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Angst vor BlackoutsEU verbannt Solaranlagen-Technik aus China

Blackout durch Photovoltaik aus Fernost? Die EU-Kommission stoppt die Förderung für sogenannte Wechselrichter. Die Branche ist überrascht.

Technik, die besser nicht aus China kommt: Solaranlage in Brandenburg Foto: Paul Langrock

Sie wandeln Gleichstrom in Wechselstrom um und sind wichtig für die Energiewende: Sogenannte Wechselrichter sollen künftig nicht mehr aus „Hochrisikoländern“ kommen. Künftig erhalten Energieprojekte keine Fördergelder aus EU-Töpfen mehr, wenn sie Geräte von Herstellern einsetzen, die unter der Kontrolle von China, Russland, Nordkorea oder dem Iran stehen. Faktisch geht es bei diesem Plan der EU allerdings fast ausschließlich um Wechselrichter aus China, vor allem von den Firmen Huawei und Sungrow. Die Entscheidung steht im Kontext des Cybersecurity Acts, mit dem europäische Produkte, Dienstleistungen und Prozesse widerstandsfähiger gemacht werden sollen. Die Maßnahmen sind eine Reaktion auf die Zunahme von Cyberangriffen sowie die wachsende Sorge vor ausländischer Einmischung, Spionage und der Abhängigkeit Europas von Technologielieferanten aus ⁠Drittländern.

Das Problem: Die Wechselrichter – etwa von Solarstromanlagen, die den Gleichstrom der Module in netzkompatiblen Wechselstrom umwandeln – verfügen über eine Kommunikationsschnittstelle. Über diese können Hersteller Software-Updates aufspielen oder Hacker könnten sich Zugang zu den Anlagen verschaffen und die Stromerzeugung in einer konzertierten Aktion abschalten.

Neben Solar-Wechselrichtern umfasst die Leitlinie der EU auch vergleichbare Produkte in anderen Einsatzbereichen, etwa Wechselrichter von Batteriespeichern, Umrichter in Windkraftanlagen und ebenso die Leistungselektronik in Wärmepumpen, in Ladestationen für Elektrofahrzeuge sowie weitere Wechselrichteranwendungen im Stromnetz.

Die deutsche Solarbranche zeigte sich nach den Meldungen aus Brüssel überrumpelt: „Weder der Bundesverband Solarwirtschaft noch unser europäischer Schwesterverband SolarPower Europe waren in die Entscheidungsfindung der EU-Kommission eingebunden“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW Solar).

Europäische Hersteller könnten profitieren

Auch über die Anzahl der tatsächlich tangierten Projekte ist wenig bekannt. Man habe bisher keine Kenntnis davon, dass Mitglieder des eigenen Verbandes von den Brüsseler Beschlüssen betroffen sind, so Körnig. Aktuell soll es lediglich um solche Projekte gehen, die von Institutionen wie der Europäischen Investitionsbank (EIB), der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) finanziell gefördert werden.

Die EU-Kommission sieht eine Übergangsregelung vor. Vorhaben, die bereits begonnen wurden, sollen nur dann noch durch die EU gefördert werden, wenn sie bis zum 1. Mai bei der Kommission gemeldet wurden und bis zum 1. November zur Entscheidung vorgelegt werden.

Der BSW Solar weist außerdem darauf hin, dass sich aus dem Beschluss der EU-Kommission „keine Vorgabe für den Umgang mit nationalen Fördergeldern, etwa der Einspeisevergütung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)“ ergebe. Eine Anfrage, ob es in der Bundesregierung Bestrebungen gebe, auch nationale Förderprogramme wie das EEG so auszurichten, dass chinesische Wechselrichter nicht mehr gefördert werden, ließ das Bundeswirtschaftsministerium zunächst unbeantwortet.

Europäische Hersteller setzen bereits darauf, dass sie von dem Vorstoß der EU profitieren werden. Der in Österreich ansässige Wechselrichter-Hersteller Fronius teilte mit, er begrüße „die Entscheidung der Europäischen Kommission ausdrücklich“. Dieser erste Schritt sende „ein wichtiges Signal, dass Energie- und Versorgungssicherheit in Europa ernst genommen werden“.

