++ Nachrichten im Ukrainekrieg ++: Regierung in Kyjiw dementiert Eroberung von Kostjantyniwka
Russlands Präsident Putin verkündet die Einnahme der Stadt im Festungsgürtel des Donbass. Die Ukraine weist die Aussagen über den Verlust jedoch zurück.
Auch Selenskyj dementiert Einnahme von Kostjantyniwka durch Russland
rtr | Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Angaben aus Moskau zurückgewiesen, wonach russische Einheiten die strategisch wichtige Stadt Kostjantyniwka eingenommen haben. Selenskyj erklärte am Samstag, die Stadt im Osten des Landes sei weiter unter ukrainischer Kontrolle. Das russische Militär hatte Präsident Wladimir Putin am Freitag die Einnahme der Stadt in der Industrieregion Donezk gemeldet – ein seit langem verfolgtes Ziel der russischen Führung. „Das ist natürlich nicht wahr. Es ist nur eine weitere russische Lüge“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. „Wenn Kostjantyniwka unter russischer Kontrolle wäre, hätte Putin vielleicht kein Problem, mich dort zu treffen, um einen diplomatischen Weg zu finden, diesen Krieg endlich zu beenden.“
Auch der ukrainische Generalstab teilte mit, Kostjantyniwka sei weiter unter der Kontrolle der eigenen Streitkräfte. Kostjantyniwka ist die südlichste von vier wichtigen Ortschaften, die eine Verteidigungslinie bilden. Diese Linie ist für die Ukraine für die Abwehr russischer Vorstöße in die Region Donezk wichtig. Experten zufolge würde die Einnahme von Kostjantyniwka den russischen Streitkräften eine Basis verschaffen, von der aus sie nach Norden vorrücken könnten. Die russischen Streitkräfte berichten seit einiger Zeit, Teile von Kostjantyniwka zu kontrollieren.
Merz und Selenskyj telefonieren nach russischen Angriffen auf Kiew
rtr | Kanzler Friedrich Merz telefoniert nach Angaben der Bundesregierung mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Dieser habe Merz über die Folgen der jüngsten russischen Luftangriffe auf Kiew und andere Teile der Ukraine informiert, teilt ein Regierungssprecher mit. „Der Präsident dankte dem Bundeskanzler für die deutsche Unterstützung, insbesondere bei der Luftverteidigung.“ Merz habe bekräftigt, dass sich die Ukraine auf die Unterstützung Deutschlands verlassen könne.
Ukrainische Armee dementiert Eroberung von Kostjantyniwka durch russische Truppen
afp/dpa | Die ukrainische Armee hat russische Angaben zurückgewiesen, wonach Russland die strategisch wichtige Stadt Kostjantyniwka im Osten der Ukraine erobert hat. Diese Behauptung sei „falsch“, sagte Armeesprecher Andrij Kowaljow am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Der Kampf um die Stadt dauere an. „Die Lage ist schwierig, aber sie ist unter der Kontrolle der ukrainischen Verteidigungstruppen“, betonte Kowaljow.
Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte am Freitag die Einnahme der lange umkämpften Stadt durch die russische Armee verkündet. „Die Stadt steht nun vollständig unter unserer Kontrolle“, sagte er. Kostjantyniwka ist ein strategisch wichtiger Stützpunkt auf dem Weg zu den letzten größeren Städten in der ostukrainischen Donbass-Region, die noch unter ukrainischer Kontrolle sind. Die Stadt, die vor dem Krieg 78.000 Einwohner zählte, war seit Ende 2025 schwer umkämpft.
Die Moskauer Kräfte hätten in den vergangenen Wochen Geländegewinne in Kostjantyniwka erzielt, schrieb das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW). Doch vor allem bestehe die russische Präsenz in der Stadt aus kleinen Stoßtrupps zwischen ukrainischen Stellungen. Das ISW wertete Putins Siegesmeldung als Versuch, mediale Aufmerksamkeit vor dem Wochenende mit den Feiern zu 250 Jahre Unabhängigkeit der USA zu gewinnen.
