Aus Vietnam geflohene Bloggerin Hue Nhu: Blond für Deutschland
Mit ihrem Engagement für sozial Benachteiligte hat sich die Bloggerin Hue Nhu mit den Machthabern in Vietnam angelegt. Jetzt ist sie in Deutschland.
Vor ihrer Einreise nach Deutschland hat sich Hue Nhu die Haare blond gefärbt. „Ich werde versuchen, hier zu studieren und mich gut in die deutsche Kultur und Gesellschaft zu integrieren“, schrieb die 44-jährige vietnamesische Grundschullehrerin auf Facebook nach ihrer Landung am Frankfurter Flughafen vergangenen Freitag.
Mit Hue Nhu hat Deutschland erneut eine bedrohte vietnamesische Menschenrechtlerin aufgenommen. In ihrer Heimat ist sie wegen ihres Engagements gegen illegales Abkassieren von Maut-Gebühren durch private Spekulanten bekannt.
Doch sie mischte sich auch darüber hinaus ein und setzte sich in den sozialen Medien etwa für sozial benachteiligte Menschen ein, beispielsweise für Kleinbauern, die wegen Investitionsprojekten der Regierung enteignet worden waren. Auch Umweltfrevel und Verbraucherschutzskandale deckte sie auf. Und laut einem Post auf ihrem Facebook-Account will sie das von Deutschland aus auch weiterhin tun. „Ich werde eine freie Bürgerin sein. Ich werde die wahre Stimme der Benachteiligten in der vietnamesischen Gesellschaft der internationalen Gemeinschaft näherbringen.“
Hue Nhu hat Asyl in Deutschland beantragt
Die Regierung in Vietnam hatte mit allerlei Tricks versucht, Hue Nhu zu kriminalisieren. Ihr waren illegales Glücksspiel und Onlinebetrug vorgeworfen worden – unter diesem Vorwand kam sie ins Gefängnis. Unter Folter erlitt sie eine Fehlgeburt. Nach Verbüßung der Haftstrafe bemühten sich UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der UNO, und NGOs wie Amnesty International und Freedom House um ein Einreisevisum für Hue Nhu in die USA.
Ende 2024 führte sie bereits Aufnahmeinterviews, doch wie für viele andere bedrohte Flüchtlinge wurde das Verfahren auch für sie nach der Machtübernahme von Donald Trump abgebrochen. Um nicht erneut verhaftet zu werden, floh die Frau allein ohne ihre Kinder nach Thailand. Doch auch dort wurde sie inhaftiert, diesmal wegen illegaler Einreise. Etwa zeitgleich stellte ihr die deutsche Regierung ein humanitäres Einreisevisum aus. Das konnte sie allerdings erst nach Verbüßung ihrer thailändischen Haftstrafe einlösen.
Immer mehr im deutschen Exil
Wäre sie im Anschluss in Thailand geblieben, wäre sie, wie viele andere politische Flüchtlinge aus Vietnam auch, nicht sicher gewesen. Abgesehen von Abschiebungen hat der vietnamesische Geheimdienst in der Vergangenheit Blogger von dort in vietnamesische Haftanstalten entführt. „Ich bin Deutschland dankbar, dass es mir eine neue Geburt ermöglicht hat“, schrieb die temperamentvolle Frau am Wochenende auf Facebook. „Ich verneige mich tief vor der deutschen Regierung.“
Ob der Wunsch der mehrfachen Mutter in Erfüllung geht, nach ihrem Asylbescheid auch ihre Kinder zu sich holen zu können, ist allerdings wenig wahrscheinlich. Denn die Bundesregierung will den Familiennachzug für zwei Jahre aussetzen.
Waren es bis vor etlichen Jahren vor allem die USA, die bedrohte vietnamesische Menschenrechtler aufnahmen, so hat sich seit 2018 Deutschland mehr und mehr zu einem Zentrum des vietnamesischen Exils entwickelt.
So hatte die Bundesregierung etwa den Oppositionspolitiker Nguyen Van Dai und den Bürgerrechtler und Kämpfer für Religionsfreiheit Nguyen Bac Truyen aus vietnamesischen Haftanstalten herausverhandelt und ihnen und ihren Familien Einreisevisa ausgestellt.
Zudem flohen weitere Menschenrechtler sowie mehrere abtrünnige Wirtschaftsfunktionäre hierher, die in Deutschland unter Personenschutz stehen, um nicht nach Vietnam entführt zu werden.
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