Die Wasserbilanz des Sommers: Zu trocken und zu heiß
Die Wasserbilanz für Deutschland setzt neue Negativmaßstäbe. Damit sich die natürlichen Speicher auffüllen, ist langer, großflächiger Regen nötig.
Foto: Patrick Pleul/dpa
Deutschland geht das Wasser aus: Nach Auswertung der Pegeldaten durch das Science-Media-Center wird das hydrologische Jahr 2025/26 in Deutschland neue Negativmaßstäbe setzen. Demnach war bereits der vergangene Winter außergewöhnlich trocken, bevor dann ein zu trockenes Frühjahr und ein weiterer Dürresommer folgten: Die hohen Temperaturen sorgten dafür, das Pflanzen mehr Wasser verdunsteten. Das hydrologische Jahr endete am 31. Oktober.
„Ein trockener Winter führte dazu, dass sich das Grundwasser nicht erholt hat“, erklärt Thorsten Wagener, Professor für hydrologische Systeme an der Universität Potsdam. Dies führe dazu, dass über die Flüsse weniger Wasser abfließen kann. „Durch den steigenden Einfluss des Klimawandels verlieren wir die natürlichen Schnee- und Gletscherspeicher in Gebirgsregionen“, so Wagener. Dadurch würden viele Flüsse einen wichtigen Teil des Abflussvolumens einbüßen. Der Abfluss des Rheins betrug an mehreren Pegeln nur 50 Prozent des vieljährigen Mittelwertes der Periode 1991 bis 2020. Aber auch Oder, Elbe, Mosel, Donau, Inn oder Lech erreichten Werte, die als „sehr niedrig“ oder „extrem niedrig“ eingestuft werden.
Die Folgen: „Im Oberlauf leidet oft die Ökologie an zu warmen und sauerstoffarmen Flüssen“, so Wagener. Diese Abschnitte seien wichtige Zufluchtsorte für Fische und andere Lebewesen. „Im Unterlauf leidet dann die Gesellschaft durch geringes Transportvermögen für die Schifffahrt oder verminderte Wasserentnahme für die Kühlung von Kraftwerken.“
Zum Grundwasserproblem gesellte sich im abgelaufenen hydrologischen Jahr die Niederschlagsarmut: Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes DWD fielen im Frühjahr bundesweit im Durchschnitt lediglich 126 Liter auf den Quadratmeter – 68 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Das sorgte dafür, dass der Unterboden Anfang Juli bundesweit bis in eine Tiefe von 1,8 Meter unter Dürre litt.
Zu früh zu hohe Hitze
Zur ausgeprägten Dürre trugen die hohen Temperaturen bei: Um sich selbst herrunter zu kühlen, verdunsten Pflanzen mehr Wasser. Eine Buche etwa kann ihre Umgebung um bis zu fünf Grad herunterkühlen, wenn ausreichend Wasser vorhanden ist. Die erste Hitzewelle kam in diesem Jahr ungewöhnlich früh Ende Juni. Dabei wurde in der Brandenburger Lausitz mit 41,7 Grad ein neuer Höchstwert in Deutschland gemessen.
Um die natürlichen Speicher wieder aufzufüllen, seien jetzt „überdurchschnittlich lange und großflächige Niederschläge als sogenannter Landregen erforderlich“, erklärt Enno Nilson von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Allerdings ist nicht sicher, dass dieser auch komme: „Der vorausgegangene Winter war in dieser Hinsicht unterdurchschnittlich, was eine Vorbedingung für das Niedrigwasserjahr 2026 war“, so Nilson. Die Projektionen zum Klimawandel würden zeigen, dass es in absehbarer Zukunft aufs ganze Jahr gesehen in Deutschland viel weniger Wasser geben werde.
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