die körperliche Gewaltanwendung strafbar – aber es ging nicht darum, dass sexuelle Handlungen zwischen zwei Personen nur einvernehmlich stattfinden dürfen. Diesen gedanklichen Wechsel verlangte aber die Istanbul-Konvention. Entsprechend forderten Verbände, dass „Nein heißt Nein“ gelten muss. Im Februar 2015, also fast ein Jahr vor Köln, hatte der damalige Justizminister Heiko Maas (SPD) eine Reformkommission eingesetzt, die Vorschläge erarbeiten sollte.

taz: Und dann kam Köln.

Çelebi: Plötzlich ging es Schlag auf Schlag. Feministische Verbände sahen sich in der Bredouille: Legitime Forderungen, die sie seit Langem hatten, wurden rassistisch vereinnahmt. Weiter für sie zu plädieren, sich aber gleichzeitig vom Rassismus abzugrenzen, war nicht einfach.

wochentaz

Dieser Text stammt aus der wochentaz. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

taz: War der Preis für die Reform des Sexualstrafrechts 2016, dass sie rassistisch motiviert war?

Çelebi: Das Verfahren wurde durch Köln enorm beschleunigt. Trotzdem: „Nein heißt Nein“ war ein Paradigmenwechsel, der sich schlagwortartig in den Köpfen verfestigte. Aufgrund der Eile hat das Gesetz aber Defizite.

taz: Welche Lücken sehen Sie?

Çelebi: Das Gesetz erfasst keine Fälle von passivem Verhalten der Betroffenen. Die Rechtspraxis wiederum erfasst oft nur unzureichend Fälle von Schockstarre oder als ambivalent markiertes Verhalten – wenn eine Person zum Beispiel erst sexuelle Handlungen mitmacht, dann aber nicht mehr möchte. Da kommen Vergewaltigungsmythen und geschlechterbezogene Stereotype zum Tragen: Dass es für Frauen üblich sei, sich passiv zu verhalten, weil sie erobert werden wollen, und dass ein Nein deshalb nicht erkennbar war. Es herrscht immer noch die Annahme der mehrheitlichen „Fremd“-Vergewaltigung, also der, dass die „richtige“ Vergewaltigung im Dunkeln von einem unbekannten Täter erfolgt.

taz: Womit sich der Kreis zu Köln schließt.

Çelebi: Je mehr eine Vergewaltigung von diesem Mythos abweicht, desto mehr kommt es zu Freisprüchen. Generell problematisch finde ich aber vor allem, dass die Grundprämisse des Sexualstrafrechts immer noch ist, dass unwidersprochene sexuelle Handlungen eigentlich willkommen sind – und es der betroffenen Person obliegt, ihr Nein kundzutun. Das ist mit dem menschenrechtlichen Verständnis der sexuellen Selbstbestimmung nicht vereinbar: Es gibt ja kein Anrecht auf sexuelle Handlungen.

taz: Was fordern Sie?

Çelebi: Die grundsätzliche Annahme muss sein: Nur einverständliche sexuelle Handlungen sind willkommen. Passivität ist kein Einverständnis. Das ist vergleichbar zu Diebstahl: Wer seine Tasche neben sich auf die Bank stellt, muss nicht extra sagen, dass kein anderer sie nehmen soll. Wir fordern also „Ja heißt Ja“.

taz: Hieße das eine erhöhte Verurteilungsquote? Die lag etwa in Berlin 2023 bei drei Prozent der angezeigten Fälle.

Çelebi: Beweisschwierigkeiten bleiben bei „Ja heißt Ja“ bestehen. Aber etwa Passivität gäbe es als Kriterium nicht mehr – es wäre die Pflicht des Gegenübers, sich des Einverständnisses zu vergewissern. Auf jeden Fall muss eine solche Änderung des Strafrechts kommunikativ gut begleitet werden.

taz: Was heißt das?

Çelebi: Es braucht ein gesellschaftliches Wissen darüber, was konsensuale sexuelle Handlungen eigentlich sind. Polizei, Justiz und Staatsanwaltschaft müssen verpflichtend fortgebildet werden, Befragungstechniken dürfen die Betroffenen nicht erneut traumatisieren.

taz: Laut Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung ist derzeit keine grundlegende Reform des Sexualstrafrechts geplant. Nur bei Gruppenvergewaltigungen soll der Strafrahmen erhöht werden.

