Blockupy-Protest in Frankfurt

Widerstand dem Kapitalismus

Zehntausende kamen nach Frankfurt, um gegen die EZB zu demonstrieren. Am Morgen kam es zu Ausschreitungen, nachmittags blieb es friedlich. Protokoll des Tages.

Veränder' den Kapitalismus – gewaltlos: Mittwochabend in Frankfurt. Bild: reuters

Autos brannten, Wasserwerfer waren im Einsatz und mehr als 200 Menschen wurden verletzt: Die Proteste der Blockupy-Bewegung hatten einen gewalttätigen Auftakt, während das neue Gebäude der Europäischen Zentralbank abgeschottet und mit ausgewählten Gästen eröffnet wurde. Bei der großen Kundgebung vor dem Rathaus traten Redner wie die Globalisierungskritikerin Naomi Klein, Sarah Wagenknecht (Linke) und Vertreter des linken Bündnisses Podemos aus Spanien auf. Dort wie bei dem anschließenden Zug durch die Frankfurter Innenstadt demonstierten Zehntausende friedlich gegen die EU-Krisenpolitik. Lesen Sie hier alles zum Protesttag in Frankfurt.

19.00 Uhr: Letzte Demonstranten erreichen den Opernplatz: Aus den Lautsprechern schallt es: „Liebe Demonstranten, die ihr jetzt noch ankommt. Die Kundgebung ist schon vorbei. Ihr seid zu spät, denn ihr seid zu viele!“ (epe)

18.57 Uhr: Die Polizei zählte rund 17.000 Menschen, die sich nach der dreistündigen Hauptkundgebung auf dem Frankfurter Römerberg zu einem Protestmarsch durch die Innenstadt formierten. (dpa)

18.36 Uhr: Mit Musik von Ton, Steine, Scherben endet Blockupy. Einige Demonstranten zünden bunte Rauchbomben oder schwenken Fahnen, die Polizei hält sich zurück. „Irgendwie fühle ich mich jetzt hier so rausgerissen“, sagt eine junge Frau, deren Bezugsgruppe zum Aufbruch drängt. „Ich könnte jetzt eigentlich noch gut weitermachen.“ (cja)

18.27 Uhr: Langsam erreicht die Demo ihr Ende. Das Motto der Demonstration könnte dem auf einem Transparent entsprechen: „Für ein Ende der Gewalt. Für den Kommunismus.“ (epe)

18.24 Uhr: Hochstraße. Hinter den Glasfassaden des Hotel Hilton stehen Herren in guten Anzügen. Sie blicken neugierig durch die Scheiben, trauen sich aber nicht raus. Draußen tänzelt der pinke Block an ihnen vorbei. (mka)

18.07 Uhr: Laut den Organisatoren von Blockupy hat die Demonstration 20.000 Teilnehmer. (lei)

Friedliche Kapitalismuskritik. Bild: ap

18.05 Uhr: Neben dem Banken- und Krisenthema ist es auch immer wieder die Flüchtlingsthematik, die die Demonstranten bewegt und über die auf dem Weg durch Frankfurt gesprochen wird. (lei)

17.55 Uhr: Sind es jetzt 10.000, 20.000 oder 30.000? Kurz vor dem Eschenheimer Tor diskutieren die Demonstranten, wie groß ihr Zug ist. Versuche, vom Straßenrand aus Anfang oder Ende des Zuges zu sehen, scheitern. (cja)

17.42 Uhr: Begleitet von der Polizeieskorte läuft der Demozug. An der Ecke Bleichstraße/Konrad-Adenauer-Straße warten zwei tropfende Wasserwerfer auf die bis dato ausbleibenden Krawalle. Vereinzelt waschen sich Demonstranten die Hände in dem herunterrinnenden Wasser. Während vorne alles ruhig ist, werden im hinteren Teil bunte Bengalos gezündet. (lei)

Es geht los: der Demozug in Frankfurt. Bild: ap

17.35 Uhr: Weiterer „fun fact“: In Frankfurt sind fast alle Wasserwerfer Deutschlands im Einsatz. Es sind 28. Der Einsatz heute in Frankfurt könnte für die Polizei der Testlauf für die G7-Proteste am 7. und 8. Juni auf Schloss Elmau in Krün sein. (hav)

