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Armut im StudiumHälfte des Geldes geht für Miete drauf

Eine neue Studie des Paritätischen zeigt: Mietkosten treiben viele Studierende in die Armut. Ex­per­t:in­nen fordern weitreichendere Bafög-Reformen.

An den meisten Universitäten startet Anfang Oktober das neue Semester. Für viele junge Leute stellt sich dann auch die Frage, ob sie sich das Studium überhaupt noch leisten können. Fast 40 Prozent der Studierenden leben laut einer aktuellen Analyse des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes unter der Armutsgrenze. In der Gesamtbevölkerung liegt die Zahl bei 16 Prozent. Damit sind Studierende eine der am meisten von Armut betroffenen Gruppen in Deutschland.

„Armut im Studium ist kein Randproblem, sondern ein strukturelles“, sagt die Studienautorin Greta Schabram vom Paritätischen Gesamtverband. Gemeinsam mit dem Deutschen Studierendenwerk stellt sie die Ergebnisse vor. „Gerade die Wohnkosten sind ein Armutstreiber“, sagt Schabram. Grundlage der Analyse sind Daten des Mikrozensus von 2025. Besonders schwierig sei es für jene Studierenden, die allein wohnten: Mehr als acht von zehn von ihnen leben unter der Armutsgrenze.

Knapp die Hälfte ihres verfügbaren Geldes müssen die Alleinlebenden für ihre Miete zahlen. Als bezahlbar gilt Wohnraum, wenn maximal ein Drittel des Nettohaushaltseinkommens für Miete draufgeht. Das zeige die prekäre Situation der Studierenden besonders deutlich, sagt Schabram. Denn bei anderen Wohnkonstellationen – wie etwa mit Eltern oder Mit­be­woh­ne­r:in­nen – wird auch deren Einkommen mit ins Haushaltseinkommen eingerechnet.

Wohnkostenpauschale schon jetzt zu niedrig

Schabram demonstriert die Situation anhand der Zahlen: Wer im Studium allein wohnt, habe im Median Wohnkosten von 461 Euro. Die aktuelle Bafög-Wohnkostenpauschale liege jedoch nur bei 380 Euro – 81 Euro weniger. „Und das sind die gesamtdeutschen Zahlen. Würden wir auf Großstädte wie Berlin schauen, wäre das noch mal dramatischer“, sagt Schabram.

Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks, ergänzt aus seiner Praxiserfahrung in der Sozialberatung für Student:innen: „Finanzielle Not ist für viele Studierende ein Problem.“ Viele müssten nebenher arbeiten, um sich das Studium überhaupt leisten zu können: „Bei Alleinlebenden stammen über 40 Prozent des Einkommens aus der eigenen Erwerbstätigkeit“, sagt Anbuhl. Wenn für Essen und Miete in dem Umfang gearbeitet werden müsse, leide das Studium fast zwangsläufig darunter.

Trotz der steigenden Wohn- und Lebenshaltungskosten sinkt die Zahl derjenigen, die Bafög in Anspruch nehmen: 2025 wurden im Monatsdurchschnitt nur noch 300.000 Studierende gefördert. „Das sind so wenig wie seit 20 Jahren nicht“, sagt Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Gleichzeitig sei die Zahl der Studierenden gewachsen.

Viele nehmen die Förderung nicht in Anspruch

Das hänge auch damit zusammen, dass 70 Prozent, die eigentlich bafög-berechtigt seien, die Förderung nicht in Anspruch nehmen, sagt Rock. Gründe hierfür gebe es mehrere: „Etwa wie komplex die Beantragung ist. Gerade für Menschen aus nichtakademischen Familien kann das eine große Hürde sein“, sagt Rock.

„Viele unterschätzen ihren Anspruch“, sagt auch Matthias Anbuhl vom Studierendenwerk. Oder sie wüssten nicht, dass die Bafög-Rückzahlung auf 10.000 Euro gedeckelt ist. Bei anderen schreckt genau das trotzdem ab. „Wenn die ärmsten Studierenden kein Bafög nehmen, ist der Grund häufig die Angst vor Verschuldung“, sagt Anbuhl.

Rock betont: Wer bafög-berechtigt sei, erhalte keine andere Grundsicherung. „Bafög muss also selbst existenzsichernd sein“, sagt Rock. Das sei es aber nicht, das zeige auch die aktuelle Analyse. Die geplante Bafög-Novelle, die kurz vor dem parlamentarischen Prozess steht, verbessere zwar manches. Nur sind die Schritte den bildungspolitischen Ex­per­t:in­nen nicht weitreichend genug. So soll etwa die Wohngeldpauschale zwar erhöht werden, orientiert sich dabei aber an Zahlen von 2024. „So laufen wir den Lebenshaltungskosten hinterher“, sagt Rock.

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12 Kommentare

  • Wanderin

    Nun ja, die Gerontokratie frisst aus Dummheit, Geiz und Niedertracht ihre eigene Zukunft auf - nichts Neues.

  • Ruediger

    Was hier nicht steht: Die Armutsgrenze ist definiert als 60% des mittleren Medianeinkommens. Dass Studenten, die kein Einkommen durch Arbeit haben, und in den meisten Fällen keine Familie zu ernähren haben, unterdurchschnittliche Mittel zur Verfügung haben ist nicht per se ein Skandal. Dass man sich im Studium nicht leisten kann, alleine zu leben, sondern in einer WG oder einem Wohnheim lebt ist völlig normal.

    • Tom Farmer

      @Ruediger:

      Ja schon, .... aber bei 14 m² Altbausanierungsfall ( plus Gemeinschaftsklo plus Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsflur) sind beispielsweise 600€ eben weit über 20€/m² und das grenzt an Ausbeutung. So meine Wahrnehmung!

      • Ruediger

        @Tom Farmer:

        Wuchermieten bei Wohnraum von Studenten sind in manchen Städten sicher Realität. Aber mit einer Armutsgrenze zu argumentieren, ohne dazu zu sagen, dass das einfach 60% vom Durchschnitt bedeutet, und dann Studenten heranzuziehen, die ohne Einkommen eine Wohnung für sich alleine haben, das ist nicht seriös.



        Wohnen wird teurer, weil die Nachfrage stärker steigt, als das Angebot. Das hat ganz wesentlich damit zu tun, dass in den letzten Jahrzehnten die Wohnfläche pro Kopf gestiegen ist. Es wäre interessant gewesen, wenn die Autorin recherchiert hätte, ob das auch für Studenten gilt, statt nur unkritisch Aussagen eines Verbandes zu wiederholen, und dabei zu vergessen, zu erklären, was diese Armutsgrenze ist.

  • Bolzkopf

    Wieso ?



    Das folgt doch der Grundidee der Bildung in Deeutschland:



    Topp-Bildung nur für die Eliten.



    Brot- und Butterbildung für das Fußvolk.

    • Tom Farmer

      @Bolzkopf:

      Wann eigentlich wird mal diskutiert ohne Wut und Niedertracht.... als Ironie getarnt?

  • T-Rom

    Wenn BaföG nicht genutzt wird, ist dies zunächst einmal Sache der Studierenden. Bzw vielleicht haben sie doch noch eine andere Finanzierung. In kaum einem anderen Lande gibt es Universitätsbildung mit solch einem Preis-Leistungs Verhältnis wie hier. Deswegen stehen ja Studierende aus Asien und Indien jedes Jahr zum Semesterbeginn an der RWTH und anderswo Schlange.



    Zur Wohnsituation: einfach wieder mehr staatliche Wohnheime bauen, kleine Zimmer, Küche und WC werden geteilt. Hat sich jahrzehntelang bei Studis grösster Beliebtheit erfreut.

  • Tom Farmer

    Lustig... einerseits Mietendeckel diskutieren, bei den Studis aber nach mehr Geld rufen und den z.T. unverschämten Vermietern deren Geschäftsmodell unterstützen.



    Aus eigener familiärer Anschauung kann ich mich gar nicht mehr genug wundern wie das so läuft. WGs in unrenovierten Altbauten, null Anstrengung der Vermieter was zu verbessern.... bei laufend steigenden Mieten.



