Antisemitismusvorwurf gegen XR-Gründer : Auch Ökos können Juden hassen
XR-Gründer Roger Hallam hat den Holocaust relativiert. Für viele scheint überraschend, dass auch Nicht-Rechte Antisemiten sein können.
Foto: Andres Pantoja/dpa
D ie Aufregung um den Mitbegründer der Protestbewegung Extinction Rebellion ist gewaltig. „Nur einen weiteren Scheiß in der Menschheitsgeschichte“ hat Roger Hallam den Holocaust flapsig genannt. Er hat sich damit ins Fahrwasser von AfD-Chef Alexander Gauland begeben, der Hitler „einen Vogelschiss in der deutschen Geschichte“ genannt hatte. Die Aufregung um diese Äußerung ist so richtig wie erstaunlich.
Richtig ist sie, weil Hallam damit antisemitische Ressentiments bedient, nach denen der Massenmord an den Juden kein hervorhebungswürdiges Ereignis ist. Solcherlei geschichtsrevisionistischer Unsinn mag nicht strafbar sein, aber wer ihn von sich gibt, hat die öffentlichen Konsequenzen zu tragen. Es ist deshalb konsequent, dass der Ullstein-Verlag Hallams neues Buch zurückgezogen hat.
Verwunderlich aber ist das Erstaunen darüber, dass „ausgerechnet“ ein fortschrittlicher Kämpfer für das Klima diese Äußerung getätigt hat. Dabei weiß jeder, der es wissen will, dass das judenfeindliche Ressentiment eben kein exklusives Denken von Rechtsradikalen oder Neonazis ist. Es finden sich auch Linke und Konservative, die die Mär von der Bösartigkeit der Juden verbreiten.
Es handelt sich auch nicht um ein Phänomen, das in besonderer Weise Männer betrifft, es findet sich bei Weißen ebenso wie bei Schwarzen, und es hat schon gar nichts mit dem Alter zu tun. Antirassisten können ebenso wie Rassisten zugleich antisemitische Vorurteile schüren. Judenhass überschreitet nicht nur die Grenzen der Humanität und des Anstands, er kennt auch keine ethnischen oder politischen Grenzen, was seine Träger betrifft.
Es ist an der Zeit, dass diese Erkenntnis auch die begreifen, die von sich behaupten, auf der besseren, menschlicheren Seite der Gesellschaft zu stehen. Das bedeutet nicht, die AfD mit Extinction Rebellion in einen Topf zu werfen. Es heißt aber wohl, dass Judenhass überall konsequent bekämpft werden muss – auch und gerade vor der eigenen Haustür.
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