Gespräche mit den Taliban: Keine Verhandlungen mit Terroristen

Wer mit den Taliban reden will, verkennt, welche Bedrohung von ihnen ausgeht. Nötig ist massiver internationaler Druck.

Taliban auf der Ladefläche eines Pick-ups

Kabul am 19.08.: Taliban patrouillieren nach ihrer Machtübernahme durch die Straßen Foto: Rahmat Gul/ap

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich für Verhandlungen mit den Taliban ausgesprochen und sagt, es bedeute keine Anerkennung. Sie verkennt diese Terrorgruppe. Die Taliban wurden in Pakistan mit Härte und einem versteinerten Glauben in allen Lebensbereichen erzogen.

In der politischen Kultur gilt schon als Blasphemie, sich gegen etwas zu stellen, was die Taliban-Führung richtig findet. Wer rebelliert, kann bestraft, auch getötet werden. Ein Dialog, überhaupt ein Für und Wider, ist den Taliban fremd. Gespräche mit ihnen sind deshalb zwecklos und sogar schädlich. Die Taliban werden nur mehr Zugeständnisse erzwingen, ohne selbst ihre Zusagen einzuhalten.

Fakt ist, dass die Bundesregierung ihren Mitarbeitern in Afghanistan gegenüber fahrlässig gehandelt hat. Der Vormarsch der Taliban ist seit Monaten klar, auch dass sie die Tore Kabuls erreichen können. Ohne diese Fahrlässigkeit hätte die Evakuierung der Ortskräfte schon vor Monaten begonnen. Dies ist nicht passiert und hat die derzeitige dramatische Situation erst geschaffen.

Selbst wenn es gelingen sollte, auf diese Weise besonders gefährdete Menschen außer Landes zu bringen, darf man nicht vergessen, dass es Millionen anderer Menschen in Afghanistan gibt, die weder einen ausländischen Pass besitzen, noch zu den Ortskräften gehören. Sie müssen unter der tyrannischen Herrschaft der Taliban leben.

Eine nach wie vor gefährliche Gruppe

Ihre einzige Hoffnung besteht nun in der internationalen Gemeinschaft. Dafür müssen die Taliban international massiv unter Druck gesetzt werden, denn sie gefährden nicht nur das afghanische Volk, sondern auch die globale Sicherheit. Allein dass Khalil-­ur-­Reh­man Haq­qa­ni, einer der meistgesuchten Terroristen der USA, in der zukünftigen Taliban-Regierung sein wird, zeigt, wie gefährlich die Gruppe nach wie vor ist. Entgegen ihren Behauptungen kooperieren sie weiterhin mit internationalen Terroristen.

Pakistan hat die Taliban geschaffen. Saudi-Arabien stützt sie ideologisch und politisch. Statt mit den Taliban zu sprechen, muss mit diesen Ländern verhandelt werden, dass die Taliban die Menschenrechte respektieren, insbesondere die Rechte der Frauen. Sie müssen mit der Unterdrückung der ethnischen Minderheiten, insbesondere der schiitischen Hazara, aufhören. Vielen scheint noch nicht klar zu sein, dass ihnen ein Völkermord drohen könnte, weil sie von den Taliban nicht als Muslime angesehen werden.

In Afghanistan droht noch viel größeres Leid als das, was wir derzeit sehen. Und es nicht abwegig zu befürchten, dass die Welt nicht mehr hinschaut, wenn die westlichen Ausländer und die Ortskräfte ausgereist sind.

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Jahrgang 1991, musste seine Heimat Afghanistan Ende 2011 wegen Todesdrohungen der Taliban verlassen und lebt heute in Berlin. Er ist Journalist, Student und Aktivist.Er arbeitet als persischer Redakteur für das mehrsprachige Magazin kulturTür http://www.kulturtuer.net.

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