piwik no script img

Berliner Abgeordnetenhauswahl Die Linke hat noch lange nicht gewonnen

Uwe Rada

Kommentar von

Uwe Rada

Zuletzt ist die CDU in Umfragen an der Linkspartei vorbeigezogen. Dass Elif Eralp ins Rote Rathaus einzieht, ist noch lange nicht ausgemacht.

S eit Juli lag die Linkspartei in den Umfragen von Infratest Dimap in Berlin vorne. Bei der sogenannten Sonntagsfrage am 16. Juli kam sie sogar auf eine Zustimmung von 22 Prozent. Den linken Lauf in den Umfragen hatte auch die taz kommentiert. Die Überschrift lautete: „Warum die Linke die Wahl gewinnen wird“.

In der jüngsten Umfrage des Berlin-Trends von Infratest Dimap im Auftrag des RBB hat nun die CDU die Linkspartei überholt. Gegenüber der Umfrage vom 16. Juli verloren die Linken 3 Prozent. CDU und Grüne legten 1 Prozent zu.

Droht der Partei mit ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp am 20. September das, was bereits der grünen Spitzenfrau Renate Künast bei der Wahl im Jahr 2011 widerfahren war? Damals waren die Grünen über Wochen hinweg Umfragesiegerinnen, am Ende landeten sie hinter SPD und CDU auf Platz drei.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Dass die Linkspartei die Wahl in zwei Wochen gewinnen wird, ist also noch lange nicht ausgemacht. Dies umso mehr, als die Partei seit vergangener Woche wieder eine Debatte am Hals hat, die sie gerne vermieden hätte und die vor allem für Elif Eralp zur Unzeit kommt.

Der Auftritt des Rappers Dahabflex am vergangenen Samstag in Neukölln hat das Thema Antisemitismus in Teilen der Partei wieder in den Wahlkampf zurückgebracht. Die Songzeilen „Yalla Yalla Intifada / Westbank, Palästina, Gaza“ sowie „Death to the IDF“ (Tod der israelischen Armee) in seinem Titel „Stop the Genocide“ haben die Landesspitze alarmiert.

Öl ins Feuer gegossen

Spitzenkandidatin Elif Eralp ließ mitteilen, sie sei entsetzt und wünsche sich, dass aufgeklärt werde, „wie es zu solch einer Grenzüberschreitung kommen konnte“. Aus ihrer Sicht hätten die Verantwortlichen „sofort intervenieren müssen“. Ähnlich hatte sich auch Landeschefin Kerstin Wolter geäußert.

Statt stillzuhalten und abzuwarten, ob sich die Lage wieder beruhigt, gossen die innerparteilichen Kontrahenten der Landesspitze noch Öl ins Feuer. „Jämmerlich“ sei es, „wie die Linke-Landesspitze unmittelbar in diese gelegte Falle sprang, indem sie sich ‚stinksauer‘ und ‚wütend‘ über den Vorfall zeigte“, schrieb das linke Magazin Jacobin, dessen deutschsprachige Ausgabe 2020 von der heutigen Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner mitgegründet wurde.

Dabei ist der jüngste Eklat der Linkspartei bei der neuen Umfrage noch gar nicht in Gänze eingepreist. Die Befragung begann am Donnerstag, also zwei Tage vor dem Auftritt von Dahabflex, und dauerte bis Montag.

Gut möglich also, dass die Umfragewerte weiter nachgeben und sich der innerparteiliche Streit in der Linkspartei zuspitzt. Zuletzt berichtete der Tagesspiegel über einen Ausschlussantrag gegen Hannah Bruns, die der AG Palästinasolidarität der Linkspartei angehört. Bruns hatte auf einer Demo in Berlin gesagt: „Die Befreiung Palästinas endet nicht, wenn das Westjordanland befreit ist. Die Befreiung Palästinas endet dann, wenn Tel Aviv wieder in der Hand von Palästina liegt!“

Zieht das Thema Enteignung?