    Das der Gesetzgeber hier nicht längst mal Ideen entwickelt was denn bei derlei Wohnungen ein adäquater Mietansatz wäre? Egal ob per an Hotelranking angelehnter Standardisierung und max. Mietansatz, steuerliche Vergünstigung bei definierter Mietenmax-Unterschreitung, den Mietern für Renovierung was dazugibt....



    Ein Land ohne Ideen! Entweder Geld hinwerfen oder alternativlos weiterlaufen lassen. So läuft das in DE.



    Stundenten abzocken ist für mich das allerletzte!

    • Bolzkopf

      @Tom Farmer:

      "Ein Land ohne Ideen! " - Wohl kaum.



      An Ideen dem kleinen Mann das Geld aus der Tasche zu ziehen gab s hier doch noch nie ein Mangel.

      Und wenn man sich das politische Handeln bzw Nichthandeln so anschaut kann man sich doch des Eindrucks nicht erwehren die Stecken alle unter einer Decke.

  • fly

    Es ist unwahrscheinlich, dass man alle Studierende, besonders die die allein wohnen möchten, über die berechnete Armutsgrenze heben kann. Dazu müsste man quasi das Studium bezahlen. Das kann man weder politisch noch gesellschaftlich durchsetzen. Immerhin wird bei den jährlichen Analysen nie davon berichtet, dass jemand wegen des Studiums unterernährt sei.

    Ja, einige geben das Studium auch aufgrund der Finanzierungsmöglichkeiten auf, aber das sind die wenigsten.

    Unverständlich ist leider immer wieder, wieso das Anrecht auf BaföG nicht genutzt wird. Es gibt jedes Semester Initiativen die darauf aufmerksam machen, der Zugang ist recht niederschwellig und die Zielgruppe ist eigentlich die geistige Elite. Einige mögen sich aus persönlichen Gründen damit überfordert führen, das ist ok, aber nein, es ist keine sehr hohe Hürde, zumal nicht mit der angebotenen Hilfe.

  • Oleg Fedotov

    Ein Studium war schon immer und für die meisten Studierenden ein leben an der Armutsgrenze.



    Habe während meiner Zeit an der UNI auch am Abend noch Supermarktregale eingeräumt, danach bis Mitternacht gekellnert und in der Küche sauber gemacht, und am Wochenende an der Tankstelle gesessen und kassiert. Da meine Eltern nichts zur Unterstützung beitragen konnten, musste es halt so gehen.



    Mittlerweile drängt sich der Eindruck auf, das dies alles unzumutbar sei. Wie studieren eigentlich Menschen in Städten wie London, Kairo oder Boston, wo die Wohnkosten teils noch höher sind und es keine staatliche Unterstützung gibt? Und Stipendien bewegen sich wohl im unteren einstelligen Bereich.

  • JMarius

    Ich finde es relativ unverständlich, dass man als junger Mensch nicht in einer Wohngemeinschaft lebt, um die Kosten zu senken. Vor allem wenn man nicht die finanziellen Mittel hat, sich den Luxus zu gönnen und alleine zu wohnen. Das war bei mir früher ähnlich und es war eine Selbstverständlichkeit nebenbei zu arbeiten, ganz ohne Bafög Bezug. Und dann wird gemeckert, dass der Staat nicht komplett für den Luxus des Alleinlebens aufkommt und man durchschnittlich ca. 80 Euro dafür beisteuern muss? Ernsthaft?



    Und die Begründung, dass Studenten Bafög nicht in Anspruch nehmen weil sie es zu kompliziert finden, den Antrag auszufüllen finde ich regelrecht absurd. Es gibt unzählige kostenlose Anlaufstellen und digitale Ausfüllhilfen, Hotlines etc. Ganz zu schweigen von KI. Und diese Leute wollen dann Akademiker werden? Das sollte unter diesen Bedingungen überdacht werden, weil die Studenten, die es ernsthaft nicht hinbekommen, den Antrag auszufüllen, spätestens im 2. Semester ohnehin nicht mehr studieren werden.