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„FAZ“-Geschäftsführer gehtDa ist was im Busch

Bei der „Frankfurter Allgemeinen“ geht Geschäftsführer Lindner. Und auch sonst dreht sich das Personalkarussell unkonservativ schnell. Was ist da los?

B is Montagmorgen mochte es in den heiligen Frankfurter Hallen noch keiner bestätigen. Aber wenn der geschätzte Kollege Roland Pimpl bei Horizont schon am Sonntag was im Konjunktiv schreibt, ist das keine Verdachtsberichterstattung. Sondern eigentlich immer vorweggenommene Realität. Bei der Frankfurter Allgemeinen nimmt also Geschäftsführer Thomas Lindner seinen Abschied.

Das ist insoweit bemerkenswert, als bei der FAZ solche Führungsposten eigentlich ziemlich langlebig sind. Und Lindner seit 2014 einen verdammt guten Job gemacht hat, was die wirtschaftliche Sanierung der zwischenzeitlich ziemlich mau dastehenden Zeitung für (West-)Deutschland angeht.

Lindner ist dabei nicht der/die Einzige, der dem FAZ-Verein den Rücken kehrt. Seit 2025 sind allein sechs Auf­sichts­rä­t*in­nen zurück- oder nicht mehr angetreten. Zuletzt legte Julia Becker Ende Juni ihr Aufsichtsratsmandat „aus persönlichen Gründen“ nieder.

Becker ist Erbin und Verlegerin der Funke-Mediengruppe und eine der einflussreichsten Frauen im deutschen Verlagsgeschäft. Wenn so jemand nach nicht mal einem Jahr geht, ist was im Busch.

FAZ „nach einer öffentlich-rechtlichen Logik“ führen?

In diesem Fall Ulrich Wilhelm. Der ehemalige Regierungssprecher von Angela Merkel und frühere Intendant des Bayerischen Rundfunks ist seit 2022 Vorsitzender des Kuratoriums und Mitgeschäftsführer der FAZIT-Stiftung. Die gemeinnützige Stiftung hält über 90 Prozent der Anteile an der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Auf Branchenkongressen sagte Wilhelm gern, er mache jetzt zur Abwechslung den Verleger und wolle am liebsten die Zeitungen und ihren Lieblingsfeind, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aussöhnen. Bei der FAZ-Medienseite klappt das aber nicht so dolle, sie berichtet weiter mehr als kritisch über die ÖRR-Welt.

Aber sein Verleger-Sein scheint Wilhelm sehr ernst zu nehmen. Und deshalb brennt jetzt in Frankfurt der „Wilhelm-Busch“. Die Stiftung soll schließlich Kohle und Unabhängigkeit der FAZ sichern, aber sich nicht ins Tagesgeschäft und schon gar nicht in die großen Strategien mischen. Das passt aber nicht so recht zu Ulrich Wilhelm. Der hatte schon als BR-Chef den Hang, der gesamten ARD aus München vorzugeben, welcher Weg der richtige und allein gangbare ist. Es war natürlicher immer seiner.

Nun heißt es auch in Frankfurt, der ehemalige Intendant wolle die FAZ „nach einer öffentlich-rechtlichen Logik“ führen, wie es der Fachdienst kress formuliert. Wird die FAZ also zum ersten großen Beispiel für gemeinnützigen Journalismus? Das wäre wirklich mal ein Experiment!

Die Wahrheit ist vermutlich leider viel simpler. Es geht um unterschiedliche Vorstellungen über die weitere Führung der Geschäfte und natürlich auch ums Ego.

Wilhelm hat die Macht der Stiftung ausgebaut, so kann der Aufsichtsrat nicht mal mehr seinen eigenen Vorsitz ohne das Okay der Stiftung, also von Wilhelm, bestimmen. Das war früher anders und bringt die klugen Köpfe in Frankfurt in Wallung.

Dass Wilhelm allerdings selbst Lindner vertreiben wollte, wäre pure Verdachtsberichterstattung und soll hier keinesfalls behauptet werden. Scheint aber geklappt zu haben.

„Hoffentlich zeigt die Realität dann auch, dass eine Verlegerin wie Frau Becker und ihre Strategie Herrn Wilhelm am Ende überholt“, meint die Mitbewohnerin.

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Steffen Grimberg

Steffen Grimberg Medienjournalist

2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, ab 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Seit Juni 2023 Leitung des KNA-Mediendienst. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"
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