Was allerdings für ein starkes Ergebnis der Linkspartei spricht, sind die Themen, die den Menschen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus unter den Nägeln brennen. Ganz vorn ist mit 32 Prozent das Thema Wohnen und Mieten. Das sind 2 Punkte mehr als bei der Befragung zuvor.

Das Thema Verkehr und Mobilität hat dagegen 4 Punkte verloren und rangiert mit 8 Prozent nur noch auf Platz vier. Auf dem letzten Platz landen Umwelt und Klimaschutz mit 3 Prozent.

Gedreht hat sich allerdings auch die Zustimmung zur Enteignung großer privater Wohnungskonzerne. Während sich beim Volksentscheid 58 Prozent dafür ausgesprochen haben, halten in der Umfrage von Infratest Dimap nur noch 37 Prozent eine Vergesellschaftung für „eher gut“. Für „eher schlecht“ votieren 46 Prozent.

Nicht das Thema Mieten entscheidet also womöglich die Berlinwahl am 20. September. Sondern auch der Umgang mit der von der Linkspartei zur „roten Linie“ erklärten Enteignungsfrage.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Uwe Rada

Uwe Rada Redakteur taz.Berlin

Jahrgang 1963, ist Redakteur für Stadtentwicklung der taz. Weitere Schwerpunkte sind Osteuropa und Brandenburg. Zuletzt erschien bei Bebra sein Buch "Morgenland Brandenburg. Zukunft zwischen Spree und Oder". Er koordiniert auch das Onlinedossier "Geschichte im Fluss" der Bundeszentrale für politische Bildung. Uwe Rada lebt in Berlin-Pankow und in Grunow im Schlaubetal.
Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • Stavros

    Ich glaube, eine Stärke der Linkspartei ist der Hausbesuchs-Wahlkampf der sehr engagierten Basis.

    Linke sind aber immer toll darin, hart erarbeitete Erfolge durch sinnlose Debatten kaputt zu machen.

    Der Nahostkonflikt kann nicht vom Berliner Angeordnetenhaus aus beeinflusst werden, also sollte er auch keine herausragende Rolle spielen.

    Egal, wie verführerisch Grundsatzdebatten sind (die Linke lieben).

    Wichtig ist: Wie respektvoll gehen Juden, Nichtjuden, Muslime, Palästinenser IN Berlin miteinander um?

    Wie können wir das interkulturelle Zusammenleben in der Stadt gestalten?

    Und vor allem: Wie sorgen wir für sozialen Ausgleich für ALLE, die hier leben.

    Auf solche positiven Visionen sollte sich der Wahlkampf der Linken konzentrieren.

  • Abdurchdiemitte

    Auch die Grünen können noch an der Linken vorbeiziehen, dann ist sie nur noch auf Platz drei - und Elif Eralp erleidet dasselbe Schicksal wie seinerzeit Renate Künast.



    Bedanken kann sie sich dann bei ihrer eigenen Partei bzw. dem Bezirksverband der Linken in Neukölln für seine antisemitischen Eskapaden,



    Dass Springermedien und die politischen Gegner sich begierig darauf stürzen würden, war zu erwarten und man hätte es auch vorher wissen können.



    Also, entweder sind die Genoss*innen im Berlin-Neukölln besonders dumm oder ideologisch borniert .Oder eine Mischung aus beidem, was es nicht besser macht



    Wie ich schon in einem anderen Kommentar schrieb: es wird Zeit, mit dem Genossen Kocak ein ernstes Wörtchen zu reden.



    Sonst wird Die Linke den Ruch des Antisemitismus nicht mehr los - und damit für für mich leider unwählbar.



    Und noch einmal: Israelische Kriegsverbrechen und Besatzungspolitik zu kritisieren und Sanktionen zu fordern geht auch ganz ohne Judenhass.