17.33 Uhr: Neue Verletztenzahl am späten Nachmittag. Nach Polizei-Angaben wurden bis zum Nachmittag mindestens 94 Polizisten verletzt, die meisten davon durch Reizgas. Das Blockupy-Bündnis teilte mit, beim Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken durch die Polizei seien mehr als 130 Demonstranten verletzt worden. (dpa)

17.27 Uhr: „Warum ich hier bin? Aus dem gleichen Grund wie 10.000 andere auch! Zeigen, dass ich nicht einverstanden bin mit der Politik, für die die EZB symbolisch steht“, sagt eine Studentin aus Münster. (lei)

17.02 Uhr: Am Donnerstag beschäftigt sich auch der Bundestag mit den Krawallen in Frankfurt. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sei schockiert von den Vorgängen und habe kurzfristig für 14 Uhr eine sogenannte „vereinbarte Debatte“ im Parlament angeregt, teilte ein Sprecher der Unionsfraktion mit. Die Debatte sei von den Fraktionsführungen beschlossen worden. (dpa)

17.00 Uhr: Yes, they can! Die Demo wird – erstmals – von Frauen aus allen Teilen Europas angeführt. Passenderweise lautet ihr Schlagwort auf den Regenschirmen „ResistSister“ („WiderstandsSchwester“). Und startet pünktlich um kurz nach 17 Uhr. (lei)

16.50 Uhr: Das Erste sendet am Abend um 20.15 Uhr einen Brennpunkt zum Protesttag in Frankfurt. (hav)

16.38 Uhr: Die Polizei scheint auch noch einmal zu mobilisieren: im Nordwestzentrum und an der Konstablerwache, einem zentralen Platz in der Innenstadt. Auch der Polizei-Hubschrauber ist wieder im Einsatz. (lei)

16.34 Uhr: „Proteste gegen die blinde Austeritätspolitik sind berechtigt. Aber diese Bilder von Blockupy helfen genau den Falschen“. kritisiert Sven Giegold, Sprecher der Grünen im Europaparlament. (dpa)

16.22 Uhr: Auch der Innenminister äußert sich zu der Gewalt und den Ausschreitungen: „Alle, die sich hier missbräuchlich auf Freiheitsrechte berufen, müssen mit der vollen Härte des Rechtsstaats rechnen“, sagte Thomas de Maizière in Berlin. „Das Ausmaß der Gewalt spricht dafür, dass solche Aktionen seit langem geplant waren.“ Gewalt habe nichts mit dem Recht auf Demonstrationsfreiheit zu tun. Niemand dürfe dies rechtfertigen. „Wir freuen uns im Gegenteil darüber, dass die EZB ihren Sitz in Deutschland hat.“ Seine Gedanken seien bei den verletzten Polizisten und Einsatzkräften sowie ihren Angehörigen. (dpa)

16.15 Uhr: Die Polizei Frankfurt spricht von 10.000 Menschen bei der Kundgebung am Römer. (hav)

„Neue Chancen für transnationale Bewegungen“ – Aktivisten aus ganz Europa vor dem Römer. Bild: reuters

16.08 Uhr: CDU-Politiker Jens Spahn twittert zu den Ausschreitungen in Frankfurt: „Nicht auszudenken, wenn Pegida sich benommen hätte wie Blockupy heut in FFM. Gewalt, Randale, blinde Wut. Schande für Deutschland? #nurmalso.“ (hav)

16.00 Uhr: Beim Mukkewagen an der Paulskirche bleiben Leute stehen und tanzen mit, die man sonst wohl nicht so erreicht hätte. Hedonistisch – oder eine kluge Idee für die nächsten Protestaktionen? (lei)

15.45 Uhr: Eleonora Demajo ist aus Neapel in Italien mit dem Regenbogenblock nach Frankfurt gereist: „Neapel ist eine der ärmsten Städte Europas. Ich kämpfe in Frankfurt für ein gemeinsames europäisches Grundeinkommen. Das kann verhindern, dass die Menschen wie in Neapel massenhaft in Armut abrutschen. Wir kämpfen hier nicht nur gegen eine falsche europäische Politik, sondern auch gegen die Angst in unseren Herkunftsländern“, sagt die 26-Jährige. (lei)

15.30 Uhr: Die Gerüchte um ein Verbot der Demo um 17 Uhr scheinen sich nicht zu bestätigen. In der Nähe des Römers werden die Lautsprecherwagen vorbereitet und geschmückt. (epe)