Der russische Staatschef zeigte sich erstmals seit längerem wieder in Uniform bei den Militärs. Das Verkünden von Erfolgen der Armee ist wichtig für Putin. Die Treibstoffkrise in Russland, verursacht durch ukrainische Gegenangriffe mit Drohnen, hat in der Bevölkerung großen Unmut hervorgerufen.
Eins der Kriegsziele Putins ist, den Donbass komplett unter russische Herrschaft zu bringen. Nach einem Fall von Kostjantyniwka wären von den größeren Städten im Gebiet Donezk nur noch Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka unter ukrainischer Kontrolle.
Gasförderanlage nach russischem Angriff gestoppt
rtr | Ein russischer Drohnenangriff auf eine Gasförderanlage hat nach ukrainischen Angaben ein Feuer ausgelöst. Der Betrieb der Anlage in der zentralukrainischen Region Poltawa sei eingestellt worden, teilt der staatliche ukrainische Energiekonzern Naftogaz über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. „Der Feind nimmt systematisch Gasförderanlagen ins Visier, um die heimische Produktion der Ukraine zu drosseln und die Vorbereitungen auf die Heizperiode zu erschweren“, heißt es in der Mitteilung weiter.
Drohnenangriffe auf St. Petersburg gemeldet
rtr | Russland meldet einen massiven Drohnenangriff auf Sankt Petersburg und die umliegende Region Leningrad. Bei der nächtlichen Attacke wurde den Behörden zufolge auch ein Ostseehafen für Ölexporte getroffen. Der Gouverneur von Sankt Petersburg, Alexander Beglow, spricht von einem großangelegten Angriff auf die Metropole mit sechs Millionen Einwohnern. Er nennt keine genauen Ziele. Das lokale Medium „Bumaga“ berichtet jedoch von einem Feuer am Ölterminal der Stadt. Der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, erklärt, Drohnen hätten den Hafen von Wysozk getroffen. Dieser liegt etwa 170 Kilometer nordwestlich von Sankt Petersburg am Finnischen Meerbusen und schlägt Öl, Getreide, Kohle sowie Flüssigerdgas um. Drosdenko sagt weiter, Einsatzkräfte hätten 72 Drohnen über der Region Leningrad abgeschossen.
Auswärtiges Amt erklärt China Missbilligung
rtr/dpa | Die Bundesregierung hat der Regierung in Peking wegen der Ausbildung russischer Soldaten durch China seine Missbilligung erklärt. „China muss wissen, dass dieser russische Aggressionskrieg gegen die Ukraine unsere Kerninteressen bedroht“, sagte Außenminister Johann Wadephul (CDU) am Rande seines Besuchs in Brasilien in der Hauptstadt Brasília. Das Auswärtige Amt hatte den chinesischen Botschafter an diesem Donnerstag zu einem dringlichen Gespräch gebeten. Die Bitte um ein „dringliches Gespräch“ ist nicht identisch mit der „Einbestellung“ eines Botschafters, die eine deutlich schärfere diplomatische Eskalationsstufe bedeutet.
Die Bundesregierung habe Berichte, wonach in China russische Soldaten ausgebildet würden, „mit großer Besorgnis“ gelesen, sagte Wadephul. Europa sei selbstverständlich bereit, seine Kerninteressen zu verteidigen. „Dieser Krieg muss zu einem Ende gebracht werden und es darf wirklich keine einzige Maßnahme auch von außen geben, um diesen Krieg fortzuführen“, sagte er mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine.
Man habe mit dem chinesischen Botschafter „intensiv, aber auch sehr offen“ gesprochen, fügte Wadephul hinzu. „Wir werden auch weiter mit der chinesischen Seite im Gespräch bleiben müssen, weil wir Unklarheiten dort nicht akzeptieren können.“
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert