piwik no script img

Expertenkommission zur EnteignungDie Kritik wird lauter

Die Initiative DW Enteignen fordert: Der Senat soll die Vorsitzende der Enteignungskommission Däubler-Gmelin zu Transparenz und Zurückhaltung bewegen.

Gareth Joswig

Aus Berlin

Gareth Joswig

Die Volksinitiative Deutsche Wohnen und Co. Enteignen fordert den rot-grün-roten Senat zum Einschreiten gegen die Expertenkommission auf. Sprecher Kalle Kunkel kritisierte, dass die Vorsitzende Herta Däubler-Gmelin (SPD) den Einsetzungsbeschlusses des Senats nicht einhalten wolle, etwa indem die Kommission nichtöffentlich tagen soll.

Dies sei ein „SPD-Foulspiel“, mit dem demokratische Prozesse untergraben und mehr als eine Million Berliner*innen, die auf eine Umsetzung des Volksentscheids warteten, hintergangen werden sollen. „Die Regierungsparteien müssen jetzt einschreiten und die Einhaltung ihres eigenen Beschlusses in der Enteignungskommission durchsetzen“, so Kunkel.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Nach der Linken hat sich nun auch die Grünen-Wohnungspolitikerin Katrin Schmidberger dafür ausgesprochen, Däubler-Gmelin zur Räson zu rufen. Sie schrieb auf Twitter: „Der Senatsbeschluss zur Ex­per­t*in­nen­kom­mis­si­on ist ein Kompromiss von Rot-Grün-Rot, der nicht in Frage gestellt werden darf. Der Senat muss sicherstellen, dass Arbeitsauftrag und Arbeitsweise sowie die Einbindung von DW Enteignung nun wie vereinbart umgesetzt werden.“

Der Senat hatte entschieden, dass das für die Umsetzung des Volksbegehrens für die Vergesellschaftung von Wohnraum privater Konzerne einberufene Gremium grundsätzlich öffentlich tagen, paritätische Mehrheiten bewahren und die Initiative umfassend informieren soll. All das steht nun zur Disposition. Zudem sollte die Vorsitzende, die ehemalige SPD-Justizministerin Däubler-Gmelin, eine neutrale Rolle spielen. Doch sie hat offenbar andere Pläne und beansprucht nun selbst ein Stimmrecht. Es ist nicht das erste Mal, dass die SPD das Enteignungs-Volksbegehren aktiv sabotiert.

Die Kritik wird lauter

Entsprechend begrüßte die Initiative am Montag einen kurz zuvor veröffentlichten Beschluss des Berliner Landesvorstands der Linkspartei, der das nun im Senat thematisieren will. Die Kommission solle im Grundsatz öffentlich tagen und Däubler-Gmelin aus den Voten heraushalten und der Abschlussbericht nicht noch weiter nach hinten verschoben werden, fordert die Linke.

Kalle Kunkel von der Enteignungs-Initiative kritisierte dann auch Däubler-Gmelin deutlich: Diese „bricht den Senatsbeschluss am laufenden Band.“ Wenn sie sich an Abstimmungen beteilige, sei sie nicht mehr unparteilich.

Weiterhin sagte Kunkel: „Die Kommission soll offenbar alles mögliche diskutieren – nur nicht ihre klar formulierte Aufgabe, also Wege zur Vergesellschaftung.“ Als „besondere Provokation“ und „Kampfansage an Mieter:innen“ werte er, dass das immobilienlobby-nahe Empirica Institut als „neutrale wissenschaftliche Gruppe“ zur nächsten Sitzung der Kommission eingeladen werden soll.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • cuba libre

    Ich bin dafür, die Verhandlungen für jedermann zugänglich zu machen.



    Klüngeln im Hinterzimmer - nein Danke.

  • nzuli sana

    Alles muss man selber machen.



    Keine Kommission.



    Sozialisieren - egalisieren - kooperieren.

  • rero

    Dass Frau Däubler-Gmelin keine gute Wahl sein wird, war abzusehen.

    Sie ist Juristin und eine erfahrene Politikerin.

    Sie weiß, dass "DW enteignen" juristisch Blödsinn ist und politisch in eine Sackgasse führt, weil man Versprechen macht, die man nicht halten können wird.

    Und Populistin war sie auch noch nie.

    Die Frau verfügt also nicht über die notwendigen Voraussetzungenn für diese Position.