Einsatz im Dannenröder Wald: Wieder ein Absturz bei der Räumung

Während die Polizei ins Innere des Waldes vordringt, häufen sich die teils schweren Unfälle. Die Polizei setzt Elektroschocker ein.

Mehrere Dutzend Menschen sitzen und stehen um einen Bagger herum, der von Polizei geschützt wird

Aktivist:innen von Ende Gelände blockieren am Sonntag einen Bagger Foto: David Baltzer

HAMBURG taz | Die Besetzer*innen des Dannenröder Waldes konnten am Sonntag für einen Tag durchatmen – am Wochenende waren 400 Aktivist*innen von Ende Gelände aus verschiedenen Städten zur Unterstützung angereist. Ab dem frühen Sonntagmorgen blockierten sie einen Bagger am nördlichen Waldrand, die Räumungsarbeiten standen den Tag über still.

Die Klimaaktivist*innen hatten die Massenaktion vorher angekündigt, die Polizei war darauf eingestellt und verkündete Sonntagfrüh, für den Tag auf Rodungen zu verzichten – „aus Rücksicht auf den Totensonntag“. Räumungsarbeiten sollten aber trotzdem stattfinden. Damit die schweren Maschinen in den Wald fahren können, müssen herumliegende Baumstämme beiseitegeschafft und der matschige Waldboden beschottert werden. Das verhinderten die Aktivist*innen. Die Polizei stellte sich mit mehreren Hundertschaften, einem Helikopter und zwei Wasserwerfern im Wald auf. Bis Redaktionsschluss blieb alles friedlich.

„Wir senden Grüße aus dem Wald an den Bundesparteitag der Grünen“, sagte die Ende-Gelände-Sprecherin Ronja Weil am Wochenende der taz. Die Grünen hatten sich am Samstag geeinigt, das 1,5-Grad-Ziel zur Grundlage ihrer Politik zu machen. „Wir zeigen hier schon mal, wie das geht“, sagte Weil. Und drohte in Richtung der Hessischen Landesregierung: „Wenn sie die gewalttätige Räumung fortführen, werden wir die Rodung zu ihrem politischen Disaster machen.“

Am Samstag war es erneut zu einem schweren Unfall im Wald gekommen. Eine Frau stürzte aus einer Holzplatform in vier bis sechs Meter Höhe und kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Nach Informationen der Polizei ist sie nicht in Lebensgefahr. Die Plattform war in eine Schieflage geraten, sodass die Frau abrutschte – warum, ist laut Polizei noch nicht klar, die Staatsanwaltschaft Gießen ermittele.

Aktivist*innen schilderten hingegen, dass Polizist*innen auf ein Seil gestiegen waren, das die Höhenplattform gesichert hatte. Als sie wieder vom Seil traten, sei die Plattform so stark ins Schwanken gekommen, dass die Aktivistin abstürzte.

Zahl der Unfälle steigt

Seit die Polizei langsam, aber stetig immer weiter in das Innere des Waldes vordringt, häufen sich gewaltvolle und teils lebensbedrohliche Situationen. Vor einer Woche war eine Aktivistin aus fünf Meter Höhe abgestürzt und lebensgefährlich verletzt worden, weil die Polizei ein Sicherungsseil durchgeschnitten hatte. Nur einen Tag später fiel eine andere Person aus dem gleichen Grund aus einem travers gespannten Seil, war aber doppelt gesichert und pendelte lediglich zwischen den Baumstämmen – was auch zu schweren Verletzungen führen kann.

Am Samstag setzte die Polizei in 20 Meter Höhe einen Taser ein. Zwei Personen hätten sich auf der Höhenplattform so stark umarmt, dass die Kletterpolizist*innen sie nicht anders hätten lösen können, erklärte das Social-Media-Team der Polizei. Die Elektroschocker verursachen eine schmerzhafte Muskelkontraktion im ganzen Körper und können etwa bei Herzfehlern oder unter Drogeneinfluss tödlich wirken.

Die Besetzer*innen appellierten erneut an die hessischen Grünen, den Einsatz zu stoppen. „Für jede Gefährdung von Menschenleben, jede Verletzung, jedes Trauma sind die Grünen mitverantwortlich, so lange sie den Einsatz mittragen“, sagte eine Sprecherin.

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