15.15 Uhr: Wann war der Römer zuletzt so voll? Mindestens 5.000 Leute sind gekommen. Sprecher von der linken spanischen Bewegung Podemos, Attac France und Blockupy International treten auf. „Mit dem grandiosen Erfolg der europäischen Mobilisierung tun sich ganz neue Chancen für transnationale Bewegungen auf“, so ein Vertreter von Blockupy International. Und für den Podemos-Sprecher gibt es riesigen Applaus: „Ein Journalist hat mich gefragt: 'Warum seid Ihr hier?' und ich sagte: Wir sind nicht gegen Deutschland. Aber wir sind gegen Merkel und ihre Politik.“ Solidarisch und vereint für ein friedliches Europa von unten, dafür müsse man kämpfen. „Syriza“ und „Podemos“-Sprechchöre im Publikum. (lei/epe)

14.56 Uhr: Fun fact zur EZB-Eröffnung: Zur Feier waren ausschließlich Journalisten von Nachrichtenagenturen und dem Hessischen Rundfunk zugelassen. Sie und die 100 geladenen Gäste wurden mit Polizeibegleitung in einem Bus über die gesperrte Autobahn zu der Veranstaltung gebracht. (dpa/hav)

14.43 Uhr: Der Tag in weiteren Zahlen: Nach Angaben der Polizei waren rund 3.000 Demonstranten am Zaun aufgezogen und versuchten, das weiträumig abgesperrte Gelände der EZB zu stürmen, wurden aber von den Beamten gestoppt. Laut Blockupy waren etwa 6.000 Aktivisten unterwegs, davon 1.000 aus dem Ausland.

15 Personen wurden festgenommen. Ihnen wird Brandstiftung, schwerer Landfriedensbruch und Widerstand vorgeworfen. Die Polizei setzte insgesamt rund 350 Aktivisten fest, um ihre Personalien festzustellen. Von einem Kessel wollte die Polizei nicht sprechen. Nach Polizeiangaben wurden bis zum Mittag 91 Polizisten verletzt, einige seien von Steinen am Kopf getroffen worden. Ein Sprecher des Blockupy-Bündnisses berichtete, beim Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken durch die Polizei seien 128 Demonstranten verletzt worden. (dpa)

14.35 Uhr: An der Hauptwache gibt es eine Kundgebung in Gedenken an die in Syrien getötete Ivana Hoffmann. Sie ist die erste Deutsche, die im Krieg gegen den IS gestorben ist. In einer Gedenkminute strecken die Teilnehmer ihre Hände zu Fäusten geballt in die Höhe oder zeigen das Peace-Zeichen, in diesem Kontext das Zeichen für den kurdischen Kampf. (epe)

14.20 Uhr: Ich geh mit meiner Polizeieskorte, und meine Polizeieskorte mit mir... Kaum sind mehr als 50 Demonstranten zusammen, folgt die Polizei. Am Frankfurter Rathaus, dem Römer, geht es jetzt los mit einer Kundgebung. Es ist so voll, dass sich die Leute bis weit in die Braubachstraße und vor die Paulskirche stauen. (lei)

14.12 Uhr: Zu den Protesten in Frankfurt äußert sich Katja Kipping von der Linken. „Als Linke haben wir zu Protesten gegen die unsoziale Troika-Politik im Rahmen des Aktionskonsens aufgerufen. Dieser sah ausdrücklich friedliche Aktionen vor. Leider haben sich nicht alle an diesen Konsens gehalten.“ Der Dank gelte allen, die zu einer Deeskalation beigetragen haben. „Dies war auch deshalb notwendig, weil Teile der Polizei die Stimmung aufgeheizt haben“, heißt es in dem schriftlichen Statement weiter. (hav)

Polizisten sind durch einen Hitzeschleier einer brennenden Barrikade zu sehen. Bild: reuters

14.00 Uhr: „Wir sind hier um unsere Solidarität bei diesem europäischen Anliegen zu zeigen. Es ist wichtig, dass wir uns international zusammentun. Und natürlich um Solidarität mit Griechenland zu zeigen“, sagt Thomas, Aktivist aus Frankreich. An der Jacke des 58-Jährigen heftet ein grün-lilaner „Avec les Grecs“-Aufkleber. (lei)

13.47 Uhr: Am Sitz der Rüstungsfirma „Diehl Aerospace“ in der Straße An der Sandelmühle kommt es zu einer antimilitaristischen Spontandemonstration mit etwa 100 Teilnehmern. Das Motto: „War starts here.“ Der Haupteingang wird mit Farbe beschmiert. (taz)