Çelebi: Ich sehe auch hier klare Kontinuitäten zu Köln. Das Zustrombegrenzungsgesetz hat Merz auch damit begründet, die „alltäglich stattfindenden Gruppenvergewaltigungen aus dem Asylbewerbermilieu“ eindämmen zu wollen. Für die gibt es keine Belege. Merz bedient historisch etablierte Narrative des Fremden, der unsere modernen deutschen Frauen gefährdet.

taz: Auch die Stadtbilddebatte schlägt in diese Kerbe.

Çelebi: Was da ventiliert wird, hat nichts mit dem tatsächlichen Schutz von Frauen gegen geschlechtsbezogene Gewalt zu tun. Wir stehen als feministische Zivilgesellschaft immer noch und schon wieder vor der Herausforderung, wichtige Forderungen wie „Ja heißt Ja“ zu stellen und gleichzeitig zu entlarven, welche Forderungen populistisch und rassistisch sind. Gewalt gegen Frauen ist kein importiertes Problem. Wir müssen den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung verbessern – unabhängig von der Herkunft von Betroffenen und Tätern.

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23 Kommentare

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  • Dieses Interview ist wirklich hanebüchen....



    Also ich glaube abgesehen von "echten" Vollblut Rassisten glaubt niemand das Menschen per Definition Krimineller sind weil sie Ausländer bzw z.b. weil sie Russen sind.



    Natürlich liegt es an der Sozialisation, Kultur und sozialen Situation der Familien.



    Aber es hilft halt auch nicht um das Problem herum zu lavieren. Oder der Klassiker... Männer sind das Problem... Ach nee... Muss man jetzt alle Männer abschieben?



    Gibt es auch misogynie in Mittelklasse, christlichen weißen Familien? Ja klar. Kommt es statistisch aber in der z.b arabischen Familie häufiger vor, dass die Frau einen geringeren Stellenwert hat. Oder wie häufig passiert das, dass der kleine Michel der Lehrerin nicht die Hand geben will?

    Aber klar, das ändert sich natürlich sofort wenn alle auf einmal ihr eigenes Häuschen haben, den BMW vor der Tür ( den sie klischeehaft eh haben) und alle eingebürgert werden ohne Zutun und natürlich 5000 Netto aufs Konto bekommen... Dann ändert sich das natürlich von heute auf morgen und alle Mädchen und Frauen dort sind auf einmal genauso selbstbestimmt und die Männer auf einmal keine patriarchalen Machos mehr...



    Sehr realistisch..

  • Die AfD verbreitet das Narrativ des gewalttätigen ausländischen Mannes, das ist eine ihrer PR-Strategien. Dass deutsche Männer gewalttätig sind und waren, wird damit kaschiert. Und diese Bagatellisierung ist gefährlich. Friedrich Merz hat mit seiner Stadtbildaussage dazu beigetragen, solche rassistischen Ideen von männlicher Gewalt zu verbreiten. Gewalt durch Männer ist eine Tatsache und muss bearbeitet werden. Die meisten Jugendämter haben Berge von Akten, wo Väter gewalttätig waren, unabhängig von Nationalität oder russischer Zugehörigkeit.

  • Grundsätzlich muss man natürlich immer eine Gesamtursachenforschung betreiben und vor allem auch die Presse sollte sich mit pauschalisierenden Schlagzeilen zurückhalten (was außer bei taz und SZ leider in allen Intellektstufen der Fall ist).



    In der Kölner Silvesternacht war es aber nun mal so, dass die kulturell geprägten Patriarchatsvorstellungen einen großen Anteil an der Tatmotivation hatte.



    Das lässt sich nicht wegdiskutieren und muss auch betrachtet werden dürfen.



    Nur der Schluss der Verallgemeinerung auf alle geflüchteten jungen Männer, alle Moslems, darf nicht gezogen werden.



    Am besten helfen da dann Positivbeispiele, die leider nur selten vorgestellt werden.



    Aber darüber hinwegsehen darf man auch nicht …

  • Es hat natürlich weniger mit Herkunft als mit verinnerlichten kulturellen Normen zu tun. Und wenn diese, im Herkunftsland, so sind, dass nicht alle Geschlechter gleichberechtigt sind, dass Machismo herrscht, wirkt sich das selbstverständlich auch auf manche Individuen aus.



    Es gilt, klare Ansagen zu machen, was leider versäumt wurde.



    Wir leben hier alle in einem sozialen Rechtsstaat, wir sind alle gleichberechtigt - und jegliche Übergriffigkeit ist tabu.



    Und wird geahndet. Punkt.



    Und alle Geschlechter, auch Frauen, sind in der Lage, sich selbst zu ermächtigen, aktiv zu werden, wehrfähig in einem umfassenden Sinn.

