Gawain (Dev Patel) hebt im Gebirge seine Axt in die Höhe.

Zweifach Film des Jahres: „The Green Knight“ von David Lowery, im Bild: Dev Patel als Gawain Foto: Eurovideo

Die besten Filme des Jahres 2021:Was von 2021 bleibt

2021 spielten Ritter, Tiere und Schüler eine wichtige Rolle. Auch die Harlem Ballroom Culture und die Beatles begeisterten. Eine taz-Rückschau auf das Filmjahr.

12.12.2021, 09:26  Uhr

Oft lockte einen in diesem Jahr nur das heimatliche Sofa: Draußen war Corona. Doch in den Endgeräten gab es auch viel zu entdecken. Die Kulturredaktion der taz blickt zurück auf die Filme des Jahres:

Film des Jahres:

Tim Caspar Boehme, Filmredakteur: „The Green Knight“ Ein Ritterfilm. Und was für einer. Regisseur David Lowery schickt seinen Noch-nicht-ganz-Helden auf eine fantastische Reise voller Prüfungen und herrlicher Farben.

Silvia Hallensleben, taz-Autorin: „De cierta manera“ (Regie: Sara Gómez, 1974). Der frisch digitalisierte einzige Langfilm der früh verstorbenen afrokubanischen Regisseurin ist in Form und kämpferischer Haltung erstaunlich aktuell.

Stefan Hochgesand, taz-Autor: „Matthias & Maxime“. Ein Kuss zwischen zwei Jugendfreunden lässt ihre Beziehung nie wieder so sein wie vorher. So lustvoll und zugleich so lässig war Regisseur Xavier Dolan noch nie. Sein bester Film.

Barbara Schweizerhof, taz-Autorin: „The Green Knight“. David Lowerys Adaption eines alten englischen Versepos über das Coming-of-Age eines Ritters ist ein Film, der sinnlich gefangen nimmt, ohne dass man ihn ganz versteht.

Jenni Zylka, taz-Autorin: „First Cow“. Weil Cookie Milch für Krapfen braucht, melkt er heimlich Oregons erste Kuh. Die Kuh weiß den Melker mit den zarten Händen zu schätzen. Männerfreundlicher sanfter Western.

Dokumentarfilm:
Herr Bachmann sitzt mit seinen Schülern im Klassenzimmer im Kreis.

Das Tolle an „Herr Bachmann und seine Klasse“ ist, zu sehen, wie sich die Schüler entwickeln Foto: Grandfilm

Tim Caspar Boehme, Filmredakteur: „Gunda“. Mit seinen hochauflösenden Schwarz-Weiß-Bildern von Tieren auf Bauernhöfen hat der Filmemacher Victor Kossakovsky nicht bloß den Zeitgeist erwischt. Er berührt, ob vegan oder nicht.

Silvia Hallensleben, taz-Autorin: „Who’s afraid of Alice Miller?“ (Regie: Daniel Howald). Eine ergreifende, spannende und lehrreiche Spurensuche in den widersprüchlichen Reminiszenzen einer traumatischen Familiengeschichte.

Stefan Hochgesand, taz-Autor: „Pray Away“. Hier geht es um Konversionstherapien, pseudopsychologische Methoden, um Queers „wieder hetero“ zu machen – vor allem in christlichen Kirchen der USA. Schrecklich; wichtig zu wissen.

Barbara Schweizerhof, taz-Autorin: „Herr Bachmann und seine Klasse“. Bachmann mag ein guter Lehrer sein, aber Maria Speths Langzeitbeobachtung einer sechsten Klasse berührt vor allem, weil man die Entwicklung der Schüler sieht.

Jenni Zylka, taz-Autorin: „Jazz an einem Sommerabend“ (1958). Ist nur ein Re-Issue, aber niemand trägt große Hüte besser als Anita O’Day. Außer den coolen Jazzcats, die beim Newport Jazz Festival 1958 live dabei waren.

In Serie:
Die Beatles proben in den bunt ausgeleuchteten Twickenham Studios.

Eine Familienaufstellung mit ziemlich guter Musik: die Miniserie „The Beatles: Get Back“ Foto: Apple Corps Ltd.

Tim Caspar Boehme, Filmredakteur: „The Beatles: Get Back“. Peter Jacksons aus liegengebliebenem Archivmaterial erstellte Miniserie über die zähe Arbeit am Album „Let It Be“ ist Drama und Komödie in einem. Die Musik ist auch ziemlich gut.

