piwik no script img

Bergsee in ÖsterreichAlleineigentümerin schmeißt alle Pächter raus

Eigentümerin des beliebten Mondsees kündigt mitten in der touristischen Hochsaison sämtliche Nutzungsverträge – mutmaßlich aus finanziellen Gründen.

Florian Bayer

Aus Wien

Florian Bayer

Streng genommen gehört der Mondsee nicht mehr zum Salzkammergut, einer der landschaftlich schönsten Regionen Österreichs mit vielen Bergseen. Die gleichnamige Tourismusregion reicht allerdings bis unmittelbar vor Salzburg-Stadt, daher wird auch der Mondsee stark beworben und ist längst ein beliebtes Urlaubsziel.

Nun ist um Österreichs sechstgrößten See eine Lokalposse entbrannt: Die Alleineigentümerin des Sees, Anna Mathyl, kündigte per Rundschreiben alle Pachtverträge. Dies stehe ihr laut gesetzlichem Sonderkündigungsrecht zu, schrieben die Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN). Hintergrund ist wohl das liebe Geld. Die Pacht ist am Mondsee noch relativ günstig.

Rechtlich ist es komplex: Der See samt Wasseroberfläche gehört der Marktgemeinde Mondsee. Mathyl ist hingegen Eigentümerin des Bodens unter dem Gewässer.

Diese Trennung zwischen Wasserfläche und Seeboden erklärt, warum Baden, Segeln, Surfen und Bootfahren weiter erlaubt bleiben, während für Hunderte am Boden verankerte Einrichtungen wie Stege, Bojen und Bootshütten neue Verträge erforderlich sind.

Napoleon lässt grüßen

Wie kommt es zu diesem Alleinbesitz? Mathyl hat den See 2024 von ihrer Mutter übergeben bekommen, die aus dem Adelsgeschlecht der Almeida stammt. Dieses stammt wiederum vom bayrischen Feldmarschall Carl Philipp von Wrede ab, dem 1810 Napoleon Bonaparte den See schenkte.

Aus einem 2009 angedachten Verkauf an das Land oder die Bundesforste wurde nichts – man wurde sich beim Preis nicht einig, so die OÖN.

In der Marktgemeinde sorgt die Angelegenheit für Unruhe. Auch die Gemeinde habe das ­Schreiben erhalten, sagte Bürgermeister Josef Wendtner zum Standard. Er wolle jetzt das Gespräch mit Mathyl suchen, die offenbar derzeit im Urlaub weilt. Von ihr ist noch keine Stellungnahme bekannt.

Im stark vom Tourismus abhängigen Österreich sorgt das Vorgehen für einige Wellen. Zumal auch andere Seen zunehmend privatisiert und die Seeufer immer stärker verbaut werden.

Von allen Salzkammergutseen ist der Mondsee jedoch der einzige, der im Alleineigentum einer Person steht. Dank des Rundschreibens wissen dies nun auch alle.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

10 Kommentare

 / 
  • die Frau hat das Recht dazu. Ihre Mutter hat das Geschäft schleifen lassen und die ansässigen Firmen wollen weiterhin am Tourismus verdienen, aber keine angemessene Pacht bezahlen.



    Jetzt ist eine Situation geschaffen wo neu verhandelt wird. Wenn die ansässigen weiterhin die Familie übervorteilen wollen, dann kommen eben neue Geschäftspartner an den See und machen es den Touristen gemütlich.



    Hier werden keine alten Omas auf die Straße gesetzt. Es streiten sich Geschäftsleute ums Geld. Wir Normalbürger sollten uns zurück lehnen und den Wandel wie eine Seifenoper genießen.

    • @Ramaz:

      Wieso sollte jemand das Recht haben, einen See (ohne Wasser 😁) zu besitzen? Noch dazu einen auf verschlungenen Pfaden geerbten.

  • "Dieses stammt wiederum vom bayrischen Feldmarschall Carl Philipp von Wrede ab, dem 1810 Napoleon Bonaparte den See schenkte."

    Und wie kam Napoleon darauf, dass ihm der See gehört?

  • "hat den See 2024 von ihrer Mutter übergeben bekommen" ... auch unerfreuliche Umstände müssen nicht in schrecklicher Sprache mitgeteilt werden

  • Wie wäre es, wenn die Gemeinde Mondsee in Erwägung zieht, das Wasser abzupumpen, sollten die Kündigungen nicht zurückgezogen werden?

    • @Kaboom:

      Nette Idee. Aber wo wollen Sie 510 Millionen m³ Wasser lagern?

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Einfrieren.

        • @Mondschaf26:

          "Öffentliche" Schlittschuhbahn ?



          Ganzjährig?

          • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

            Verkaufen. Nach Grönland.

    • @Kaboom:

      Erpressung ist eine Straftat, bei der jemand eine andere Person durch Drohung oder Gewalt zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, um sich oder einem Dritten einen Vermögensvorteil zu verschaffen. Es handelt sich um eine Kombination aus Nötigung und unrechtmäßigem Vermögenszugriff.

      Wird ähnlich wie Raub - unter Betteln mit der Waffe eingeordnet! Newahr



      Der Versuch ist strafbar!



      Normal Schonn

      Na Mahlzeit