13.30 Uhr: Im DGB-Haus an der Wilhelm-Leuschner-Straße ziehen Sprecher des Blockupy-Bündnisses eine Zwischenbilanz. Der Demo-Anmelder und Linkspartei-Politiker Ulrich Wilken: „Ich will ganz klar sagen: Ich hätte mir diesen Vormittag ganz anders gewünscht. Teilweise bin ich sehr betrübt und teilweise auch entsetzt gewesen über das, was ich selber erlebt habe und an Bildern gesehen habe. Das ist nicht das, was wir als Blockupy-Bündnis vereinbart haben.“

„Ich will aber auch in aller Deutlichkeit sagen, dass ich großes Verständis für die Wut der Menschen habe, die von der europäischen Verelendungspolitik betroffen sind, die etwa in Griechenland Schwierigkeit haben, an Medikamente zu kommen“, so Wilken. Diese Wut und Empörung ist in Frankfurt angekommen. Der Sprecher der Interventionistischen Linken, Christoph Kleine, sagt, dass nach Schätzungen des Bündnisses rund 6.000 Menschen an den Blockaden des Morgens beteiligt gewesen seien. (mka)

13.24 Uhr: Die Polizei Frankfurt veröffentlicht über ihren Twitter-Account ein Video, „das die Angriffe auf das 1.Polizeirevier #Frankfurt zeigt und selbsterklärend ist.“ (hav)

13.20 Uhr: Der lang festgehaltene Demozug am Allerheiligentor hat sich jetzt wieder in Bewegung gesetzt und läuft die Friedberger Anlage entlang. Die 2.500 bis 3.000 Teilnehmer ziehen den Sandweg entlang. Die Stimmung unter den altersmäßig durchmischten Aktivisten ist friedlich und entspannt. (taz)

13.15 Uhr: Vize-Kanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel spricht in der Bundespressekonferenz von einem erschreckenden Bild von Gewaltbereitschaft in Frankfurt, die durch nichts, aber auch gar nichts gerechtfertigt sei. Ausgerechnet die EZB anzugreifen, die für den Zusammenhalt in Europa stehe, sei eine intellektuelle Fehlleistung. Gabriel begrüßt in diesem Zusammenhang die Erhöhung der Ausgaben für Innere Sicherheit im Nachtragshaushalt der Bundesregierung. (taz)

12.58 Uhr: Gerade ist bei den meisten Aktivisten Mittagspause angesagt. In den Grünanlagen der Zeil – Frankfurts größter Einkaufsstraße – liegen überall Gruppen schlafend in der Sonne. Ein Demonstrant sitzt auf der Straße Obermainanlage direkt neben einer ausbrennenden Mülltonne und raucht Shisha. (taz)

12.50 Uhr: Meanwhile at the EZB.... EZB-Präsident Mario Draghi hat derweil den Neubau der Europäischen Zentralbank feierlich eröffnet. In kleinem Rahmen mit gut 100 geladenen Gästen. In seiner Eröffnungsrede ging Draghi auch auf die Demonstranten und die vielen unzufriedenen Menschen im Euroraum ein, die in den vergangenen Krisenjahren Einkommen und Wohlstand verloren hätten. Als eine Institution der Europäischen Union, die eine zentrale Rolle in der Krise gespielt hat, sei die EZB in den Fokus der Frustrierten geraten, sagte Draghi. „Möglicherweise ist dieser Vorwurf nicht fair. Denn unser Handeln zielte genau darauf ab, die wirtschaftlichen Schocks abzufedern.“

Rauch über Frankfurt. Bild: dpa/www.mainhattan-webcam.de

Doch die EZB müsse auf alle Bürger in allen Euroländern genau hören, nicht nur auf einige Wenige. „Es gibt einige, die wie die Demonstranten heute vor unserer Tür glauben, Europa tue zu wenig.“ Diese Menschen wollten mehr finanzielle Solidarität unter den Nationen. „Aber die Eurozone ist noch keine politische Union, in der einige Länder permanent für andere bezahlen“, so Draghi. (dpa/hav)

12.41 Uhr: Alter! Sind die gerade AUF die EZB? (lei)

12.38 Uhr: Jemand seine Demo-Sonnenbrille vergessen? Das Wetter in Frankfurt ist gut. Aber wer schnell noch Demo-Equipment in der Mittagspause shoppen will, hat Pech. H&M, Karstadt, Primark und viele andere Läden sind geschlossen. (lei)

„Haut ab“ rufen viele Demonstranten der Polizei in Frankfurt zu. Das wird wohl nicht passieren. Bild: reuters

12.32 Uhr: Wilhelm-Leuschner-Straße. Am hessischen DGB-Haus hat sich die Gewerkschaftskundgebung in Gang gesetzt. Wie viele dabei sind, ist schwer zu überschauen, einige Tausend dürfte es sein. Hier läuft der klassische Gewerkschaftsblock. Fahnen von Verdi und Attac werden geschwenkt. „Die Troika hilft den Banken, nicht den Menschen“, heißt es auf einem Transparent. Sie ziehen am Hotel Inter Continental vorbei, wo sich die distinguierten Concierges das Geschehen interessiert anschauen. (mka)

12.10 Uhr: Ostend. Aus dem Kessel mit Italienern rennen Polizeieinheiten jetzt schon zum zweiten Mal in die Reihen der Demonstranten, die neben dem Kessel stehen. Diese sollen sich vermummt haben. Es gibt Geschrei, Geschubse, Pfefferspray aus großen Kartuschen, jeder Strahl trifft Dutzende. Die Demonstranten bewerfen die Polizei mit Flaschen. (cja)

Viele der aus dem Kessel Entlassenen müssen ärztlich vesorgt werden. Sie waren mit Kabelbindern gefesselt, wurden fotografiert und Platzverweise wurden ausgesprochen. (epe)

12.00 Uhr: An der Hanauer Landstraße, Ecke Uhlandstraße stehen Hunderte Aktivisten und üben sich in Solidarität. Ein paar Meter weiter wurde der bunte Regenbogenblock eingekesselt – vor allem DemonstrantInnen aus Italien werden von der Polizei am weiterziehen gehindert. Nun wollen auch die anderen hier bleiben. Von einem Demowagen aus schallen Solidaritätsbekundungen durch die Straßen. Zwischendurch wird es hier lauter, dann ist wieder alles friedlich. Die Polizei setzt Pfefferspray ein. Sofort vermummen sich einige Demonstranten. Vereinzelt fliegen Flaschen. (mka)

11.57 Uhr: Die Polizeigewerkschaft (DPolG) stapelt rhetorisch mal wieder ganz tief: Sie sieht in den Ausschreitungen eine neue Dimension der Gewalt. „Hier hat sich ein gewaltbereiter Mob aus ganz Europa versammelt, um unter dem Deckmantel der Kapitalismuskritik den Staat als solchen anzugreifen“, sagte der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt. Demonstranten hätten gezielt Polizisten attackiert. „Das Ausmaß der Gewalt hat in seiner Geballtheit eine neue Qualität erreicht.“ (dpa/hav)

11.53 Uhr: Laut Aussage linker Parlamentarier erwägt die Polizei ein Verbot der Großdemonstration um 17 Uhr. (epe)

11.42 Uhr: Weiherstraße. Die rund 200 von der Polizei eingekesselten Italiener werden einzeln von Beamten aus der Gruppe gezogen, vermutlich zur Aufnahme der Personalien. Sie werden dann aber entlassen und von Sympathisanten rund um die Weiherstraße mit Applaus empfangen. Momentan ruhige Lage. (epe)

Die grüne Blockadegruppe wird auf ihrem Weg von Wasserwerfern begleitet. Bild: reuters

11.28 Uhr: Der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, hat grundsätzlich Verständnis für die kapitalismuskritischen Proteste in Frankfurt. „Für mich ist Meinungsfreiheit einer der Grundsteine der Demokratie und von daher habe ich Verständnis dafür“, sagte Jain am Mittwoch am Rande einer Konferenz in Frankfurt. „Die Arbeitslosigkeit ist 2015 auf einem Nach-Krisen-Hoch. Daher ist es klar, dass Menschen nicht glücklich über die Folgen sind – auch wenn man darauf hinweist, dass die EZB viel getan hat, um die Lage zu verbessern.“ (dpa)

11.15 Uhr: Ostendstraße. Die Blockaden am blauen und grünen Punkt vor der EZB wurden aufgelöst. Eigentlich wollten die Demonstranten jetzt im Zug Richtung Innenstadt, weg vom Bank Tower. Doch den Weg zurück versperren Hundertschaften der Polizei mit Wasserwerfern, die sich langsam auch an den Seiten der Demo entlangziehen. Viele fürchten, bald in einem Kessel zu sitzen. Die grüne Blockadegruppe versteckt sich hinter einem „Kaviar für alle“-Transparent mit grünen Fischen. „Haut ab“ rufen sie, die Polizei aber bleibt. (cja)