Mehr Autonomie Europas ist möglich

Die aktuelle Maßnahme betreffe zunächst vor allem große Freiflächenprojekte, erklärt das Unternehmen. Wichtig sei, dass jetzt die Mitgliedsstaaten die Maßnahmen der Kommission auch für kleinere Projekte umsetzen.

Schließlich wird der Ausbau der Photovoltaik in Europa stark von dezentralen Anlagen getragen: Im privaten und industriellen Segment würden jährlich rund 40 Gigawatt Photovoltaik-Leistung neu installiert, rechnet Fronius vor. Diese Anlagen seien „tief in Gebäude, Verteilnetze und Energiemanagementsysteme eingebunden“ und leisteten „einen zentralen Beitrag zur europäischen Versorgungssicherheit“.

Grundsätzlich sei mehr Autonomie Europas in dem Bereich möglich, betont Fronius. Die gesamte europäische Solarindustrie könne ihre Fertigungskapazitäten auch im Bereich von kleineren und mittleren PV-Anlagen „innerhalb kürzester Zeit hochfahren und damit den Bedarf in der EU decken“.

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5 Kommentare

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  • Das ist ein grundsätzliches Sicherheitsproblem. Findet sich auch bei Aufzügen, Gaskraftwerken, Stellwerksanlagen, usw.



    Solange wir in unserem Land digital noch immer im 20 igsten Jahrhundert verweilen und uns an Softwareprogrammierungen von Techautokraten ergözen, sollten wir uns nicht wundern, wenn diese uns bei schlechter Laune das Leben schwer machen werden.



    Diese industriepolitischen Meldungen, welcher Hersteller eine Gefahr für unsere Sicherheit darstellt ist schon sehr merkwürdig. Liegt es vielleicht doch an der Zuwendung wenn Palantir, und andere Sicherheitsproblematische Software zugelassen wird, aber wiederum vergleichbare autokratische Hersteller verboten werden sollen. Wieder einmal mit zweierlei Mass gemessen, wa?

  • Man kann auch künstliche Probleme erfinden. Wechselrichter brauchen gar kein Netz, für nichts. Wenn sie hinten mit dem Stromnetzverbunden sind, speisen sie dort alles ein, was ihnen vorn vom Panel zugeführt wird, vollkommen autark und eigenständig.



    Wer aus meinem WLAN ins Netz darf, bestimme ich, und der Solarwechselrichter gehört (neben anderem) nicht dazu. Ins WLAN lasse ich ihn nur, um den offenen Accesspoint abzuschalten und damit er sich nicht hinterrücks über ein offenes WLAN der Umgebung verbindet. Bei noch mehr Mißtrauen könnte ich die Antenne kappen.



    Was ich dringend suche und bisher vermisse ist ein Wechselrichter, dem über eine dokumentierte Schnittstelle ich und nicht der chinesische Geheimdienst vorgeben kann, wieviel er aus der Batterie einspeisen soll. Das umgekehrte gibt es. Ich verschaffe dem Gerät Zugang zu meinen Meßwerten und es entscheidet selbst, was es tun will. Umgekehrt, ich der Eigentümer sage ihm, was es soll, ist nicht vorgesehen.

  • Das ist doch ein allgemeines Problem, bei solchen Anlagen, auch europäische Produkte werden eine Schnittstelle haben. Da muss der Zugang generell gesichert werden und Fachleute sollten überlegen wann welche Daten übertragen werden müssen und ob man bestimmte Möglichkeiten nicht auch physisch unterbinden kann.



    Daher mal wieder eine Massnahme, von Amateuren, die China von nichts abhalten wird.

  • Und wieder torpediert man die Energiewende...

  • PolitikerInnen sind wirklich immer für eine Überraschung gut. Erst vertreibt Reiche als Staatssekretärin im Umweltministerium unter Merkel die Solartechnik aus Deutschland (nach China), dann bremst sie unter Merz die Erneuerbaren weiter aus und baut zig Gaskraftwerke:

    gemeinsam-gegen-gas.de/

    Wer hätte da gedacht, dass man anschließend auch noch zur letzten Waffe gegen sinnvolle Energieerzeuger greift und die aus dem Ausland dann hier verbietet.

    Alle Achtung: an alles gedacht. So geht der Weg in die Steinzeit perfekt.