Coronatests bei Reiserückkehrenden: Zwangstests sind notwendig

Die Gesundheitsminister täten gut daran, mehr Teststellen an Flughäfen zu errichten. Bis dahin sollte jeder Ankommende zum Test verpflichtet werden.

Hinweisschild steht in Flughafenterminal

Am Flughafen Frankfurt gibt es Deutschlands erstes Flughafen-Coronatest-Zentrum Foto: Boris Roessler/dpa

Besser spät als nie. Ab sofort kann sich jeder rückkehrende Urlauber bei Ankunft an deutschen Flughäfen auf das Coronavirus testen lassen. Und zwar kostenlos. Darauf haben sich die Gesundheitsminister von Bund und Länder am Freitag geeinigt.

Das war dringend nötig. Standen die Chancen bis vor Kurzem gut, dass Deutschland eine zweite Welle zumindest bis Ende des Sommers erspart bleibt, steigen die Infektionszahlen jetzt schon wieder. Zweimal in Folge lagen sie bei rund 800 am Tag, so hoch wie seit Mitte Mai nicht. Und es sieht ganz danach aus, dass es Reisende aus dem Ausland sind, die das Virus einschleppen und zu einer wieder schnelleren Ausbreitung beitragen. Was auffällt: Die Zahl der Neuinfektionen ist vor allem in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Hamburg hoch. Dort enden die Sommerferien bald, viele sind aus dem Urlaub zurückgekehrt.

Worauf sich die Gesundheitsminister aber leider nicht geeinigt haben: den Test verpflichtend zu machen für alle Rückkehrende aus Risikogebieten. Was in Ländern Ostasiens seit Beginn der Pandemie selbstverständlich ist und auch Wien schon früh eingeführt hat, wird in Deutschland viel zu lasch gehandhabt.

Gesundheitsminister Jens Spahn will nun zwar prüfen, ob verpflichtende Tests für Rückkehrende nicht doch möglich sind. Doch zunächst will er auf die Eigenverantwortung der Reisenden setzen. Dieses Vertrauen in die Bürger klingt zwar löblich. Doch es lenkt ab vom eigentlichen Problem: den zu geringen Testkapazitäten.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es an den Flughäfen zu wenig Teststellen geben wird. Wenn Ankommende als Erstes eine lange Schlange vor den Teststellen sehen, werden sie schnurstracks zum Ausgang laufen. Die Gesundheitsminister täten daher gut daran, rasch mehr Teststellen zu errichten. Solange das nicht geschieht, sollte jeder Ankommende zum Test verpflichtet werden.

Bund und Länder hätten den Massentourismus ins Ausland gar nicht zulassen sollen. Dazu genügt bloß ein Blick auf das weltweite Infektionsgeschehen: An der Gefahrenlage hat sich seit dem Frühjahr überhaupt nichts geändert. Mit weltweit über 260.000 Neuansteckungen am Tag ist die Ausbreitung so groß wie noch nie.

Und die Kostenfrage? Es ist zwar großzügig von den Gesundheitsministern, dass Kassen für die Tests aufkommen sollen. Es ist aber das falsche Signal. Wer auch in diesem Sommer partout nicht auf seinen Urlaub im Ausland verzichten will, sollte die 60 Euro selbst bezahlen. An anderen Stellen im Gesundheitssystem wird das Geld in diesen Tagen sehr viel mehr gebraucht.

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war von 2012 bis 2019 China-Korrespondent der taz in Peking. Nun ist er in der taz-Zentrale für Weltwirtschaft zuständig. 2011 ist sein erstes Buch erschienen: „Der Gewinner der Krise – was der Westen von China lernen kann“, 2014 sein zweites: "Macht und Moderne. Chinas großer Reformer Deng Xiao-ping. Eine Biographie" - beide erschienen im Rotbuch Verlag.

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