  • Es wird zwar nur wenigen von uns möglich sein, aber vielleicht ergibt sich ja für den einen oder anderen mal die Möglichkeit, mit dem Personal eines Frauenhauses zu reden. Dann empfehle ich, sich einfach mal über die Partner zu erkundigen, vor denen diese Frauen i.d.R. fliehen. Das ist natürlich anekdotisch und nicht empirisch, sicherlich aber geeignet um die eigenen Überlegungen etwas zu objektivieren.

  • „ Viele Beschuldigte waren algerische und marokkanische Staatsbürger. “ Aber viel entscheidender ist, dass es unausgelastete, herumhängende, frustrierte, geile, alkoholisierte junge Männer in Gruppen und Großgruppen waren, ja?

    Man kann hoffen, dass das nicht „“deshalb kann man da nix machen, die sind halt so“ heißen soll.

    Es sind nie „alle“ so, aber anscheinend ist das ja üblich genug, dass es als Erklärung dienen soll.

    Das Problem ist also nicht die Nationalität, sondern das, was danach im Artikel aufgezählt wird und ich paraphrasiert habe.

    Und, machen wir da etwas mit der Info oder soll das dann eben doch ein „Ist halt so“‘-Achselzucken sein?

    Wir haben von der Sorte Menschen schon vie zu viele. Wir sind weit weg davon, die einheimischen davon überhaupt mal aus dem Verkehr zu ziehen, also sollten wir keinesfalls noch ausländische Exemplare dazu holen!

    Bedeutet: Gehe nicht nach Nationalitäten, sondern sortiere nach Gefahrenpotential: verschließe dich der gewaltbereiten, sexistischen Klientel und nimm dafür z.B. Frauen auf, aus dem Höllenloch Afghanistan z.B.

    Und dass wir Steinzeit-Machogehabe AUCH bei männlichen Ausländern ohne die Rassismuskeule benennen dürfen!

  • "Dass Delikte mit der Staatsangehörigkeit von Tä­te­r*in­nen zusammenhängen, dafür gibt es in der Kriminologie keine empirischen Befunde – sondern es sind solche Faktoren, die betrachtet werden müssen."



    Die Statistik hat aber auch keine empirischen Befunde dagegen soweit ich weiß. Aber generell zu glauben, dass der Umstand in einer Kultur mit starken patriachalen Strukturen und frauenverachtender Gesetze sozialisiert worden zu sein, habe keinen Einfluß auf das Verhalten, das man gegenüber Frauen zeigt, ist maximal naiv.



    Ich glaube mit dieser Augenwischerei trägt man stark dazu bei, dass die Diskussion sich umso mehr um die Herkunft der Täter dreht.



    Ich kann weiterhin an Sexismus und Übergriffen von "weißen Deutschen" arbeiten und die vorhandenen Probleme benennen, und gleichzeitig wissen, dass dies in anderen Kulturen schlimmer oder besser ist. Und ja, die anderen genannten Faktoren, wie Perspektive etc spielen natürlich auch eine Rolle, aber die kulturelle Prägung (bis zu einem gewissen Grad Herkunftsland bedingt) eben auch.

  • Ich stimme der Juristin zu, dass Gewalt gegen Frauen kein importiertes Problem ist. Es ist leider weltweit verbreitet.



    Jedoch finde ich diese Aussage zu kurz gegriffen und naiv: „Was aber kaum diskutiert wurde sind sozialstrukturelle Ursachen der Ereignisse. Viele Verdächtige durften nicht arbeiten, hatten wenig Geld,...". Es ist nicht immer die Aufgabe des Staates (Geld/ Abeit) Männer zu moralisch anständigen Menschen zu erziehen. Etwas Selbstverantowortung / Reflexion gehören auch dazu. Und hier spielt die kulturelle Prägung sehr wohl eine Rolle. Wie bin ich aufgewachsen, was wurde mir vorgelebt? Wie wurde Religion in meiner Famile / Freundeskreis interprätiert? Was sagt mein Umfeld zum Thema Frauenrechte? Wie stark ist das Patriarchat? usw.



    Die kuturelle Prägung kann sehr mächtig sein. In Ägypten ist z.B. sexuelle Gewalt gegen Frauen ein großes Problem der Gesellschaft. Zusammenfassend hier nachzulesen: de.wikipedia.org/w...lt_in_%C3%84gypten



    Hätte mir von der Autorin mehr kritischere Fargen, auch Richtung Patriarchat, gewünscht. Und auch, wie geht es den Opfern heute? Was denken die Täter von damals?

