Arabische Emirate verlassen Opec: Die Golfregion zerfällt
Die Opec muss künftig ohne die Vereinigten Arabischen Emirate auskommen. Das Land will sein Öl lieber ohne die Fesseln des Kartells verkaufen.
D ie Vereinigten Arabischen Emirate sind aus dem Ölkartell Opec ausgetreten – und keinen hat’s gekümmert. Die Ölpreise reagierten überhaupt nicht auf diese Nachricht. Das ist nur logisch: Momentan können die Emirate sowieso kein Öl exportieren, weil der Iran die Meerenge von Hormus blockiert.
Zudem ist nicht klar, ob der Krieg zwischen Iran und den USA nicht noch weiter eskaliert – und dann das Öl aus Nahost für viele Monate oder gar Jahre fehlt. US-Präsident Trump ist alles zuzutrauen, und er könnte die fatale Entscheidung treffen, die iranischen Ölförderanlagen zu bombardieren, um das Mullah-Regime ökonomisch weiter zu schwächen. Die Folgen wären verheerend: Iran würde dann die Ölquellen seiner Nachbarn am Golf zerstören. In diesem Fall würde es auch nach einem Kriegsende noch lange dauern, bis die Förderanlagen repariert sind und das Öl wieder normal fließt. Kurz: Die Welt hat gerade andere Sorgen, als sich um die Mitgliedschaften der Emirate zu kümmern.
Trotzdem ist es nicht uninteressant, dass die Emirate die Opec verlassen – in der langfristigen Perspektive. Dieser Ausstieg markiert, dass die Golfregion noch weiter in Einzelinteressen zerfällt. Die Emirate nehmen den Saudis übel, dass sie gegen die iranischen Raketen nicht ausreichend geschützt wurden. Da Kooperation nichts gebracht hat, setzen die Emirate jetzt auf ostentativen Egoismus: Sie wollen ihr Öl künftig ohne die Fesseln eines Kartells verkaufen.
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Allerdings ist die große Frage, ob dieses Kalkül aufgeht: Die Ölstaaten kassieren die höchsten Preise und verdienen am besten, wenn sie sich untereinander abstimmen und nicht alle gleichzeitig ihr schwarzes Gold auf den Markt werfen. Aber das sind ferne Planspiele. Erst einmal ist Krieg, und die Emirate können sowieso nichts exportieren.
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