Hybride Angriffe in Deutschland: Hunderte Drohnen über Einrichtungen der Bundeswehr
Das deutsche Militär registriert fast täglich Vorfälle mit Drohnen unbekannter Herkunft. Auch zum Vorfall in Leipzig vor einer Woche gibt es neue Details.
Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Die Bundeswehr hat in den vergangenen Jahren mehrere Hundert sicherheitsrelevante Zwischenfälle mit Drohnen verzeichnet. „Seit Beginn der völkerrechtswidrigen russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022 hat das Meldeaufkommen auch zu Drohnensichtungen mit Bezug zur Bundeswehr deutlich zugenommen und sich verstetigt“, sagte ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Wer hinter den Flügen steckt, ist unklar.
„In Summe sind in den vergangenen Jahren einige Hundert mutmaßliche Drohnenüberflüge im Bereich der Bundeswehr gemeldet worden“, sagte der Sprecher weiter. „Die Meldungen umfassen dabei vorrangig einzelne Drohnen, aber mitunter auch Drohnenschwärme.“
Details zu den Vorfällen nannte der Sprecher nicht. Er verwies aber darauf, dass Deutschland täglich hybriden Bedrohungen wie Desinformation, Fake News, Cyberangriffen, Spionage und Sabotage ausgesetzt sei. Auch wenn deutsche Behörden und Politiker*innen dies nicht so klar aussprechen, wird insbesondere Russland verdächtigt, hinter derartigen Aktionen zu stecken.
Zuletzt war am vergangenen Wochenende bekannt geworden, dass über einem Militärstützpunkt in Mechernich in Nordrhein-Westfalen zwei Drohnen gesichtet wurden. Der Fall wurde laut Bundeswehr an die Polizei übergeben.
Leipziger DNA-Spuren führen zu Vorfall von 2024
Einige Tage zuvor hatte der Fund einer Sprengstoffdrohne am Leipziger Flughafen für Aufregung und Besorgnis gesorgt. Videoaufnahmen ergaben inzwischen, dass diese in der vergangenen Woche gezielt die Tragfläche einer dort geparkten ukrainischen Frachtmaschine anflog und darauf aufprallte – dort wo sich auch der Treibstofftank befindet. Die Drohne war mit einem Sprengstoffpaket versehen, das aber aus unbekannten Gründen nicht detonierte.
Zu dem Vorfall kamen auch am Mittwoch weitere Details ans Licht. Die Zeit berichtete von Zeug*innen, die zum fraglichen Zeitpunkt am Leipziger Flughafen eine Explosion gehört haben wollen. Demnach gebe es Hinweise, dass die Drohnenpiloten versucht hätten, ihre Spuren zu verwischen, indem sie ihre Ausrüstung sprengten. Die Polizei hat inzwischen offenbar eine Antenne sowie eine Art Relaisstation in der Nähe des Flughafens gefunden, die den Tätern zugerechnet werden.
Da es sich bei dem nahe der Drohne gefunden Sprengstoff um Semtex handelt, wie er von Militäreinheiten eingesetzt wird, spricht viel für staatliche Stellen als Strippenzieher. US-Geheimdienste gehen laut Medienberichten davon aus, dass russische Stellen hinter dem missglückten Angriff stecken. Ermittler*innen fanden an der Drohne zudem DNA-Spuren, die 2024 auch bei einem versuchten Brandanschlag auf Frachtflüge der DHL aufgetaucht waren. Auch hier sprach bereits viel für eine Aktion russischer Geheimdienste.
Ein Motiv hätte Russland jedenfalls: Leipzig ist in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Logistikdrehkreuz geworden. Auch ein substanzieller Teil der militärischen Unterstützung für die Ukraine wird hier verladen.
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