  • Sie relativiert auch mal wieder das Problem. Natürlich gibt es auch deutschstämmige Männer, die Frauen belästigen oder vergewaltigen. Doch es ist nun mal Tatsache, dass in des Silvesternacht 2015 fast ausschließlich Männer aus anderen Kulturräumen, überwiegend aus muslimisch- patriarchalischen Gesellschaften, die Täter waren. Und auch bei denen ist es keine Entschuldigung, Frauen zu belästigen, nur, weil man arbeitslos, frustriert oder...ist. der Grund ist ein völlig anderes Weltbild und Frauenbild, eine andere Erziehung. Und wer dieses hier nicht ablegen kann, möge doch bitte woanders leben. P.S. die Frauen in Afghanistan, Nordafrika, etc. Tun mir dann auch leid- sie mögen aber bitte ihre Söhne anders erziehen.

  • Ich stimme der Aussage zu, dass Gewalt gegen Frauen kein importiertes Problem ist.



    Es ist ein grundsätzliches Problem des Patriarchats.



    Je extremer die patriarchale Gesinnung eines Landes ist, desto mehr körperliche/sexuelle Gewalt müssen Frauen erleiden.



    Warum wird das Problem nirgendwo angesprochen?



    Wenn vom Kindergarten bis zum Studium Pflichtfächer angeboten würden, die Gleichberechtigung und Respekt lehren, würde das sicherlich die Gesellschaft in den kommenden Jahren verändern.



    Die Frage stellt sich, ob in der Politik überhaupt ein Interesse darin besteht, patriarchale Strukturen zum Schutz von Frauen und Mädchen aufzubrechen - bei dem jetzigen Kanzler und seinen Parteigenossen habe ich so meine Bedenken.

    • @NovaBel:

      Dann sollte dringendst analysiert werden in welchen Ländern dieser Erde dies am meisten ausgeprägt ist um entsprechend reagieren zu können.

      Um Antworten vorzugreifen:



      Wir haben hier sicherlich auch noch lange nicht das Optimum erreicht.

      Sicher ist, dass dies durch Unterricht nicht kurzfristig besser wird, eher eine langfristige Maßnahme über Generationen. So lange muss dies durch andere Mittel verhindert werden, leider im patriarchischen Systemen nicht anders möglich, da es die meisten nicht anders kapieren werden.

  • Der Artikel lenkt ab von dem was tatsächlich passierte. Eine Chronik der Ereignisse:

    EMMA: "31.12.2015: AUFTAKT ZUR FRAUENJAGD"

    www.emma.de/artike...vesternacht-342031

    "WIE AUF DEM TAHRIR-PLATZ"



    www.emma.de/artikel/i-ed-dar-342035

    "SILVESTER: NUR SPITZE DES EISBERGS!"



    www.emma.de/artike...es-eisbergs-340041

    Alice Schwarzer hat ihre tollen Auszeichnungen wohl verdient:

    - Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

    - Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

    - Journalist des Jahres

    - Ludwig-Börne-Preis

    und viele mehr.

    Weiterhin die klügste Stimme für Frauenrechte.

  • „ Was aber kaum diskutiert wurde sind sozialstrukturelle Ursachen der Ereignisse. Viele Verdächtige durften nicht arbeiten, hatten wenig Geld, teils keinen Aufenthaltsstatus. Teils lebten sie seit Jahren in engen Unterkünften, nun kam Alkohol dazu,…“

    Also geben wir ihnen mehr Geld, sofort einen Aufenthaltsstatus, schaffen eine großzügigere Wohnsituation und verbieten ihnen den Alkohol. Dann ist das Thema gelöst?



    Wir Deutschen sind schon dumm, das wir das nicht gleich kapieren!

    • @C Walser:

      Wie wäre es mit einer Arbeits/Ausbildungserlaubnis und Sprach+Integrationskursen?

      Und das Drogenmissbrauch bei Perspektivlosigkeit zunimmt ist ja nun auch kein Geheimnis.

      Das alkoholisierte Männer zu sexuellen Übergriffen an Frauen neigen hat leider nicht viel mit der Herkunft zu tun. Siehe Oktoberfest, Karneval und co.

      Langfristig wäre durchaus sinnvoll an dem gesamten gesellschaftlichen Position von Alkohol zu arbeiten. Keine Außenwerbung, kein Verkauf an der Kasse, mindestens klar räumlich getrennt im Supermarkt und eventuell Konsumverbote in bestimmten öffentlichen Stellen. Ein Bier 🍺 oder Glas 🍷 darf durchaus angeboten werden, aber auf ein klares Nein dies erneut zu tun sollte geächtet sein. Stellen Sie sich vor ich würde Ihnen einen Joint anbieten und nach klarer Ablehnung meinen: "komm schon nur ein Zug" oder was von "Spaßverderber" faseln oder auch nur "wirklich Sicher?". Das wäre sogar strafbar. Und als Rauschmittel ist Alkohol rein objektiv schädlicher.

      Hier ist Aufklärung an Schulen gefragt.

      Andere Drogen sind durchaus in Schulbücher. Aber kein Wort zum gesellschaftlichen Druck Alkohol zu konstruieren oder über Folgeschäden des Konsums.

    • @C Walser:

      Danke für ihren Kommentar.

    • @C Walser:

      Und es ist doch logisch, dass z.B. Arbeitslose ganz selbstverständlich die Rechte von Frauen verletzen, weil sie ja auch keine Arbeit und kaum Geld haben.

      Für Gewalt darf es keine solchen Ausreden geben. Die Täter handeln vorsätzlich. Das passiert nicht einfach so. Das ist, weil sie keinerlei Respekt aufweisen. Weil sie glauben, dass sie damit durchkommen. Es gibt keine Notlage, die eine solche Handlung rechtfertigen würde.

    • @C Walser:

      Ich denke, Sie haben irgendwie recht. Es wäre viel effektiver Mädchen und Frauen früh beizubringen, sich mit Geealt zu wehren. So viel Schaden anrichten wie möglich. Denn in der öffentlichen Wahrnehmung ist am Ende eh immer das Opfer schuld. Vor allem die Männer im eigenen Haushalt müssen richtig "erzogen" werden. Denn anders lernen sie es nachweislich nicht. Frauen sollten alles flächendeckend heimzahlen, was ihnen angetan wird.

    • @C Walser:

      Wir sind ja alle Nackommen von Nazis, das ist unser Problem. Wir wollen einfach nicht kapieren, dass man nur an die große Völkerverständigung glauben muss.

      • @BS:

        Das klingt jetzt sehr sarkastisch. Es gibt einfach keine genetischen Unterschiede zwischen Völkern, also hat der Mensch aus dem Sudan genau gleich behandelt zu werden wie deine Freunde von Nebenan.

  • "Viele Verdächtige durften nicht arbeiten, hatten wenig Geld, teils keinen Aufenthaltsstatus. Teils lebten sie seit Jahren in engen Unterkünften, nun kam Alkohol dazu, letzteres durchaus vergleichbar mit dem Oktoberfest."

    Solche Aussagen sind zwar nicht falsch, aber nicht hilfreich, weil sie nach Ausreden klingen. Es gibt keinerlei schlüssige Ausreden für sexuell Übergriffe. Und Alkohol ist natürlich erst Recht keine Begründung. Niemand wird zum Saufen gezwungen.

    Es ist schlimm genug, dass Rechte in Deutschland Übergriffe für die Verbreitung ihres Hasses nutzen. Und natürlich gehört "Ja heißt Ja" endlich ins Gesetz. Das wird aber schwieriger, wenn man Ausreden für Übergriffe verbreitet.

  • Die Autorin vergleicht Sylvester in Köln mit dem Oktoberfest.



    Ich habe nicht den Eindruck, dass die sexuellen Übergriffe von Männern beim Münchener Oktoberfest mit „sozialstrukturellen



    Ursachen“ zutun haben, die Männer dort kommen ja nicht aus



    Prekären finanziellen Verhältnissen. Den Männern auf dem



    Oktoberfest wie auf der Kölner Domplatte fehlt es an einem



    Normalen, respektvollem Umgang mit Frauen.

  • Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Die Zahl der Delikte hat sich seit 2015 verdoppelt. In UK sogar verzehnfacht.

  • Man kann und darf nicht ernsthaft behaupten, dass „Kultur“ Menschen zu Straftaten zwingt. Aber zu sagen, Kultur spiele generell keine Rolle, ist eine Überkorrektur.



    Normen zu Geschlechterrollen, Sexualität und sozialer Sanktionierung entstehen nicht im luftleeren Raum. Westliche Gesellschaften haben diese Normen über Jahrzehnte – 68er, Feminismus, Rechtsdurchsetzung – aktiv verändert. Andere Gesellschaften haben diese Entwicklung so nicht durchlaufen. Das anzusprechen ist keine Pauschalverurteilung, sondern eine notwendige Voraussetzung für Prävention und Integration. Wer kulturelle Unterschiede vollständig ausblendet, ersetzt Analyse durch Naivität.