Drohnenalarm am Leipziger Flughafen: Teil einer gezielten Sabotageaktion?
Über zwei Stunden ist der Flughafen in Leipzig gesperrt. Die sächsische Behörde für Extremismus und Terror ermittelt mit der Generalstaatsanwaltschaft Dresden.
Foto: Axel Schmidt/reuters
Ein Mitarbeiter des Leipziger Flughafens hat dort am frühen Mittwochmorgen eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entdeckt. Wie die Generalstaatsanwaltschaft Dresden auf Anfrage der taz mitteilte, wurde der Zünder des Geräts von Polizeibeamten entschärft. Menschen wurden bei dem Vorfall keine verletzt. Für Fragen sorgt unterdessen, dass ein Frachtflugzeug, das auf der Landebahn des Leipziger Flughafens nicht landen konnte, nach einem Durchstartmanöver in der Luft mit einem bislang unbekannten Objekt zusammenstieß – ob es sich hierbei auch um eine Drohne handelte, war zunächst unklar.
Das Flugzeug landete nach seiner Umleitung auf dem Flughafen Hannover, dort konnten nach Behördenangaben leichte Beschädigungen an der Maschine festgestellt werden. Laut dem Innenministerium in Berlin war der Flughafen Leipzig/Halle ab etwa 2 Uhr nachts für zwei Stunden gesperrt. Inzwischen läuft der Betrieb dort wieder.
Die Hintergründe des Vorfalls waren zunächst nicht bekannt. Die Zentralstelle Extremismus Sachsen (Zesa) der Generalstaatsanwaltschaft Dresden sowie das entsprechende Landeskriminalamt und das polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) führen die Ermittlungen.
Keine eigenen Mittel zur Drohnenabwehr
Die entschärfte Drohne konnte zunächst nicht zugeordnet werden, hieß es. Ob sie aus dem Ausland stamme, sei Gegenstand der Ermittlungen. Die Bundeswehr war an der Sprengung nicht beteiligt, teilte das Verteidigungsministerium mit. Aus dem Verkehrsministerium hieß es, die Einschränkung des Luftverkehrs sei auf ein Minimum reduziert worden.
Als es im vergangenes Jahr ähnliche Vorfälle gab, etwa in München, wollte das BMI die Flughafenbetreiber mehr in die Verantwortung nehmen. Diese sind aber bisher nicht zur Drohnenabwehr berechtigt. Am Leipziger Flughafen verfügt auch die Bundespolizei nach Angaben aus dem Innenministerium bislang über keine eigenen Mittel zur Drohnenabwehr.
Ob der Vorfall mit der Drohne Teil einer gezielten Sabotageaktion war, ist bislang offen. Sicherheitsbehörden sehen Deutschland jedoch seit Längerem hybriden Bedrohungen ausgesetzt. Unweit des Flughafens explodierte bereits 2024 ein Paket im DHL-Logistikzentrum. Die Explosion wurde einer Serie aggressiver Ausspäh- und Sabotageaktionen zugerechnet, die deutsche Sicherheitsbehörden Russland zuschreiben.
Desinformationsvideos vor den Landtagswahlen
Sorgen bereiten den Behörden im Kontext der anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland gesteigerte Aktivitäten, die vor allem auf Desinformation abzielen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen haben Akteure mit Bezug zu Russland ihre Kampagnen hier erheblich verstärkt. Die Aktivitäten zielten darauf ab, Parteien zu diskreditieren und das politische Klima weiter zu polarisieren, hieß es schon am Dienstag aus Kreisen der Behörden.
Dabei würden soziale Netzwerke genutzt und auch gezielt auf kommunaler Ebene versucht, Einfluss zu nehmen. So würden gezielt Videos gepostet, die etwa über Logos den Eindruck erwecken sollten, sie kämen von renommierten Medien wie der BBC oder der ARD. Dabei sollten lokale Politiker mit Vorwürfen der Veruntreuung von Geld etwa für ein Tierheim bis hin zu sexuellen Belästigungen und Missbrauch diskreditiert werden.
„Ganz generell sehen wir, dass Russland jeden Tag hybrid versucht, Einfluss zu nehmen“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Mittwoch mit Bezug auf die gefälschten Videos. Regierungssprecher Sebastian Hille (CSU) sagte dazu, dass hybride Bedrohungen durch Social Media zunähmen. In einem „Appell an uns alle“ befand er, das wirksamste Mittel dagegen sei eine kritische und in Medienkompetenz geschulte Bevölkerung.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert