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Donald Trump beim Nato-GipfelWenn der Tyrann von Liebe spricht

Erst polterte der US-Präsident, dann spürte er "love in the air". Das Machtgefälle beim Nato-Gipfel offenbart sich beim Drohen und Schulterklopfen.

M it der Liebe ist das ja so eine Sache. Es gibt viele Spielarten dieses Gefühls: die erhoffte Liebe, die verbotene Liebe, die ungewollte, die überschwängliche oder die entzogene Liebe. Und eigentlich vermeidet man gerade in der Welt der Diplomat:innen dieses doch sehr komplexe Herzenskonstrukt. Aber in Zeiten, in denen ein unberechenbarer, zuweilen jähzorniger Mann im Weißen Haus sitzt, gelten andere Regeln. Die volle Ladung Trump-Liebe konnte man in dieser Woche beim Nato-Gipfel in Ankara spüren.

Der US-Präsident fühlte eine „gewaltige Liebe“ seitens der europäischen Nato-Mitglieder. Hatte er nicht wenige Stunden zuvor ebendiesen Mitgliedern vorgeworfen, die USA im Stich zu lassen, sie zu wenig zu unterstützen in der Verteidigung vor allem in der Straße von Hormus und in seinem erbitterten Krieg gegen Iran. Er polterte und schimpfte. Spanien bezeichnete er gar als „schrecklichen Partner“, mit dem die USA keinen Handel mehr betreiben würden. Also die kapitalistische Androhung eines Liebesentzugs.

wochentaz

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Und dann? „Es war ein großartiges Treffen, es gab viel Liebe in diesem Raum, eine Menge Verbundenheit“, sagte Trump nach einem gemeinsamen Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Keinesfalls war damit nur der Mann im Krieg gegen den Kreml gemeint, sondern auch die anderen Staaten des Militärbündnisses. Offenbar herrscht hier ein Gefühlschaos, oder es handelt sich um eine nicht erklärbare Strategie zwischen dem, was Trump öffentlich sagt, und dem, was in den Sitzungen passiert.

Und diejenigen, die es mit dem US-Präsidenten zu tun haben, versuchen mit Schleimoffensiven (Nato-Generalsekretär Mark Rutte), mit Fußballtrikots (Kanzler Friedrich Merz) oder autokratischem Männergehabe (Gipfelgastgeber Präsident Recep Tayyip Erdoğan) sich die Liebe Trumps zu verdienen. Ob diese Strategien fruchten, ist in der Regel offen. Aber was wäre ein Liebesbeweis ohne Risiko? Genau, der Mühen nicht wert.

In den Hinterzimmern

Einer, der bisher zumindest viel Liebe erfährt, ist Selenskyj. Bei allen Gipfeln, auf denen er auftaucht, wird er umarmt, geherzt, ihm wird anerkennend auf die Schulter geklopft. Viel Freundlichkeit, bevor es dann in den Hinterzimmern um Drohnenabkommen, die Lieferung von Luftabwehrsystemen oder die Zukunft der Ukraine in Europa geht. Dass diese Liebe bittere Grenzen hat, spiegelt sich auch im Abschlussdokument des Nato-Gipfels wider. Der Satz: „Die Zukunft der Ukraine ist in der Nato“, kommt gar nicht mehr vor, anders als noch vor zwei Jahren.

Diese ungestüme Liebe in der Diplomatie sorgt für ein gefährliches Machtgefälle. Aber an der Liebe kann man ja arbeiten. Gerade in diesen Zeiten.

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Tanja Tricarico

Tanja Tricarico ausland

Schreibt über Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklungszusammenarbeit, früher auch Digitalisierung. Host der Fernverbindung, dem Auslands-Podcast der taz. Privat im Einsatz für www.geschichte-hat-zukunft.org
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4 Kommentare

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  • KI Antwort auf Frage nach Revolvergeschenk



    In der Militärgeschichte – insbesondere im 19. und frühen 20. Jahrhundert (etwa im preußischen, deutschen oder österreichischen Militär) – war das Übersenden oder Bereitlegen eines geladenen Revolvers oder einer Pistole die unmissverständliche, aber lautlose Aufforderung an einen Offizier, Suizid zu begehen.

  • Selensky geht mit der Zusage von 70Mrd. Pro Jahr nach Hause.



    Außerdem darf die Ukraine zukünftig selbst Patriots bauen und somit der Verknappung entgegenwirken.



    Dass die NATO derzeit noch vollkommen abhängig von den USA ist, dürfte bekannt sein.



    Da ist im Interesse des (Über-) Lebens der Bevölkerung ein bisschen Katzbuckeln am wenigsten schmerzhaft.



    Russland reaktiviert gerade diverse alte Standorte an den NATO Grenzen und stockt Manschaftrn und Ausrüstung auf.



    Zerstörung von Datenkabeln, sowie Angriffe auf digitale Infrastruktur ist keine Ausnahme mehr.



    Die gefassten (Wegwerf-) Agenten dürften auch nur die Spitze des Eisbergs sein.



    Kurz, auch wenn‘s im Biergarten gerade besonders gut schmeckt, die Bedrohungslage ist real.



    Es wäre einfach dumm, sich in einer solchen Situation aus falsch verstandenem Stolz zur hilflosen Zielscheibe zu machen.

    • @Philippo1000:

      Das alles ist nicht falsch, doch es fehlt ein wichtiger Ansatz: wir alle MÜSSEN uns ERNSTHAFT auch auf diplomatischer Ebene bewegen. Zwar ist Putin kein einfacher Gesprächspartner, Trump ebensowenig, dennoch ist es die Mühe wert, auf ALLEN Wegen nach einer Lösung zu suchen. Ralf Mützenich hat das jüngst erneut und sehr, sehr berchtigt auch wieder mal gefordert - und wird deswegen angegriffen.

  • "Das Machtgefälle beim Nato-Gipfel offenbart sich beim Drohen und Schulterklopfen."



    Das zweite Wort im Satz kann man durchaus auch ersetzen durch andere maßgebliche Qualitätsmerkmale mit Gefälle-Eigenschaften, wahrscheinlich sogar ziemlich gut mit einigen mehrheitsfähigen "Einsetzungen"...



    Der 'Eine' nennt sich selbst Genie,



    Den Beweis brachte er noch nie🤔