Silvia Hallensleben, taz-Autorin: „Höllental“ (Regie: Marie Wilke). Der Sechsteiler um den Mordfall an Peggy Knobloch 2001 ist die sperrige und dokumentarisch offene Antwort auf formatierte True-Crime-Ware.

Stefan Hochgesand, taz-Autor: „Pose“. Mit der finalen dritten Staffel kommt die wunderbare Serie über eine Clique queerer PoC in der Harlem Ballroom Culture zu einem würdigen Abschluss, der all den liebenswerten Figuren gerecht wird.

Barbara Schweizerhof, taz-Autorin: „Succession“. Nach drei Staffeln hat man sich längst noch nicht satt gesehen an den Limousinen, Privatjets und Motoryachten, mit denen die Medienmogulfamilie der Roys herumchauffiert wird.

Jenni Zylka, taz-Autorin: „The Beatles: Get Back“. Die einzige Familienaufstellung, bei der ich je mitmachen wollte. Man sitzt hinter Yoko Ono und schaut zu, wie die Familie Songs und Probleme löst und 1966er Deinhard trinkt.

DVD des Jahres:
Die Sau Gunda nimmt Schnauzenkontakt mit einem ihrer Ferkela auf.

Die Sau Gunda mit einem ihrer Ferkel auf dem Hof Foto: Filmwelt

Tim Caspar Boehme, Filmredakteur: „Crash“. David Cronenbergs Adaption des Romans von J. G. Ballard ist nach 25 Jahren weiter aktuell, in Lockdown-erprobten Zeiten erst recht als Allegorie auf ein prothetisches Verhältnis zur Realität.

Silvia Hallensleben, taz-Autorin: „Zustand und Gelände“ (Regie: Ute Adamczewski). Für ihre historische Zeitschichtungen verknüpfende Recherche nach frühen Konzentrationslagern in Sachsen gab es die Goldene Taube bei Dok Leipzig.

Stefan Hochgesand, taz-Autor: „Young Hunter“. Regisseur Marco Berger erzählt die Geschichte eines 15-jährigen Jungen, die von einer schwulen Lovestory gekonnt in einen Thriller kippt. Nur schade, dass er nicht regulär im Kino lief.

Barbara Schweizerhof, taz-Autorin: „It’s a Sin“. Russell T. Davies’ erschreckend lebensfroher Sechsteiler über jene andere Pandemie, die Aids-Epidemie der 80er, bei der auch viele lange dachten, nur die „anderen“ würden daran erkranken.

Jenni Zylka, taz-Autorin: „Gunda“. Dokumentarisch-philosophische Form über das Leben der Tiere, mit viel Schweinchen-Babe-Vibes und Poesie. Oder wie Goethe mal fast schrieb: Hier bin ich Schwein / hier darf ich’s sein.

Außer Konkurrenz:

Tim Caspar Boehme, Filmredakteur: Marc Johnson „Overpass“ (ECM). Bass, Bass, wir brauchen Bass: Der verdiente Kontrabassist macht auf seinem ersten Soloalbum entspannt vor, dass man im Zweifel gar nicht mehr braucht.

Silvia Hallensleben, taz-Autorin: Die Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung mit ihrer reichhaltigen Auswahl an „echten“ Kino-Dokumentarfilmen nicht nur zur deutschen Politik, Geschichte und Gesellschaft.

Stefan Hochgesand, taz-Autor: „Im Park der prächtigen Schwestern“. Autorin Camilla Sosa Villada erzählt in diesem zauberschön lyrischen, tragikomischen Roman von trans Sex-Arbeiterinnen in Argentinien – aus eigener Erfahrung.

Barbara Schweizerhof, taz-Autorin: Zu Unrecht gefloppt: „The Last Duel“. Ridley Scotts Verfilmung eines #MeToo-Prozesses im 14. Jahrhundert ist eine Meisterschule zu Perspektivenwechsel und der Bedeutung der kleinen Unterschiede.

Jenni Zylka, taz-Autorin: Preis für Thalbachigkeit geht an Jella Haase in „Lieber Thomas“. Sie ist das Thalbachigste, was es abseits der Thalbachs gibt. Vermutlich kann sie sich problemlos auf diesbezügliche Familienfeste schmuggeln.

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