11.05 Uhr: Nach Polizeiangaben sind mindestens 88 Polizisten verletzt worden. 8 Beamte seien durch Steinwürfe verletzt worden, weitere 80 durch eine ätzende Flüssigkeit oder durch Reizgas. (dpa)

11.00 Uhr: Laut akuellen Meldungen hat die Polizei fünf Menschen festgenommen und rund 550 weitere Demonstranten vorübergehend in Gewahrsam. Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer ein und räumten brennende Barrikaden. (rtr)

Der Morgen in Frankfurt: Gleich da vorne steht das monumentale Bauwerk: der neue Hauptsitz der Europäischen Zentralbank. Und nur wenige hundert Meter entfernt raucht noch ein ausgebrannter Opel vor sich hin. Absperrgitter liegen auf der Straße und Steine. Ein paar Meter weiter steht ein ausgebrannter Mercedes, er ist schon abgekühlt. Der Mercedes-Stern wurde herausgerissen, auf der Motorhaube klebt ein Aufkleber: „Kein Mensch ist illegal.“ An die Tür hat jemand noch einen anderen Aufkleber angebracht. Darauf steht: „Für das Recht auf Faulheit.“

Nach Angaben der Polizei wurden mehrere Autos in Brand gesetzt. Zudem hätten Demonstranten Müllcontainer angezündet und Brandsätze gegen Polizeifahrzeuge geschleudert. Sieben Polizeiwagen stünden in Flammen. Auch seien Polizisten mit Steinen beworfen und Feuerwehren angegriffen worden. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Brände zu löschen. Ein Sprecher des Blockupy-Bündnisses berichtete, beim Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken durch die Polizei seien viele Demonstranten verletzt worden.

Der Protest: Mit zahlreichen Veranstaltungen wollen Demonstranten gegen die Sparauflagen der sogenannten „Troika“ demonstrieren, mit denen die Europäische Union Druck auf Pleitestaaten wie Griechenland ausübt, etwa Privatisierungen voranzutreiben und Einschnitte in Sozialprogrammen vorzunehmen. Die Demonstranten kritisieren, diese Politik führe zu einem Zwei-Klassen-Europa und einer Verarmung des Südens und stehe einem demokratischen europäischen Integrationsprozess im Wege.

Die Bewegung: Das Blockupy-Bündnis, ein Zusammenschluss zahlreicher linker Gruppen von Attac bis zur Linkspartei, will am Nachmittag mit einer großen Demonstration gemeinsam durch die Stadt ziehen. Dazu sind in Frankfurt auch Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen aus Italien, Frankreich, Griechenland und Spanien angereist. Seit den frühen Morgenstunden ziehen unzählige Kleingruppen durch das Stadtgebiet, die mit massenhaftem zivilen Ungehorsam nach eigenen Aussagen einen Tag lang „den kapitalistischen Normalbetrieb stören“ wollen. Im Zuge verschiedener Demonstrationen wollen auch bürgerliche Spektren am Mittwoch auf die Straße gehen. So ruft etwa der hessische Gewerkschaftsbund für den Mittag zu einer Demonstration.

Die Polizei: Die Polizei hat die gesamte Frankfurter Innenstadt besetzt. Von einem städtischen Normalbetrieb ist nicht zu reden. Nach Polizeiangaben sollen mindestens 8.000 Polizisten aus ganz Deutschland im Einsatz sein. Die Polizeipräsenz wirkt jedoch noch weit umfassender. Mit großen Hinweiseschildern wird die Frankfurter Bevölkerung davor gewarnt, die Innenstadt aufzusuchen. Aufschrift: „Starke Ausschreitungen – bitte meiden!“

Barrikaden und Autos in Flammen: Ein Polizist stoppt einen Demonstranten in Frankfurt. Bild: reuters

Der Termin: Am Vormittag will die Europäische Zentralbank (EZB) ihre neue Zentrale – die sie bereits seit mehreren Monaten nutzt – mit einem kleinen Festakt offiziell eröffnen.

Aus Frankfurt berichten live Christian Jakob (cja), Martin Kaul (mk), Alina Leimbach (lei), Erik Peter (epe). In der Berliner Redaktion, Rieke Havertz (hav). Mit Material von den Nachrichtenagenturen dpa, reuters, ap.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben