piwik no script img

live +++ GenZ regelt +++Proteste friedlich, Polizei in Köln kesselt

Mehrere Zehntausend junge Menschen demonstrieren bundesweit für eine bessere Zukunft – und das sehr friedlich. Konservative hatten vorab Krawall unterstellt.

16.49 Uhr: GenZ drängt Polizei aus Demo

In Hamburg geht es jetzt ab. Am Endpunkt der Demo brennen Barrikaden aus rot-weißen Absperrungen. Die Polizei wurde aus der Demo rausgedrängt. Dann stehen die Einsatzkräfte am Rand, ihnen gegenüber sehr junge vermummte Menschen. Sicker Rauch zieht Richtung Steindamm, Feuerwerk und Böller knallen. Dann rennt die Polizei in die Demo und drängt die Leute von der Straße. (ak)

16.48 Uhr: Aggressive Polizei

Am Matirnplatz in Stuttgart hat die Polizei die Versammlung zusammen mit dem Versammlungsleiter aufgelöst. Daraufhin wird die Stimmung aggressiv. Die Polizei zieht einzelne Leute aus der Masse, diese skandiert. „Wo wart ihr in Hanau?“ (bst)

16.41 Uhr: Vereinzelte Flaschen

In Hamburg fliegen vereinzelt Flaschen, in der Luft liegt der Geruch von Pfefferspray. Ein Polizist nutzt Strobolicht, das Videos mit der Handykamera unbrauchbar macht. (ak)

16.30 Uhr: Polizeikessel in Köln

Die Versammlungsleiterin in Köln hat die offizielle Demo am Konrad-Adenauer-Ufer aufgelöst. Dies habe die Polizei der 18-Jährigen Anmelderin nahegelegt, da sie sonst Verantwortung für Straftaten übernehmen müsse. Buhrufe. Gruppen mit roten und Palästina, MLPD- und Linkpartei-Fahnen demonstrieren weiter. Die Wasserwerfer der Polizei fahren vor, die Polizei kesselt die Demonstrierenden ein. Die singen „Ganz Köln hasst die Polzei“ und „Wo? Wo? Wo wart ihr in Hanau?“. Einzelne Feuerwerkskörper fliegen auf die Polizisten. Um 16.30 fährt einer der Wasserwerfer in die Menschenmenge und schießt mit Wasser auf die Demonstrierenden. Von den Uniformierten geht eine aggressive Stimmung aus – auch gegen unseren Reporter, auf den sie mit Schlagstöcken zurannten. In Frankfurt haben die dpa-Journalisten Securities dabei. (wyp/lex/cay)

16.30 Uhr: 10.000 demonstrieren in Frankfurt

In Frankfurt hat die Teilnehmerzahl wie von der Initiative erwartet 10.000 erreicht. „Siamo tutti antifascisti!“-Rufe erklingen im Bankenviertel. (cay)

15.50 Uhr: Unternehmer ohne Angst

Im Gegensatz zur Frankfurter Innenstadt sind die Geschäfte am Mainkai nicht verbarrikadiert. Das Café Sugar Mama hat heute geöffnet, stellt den Demonstrierenden seine Toiletten zur Verfügung und bietet ihnen Chai an. „Ich habe Vertrauen, dass die Proteste friedlich bleiben“, sagt Café-Besitzerin Kiki. „Wir unterstützen die Demo und haben uns entschieden, heute zu öffnen.“ (yec)

15.45. Uhr Geld für Bildung, statt für Waffen

In der Christophstrasse sagen die Studentin Afua und die Schülerin Adjora der taz: „Wir finden es wichtig, dass Geld in die Schule investiert wird und dass jedes Kind eine Chance auf eine gute Zukunft hat.“ Außerdem seien sie für Frieden. „Wenn der Iran mit den USA Krieg führt, dann steigen die Ölpreise, und alles wird teurer, dann ist auch kein Geld für die Bildung da.“ Die Proteste nennen sie „ein bisschen chaotisch“, aber sie hätten in keinem Moment Angst gehabt. „Alles verlief friedlich, anders als vorhergesagt.“ (bst)

15.32 Uhr: Demo in Erfurt zu Ende

Die Demo in Erfurt kommt am Endpunkt, dem Hauptbahnhof, an. Die Innenstadt steht noch. Laut Polizei haben etwa 1.500 Menschen am Protest teilgenommen. Bis 16 Uhr folgen noch Redebeiträge gegen Merz und für Sozialismus. Eine 22-Jährige kritisiert, dass der Protest vorab kriminalisiert worden sei. „Ihr habt Angst um eure Schaufensterscheiben, wir haben Angst um unsere Zukunft!“, ruft sie. Sie habe verständnis für die Wut der jungen Menschen in Frankreich. Es sei an der Zeit, über die Gründe zusprechen. Dabei nennt sie unter anderem rassistische Gewalt. Ihre Familie sei aus Afghanistan geflohen, als sie 7 Jahre alt war. „Ich kenne Rassismus.“ Auch ohne AfD seien die Verhältnisse in Deutschland schon schlimm, Abschiebungen für viele Menschen eine reale Bedrohung. Auch dagegen sei die GenZ heute auf die Straße gegangen. (dmn)

15.30 Uhr: Weniger Teilnehmende als erwartet

Die Proteste sind am mit deutlich weniger Teilnehmenden als von den Organisatoren erwartet gestartet. Dabei blieb es zunächst überall friedlich, wie die Polizei mitteilte. In Köln sagte eine Polizeisprecherin, die Teilnehmerzahl der dortigen Proteste liege „deutlich“ unter den angemeldeten 15.000 Teilnehmern. In Berlin meldete die Polizei bisher 2700, in München 1800, in Frankfurt am Main rund tausend Teilnehmende. Für diese vier Städte hatten sich auf der Website von GenZ regelt mehr als 50.000 Menschen angemeldet.

In Berlin gibt sich Gen-Z regelt-Pressesprecherin Lina Friedrich zufrieden: „Ich kann das kaum glauben, wie viele Menschen hier sind. Wir sehen kein Zeichen von Gewalt. Das macht mich so glücklich.“ Weniger zufrieden ist Juli, Pressesprecherin von Schulstreik gegen die Wehrpflicht: „Die Stimmung ist nicht kämpferisch genug“, findet sie. (lol/afp/mst)

15.20 Uhr: Demonstrieren „macht keinen Sinn“

Am Rand der Münchener Demo hat man noch Schwierigkeiten, die Anliegen der Demos zu verstehen. „Ich find's gut, dass die Jugend mal ihre Stimme erhebt“, sagt eine ältere Frau der taz. Ihr Mann fällt ihr ins Wort. „Aber wogegen sind die denn eigentlich?“, fragt er. „Gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren macht doch überhaupt keinen Sinn, die ist doch gut“, findet der Rentner. Wenn Putin hier an der Macht sei, könne man schließlich gegen gar nichts mehr demonstrieren. Und was habe das mit den Nazis zu tun, gegen die es hier auch gehe? „Die wollen doch einfach nur gegen alles sein“, murrt ein jüngerer Mann mit FC-Bayern-Schal. „Und der Kapitalismus ist schlecht, ganz schlecht, oder?“ Er winkt genervt ab. (tk)

15.17 Uhr: Peinliche Gewaltdebatte

„Es läuft einfach vieles wirklich nicht gut und nicht in unserem Interesse“, sagt in München ein Student aus dem fünften Semester der taz. Die Proteste in Frankreich hätten ihm Hoffnung gegeben. Dass eine ähnliche Bewegung auch in Deutschland entsteht, glaube er kaum. „Du kennst doch das Lenin-Zitat, dass die Deutschen die Revolution verpassen, weil sie erst noch eine Fahrkarte kaufen müssen“, sagt er und lacht bitter. Die Gewaltdebatte der letzten zwei Wochen habe er als „einfach peinlich“ empfunden – stattdessen hätte besser über die Ungerechtigkeit in Deutschland geredet werden können.

Unterdessen läuft bei der Demo Musik von Ikkimel. Plötzlich prägen, anders als auf der Auftaktkundgebung, linksradikale Gruppen das Bild. Es ist durchgängig laut, die Sprechchore sind kämpferisch. „Mit 18 an die Front, mit 70 noch ans Band? Gegen die Regierung und die AfD“ steht auf einem Transparent, „Merz stirb doch selber Ostfront“ auf einem anderen. Wegen diesem Spruch hatte die Polizei vor einiger Zeit Ermittlungen gegen eine Aktivistin der Schulstreiks gegen die Wehrpflicht aufgenommen.

Als auf der Leopoldstraße erste Rauchtöpfe gezündet werden, stoppt die Polizei den Zug sofort. Kurz darauf der nächste Rauchtopf. „Liebe Leute, bitte keine Pyrotechnik heute“, sagt ein Redner, „wir wollen doch dass es weitergeht“. Geht es dann auch, aber als der Redner die Demo dann auch noch auffordert, sich „mit ein bisschen Lärm bei der Polizei zu bedanken“, wird er vom Frontblock ausgebuht. „All Cops Are Bastards, ACAB.“ (tk)

15.10 In Bielefeld knallts

Ein lauter Knall an der Unterführung der Mindener Straße. Und die Polizei rennt los wie von der Tarantel gestochen. „Wir gehen davon aus, dass es sich um Pyrotechnik gehandelt hat“, sagt ein Sprecher der Polizei der taz. Kurz nach dem Knall kam es zu einem Notarzteinsatz, ob dieser im Zusammenhang mit dem Knall steht, ist allerdings nicht unklar. (and)

15.08 Uhr: Kurzer Schreck in Hamburg

Pyros brennen in der Mönckebergstraße, dann zündet jemand einen Böller. Es hallt sehr laut zwischen den Hausern. Mehrere Leute erschrecken sich und rennen weg. Die Demo wird angehalten und die Polizei lässt darauf hinweisen, dass Pyrotechnik verboten ist. Dann setzt sich der Zug wieder in Bewegung, bis noch ein Böller knallt. Die Anlage am Lauti klingt übersteuert, die Stimmung wirkt zunehmend angespannt, aber Demo läuft weiter. (ak)

15.02 Uhr: Rund 4.000 demonstrieren in Hamburg

Mindestens 4000 Menschen laufen vom Jungfernstieg in die Mönckebergstraße. „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“, rufen sie. Eine junge Frau im rosa Onezie und mit Palifahne um die Schulten ist ganz aufgekratzt. Warum sie heute hier ist? „Offensichtlich, wir haben Probleme!“ Geld sei da, aber falsch verteilt. „Es muss mehr Geld in Bildung gesteckt werden, in Hamburg haben gerade Schulbegleitungen ihre Jobs verloren“, kritisiert sie. (ak)

14.53 Uhr: Die wahre Gefahr

„Die wahre Gewalt sind 2,8 Grad“, steht auf dem Schild von zwei Freundinnen in Bielefeld. Eine Anspielung auf die Gewaltvorwürfe im Vorfeld der Demos. Der Jugend Gewalt nachzusagen, nur weil sie demonstrieren will, sei eine „Frechheit“, findet Paula. „Das hier“, sie zeigt auf die Menge, „ist doch keine Gefahr. Aber die 2,8 Grad Erwärmung, auf die die Erde zusteuert, das ist eine Gefahr“. (and)

14.45 Uhr: Kommunistische Gruppen am Start

In Leipzig laufen viele Jugendliche voran, deren rote Schlauchschals darauf hindeuten, dass sie Mitglieder kommunistischer Jugendgruppen wie der „Internationalen Jugend“ sind. Ein großes Transpi gegen die Fabrik des US-Raketenbauers Covenant, die in Leipzig gebaut wird. Dabei ist aber auch ein kleiner antiautoritärer Block mit Flaggen der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft FAU. Roter Rauch liegt in der Luft. Durch die Reihen wird ein „Parolen-Zettel gereicht. Darauf finden sich Evergreens wie „Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht“, ebenso wie Neuschöpfungen „Von Leipzig bis Paris – das regelt die Gen-Z!“ (epe)

14.38 Uhr: Der Lauti steckt fest

In Stuttgart steckt der Kampagnenwagen in der Fußgängerzone fest. Jetzt muss der Protestzug durch die engen Straßen. Aber ein Ziel haben sie erreicht. Sie sind mitten im Samstags-Getümmel und nicht zu übersehen. (bst)

14.25 Frankfurt

Die Demonstration hat am Mainkai, in der Nähe der Europäischen Zentralbank, begonnen. Bislang haben sich rund 2.500 Menschen versammelt. „Veränderungen“ kämen nicht durch eine einzige Demonstration zustande, sondern erforderten täglichen Einsatz, sagt eine Sprecherin bei der Auftaktkundgebung. (cay)

14.15 Uhr: Bielefeld

Das Orga-Team beginnt die Kundgebung auf dem Jahnplatz. Was die Jugend hier umtreibt? Wehrpflicht, kaputte Schulen, hohe Mieten. „Unser Kampf fängt gerade erst an. Solange nicht jeder Mensch frei ist, ist niemand frei“, sagt der erste Redner. Man sei „abgefuckt“ vom Kapitalismus. „Angefangen in Frankreich, weitergetragen nach italien und in andere Ländern: Die internationale Jugend zeigt, dass sie keinen Bock mehr hat“, schwört er die Versammelten ein. Auf der Website haben sich für Bielefeld etwa 6500 Menschen angemeldet, das Orga-Team rechnet eher mit 3000 Menschen. (and)

14.12 Uhr: Hamburg

„Wir sind hier, weil wir Kinder und Enkelkinder haben und wollen, dass die jungen Leute 'ne ordentliche Bildung bekommen, dass sie ein lebenswertes Leben haben und dass keine Kinder in den Krieg ziehen müssen“, sagt Silvia Saß, 68 Jahre. Sie ist heute mit ihrem Mann zur Demo am Jungfernstieg gekommen. Es sei ihre Verantwortung als Alte, die Anliegen der Jugend zu unterstützen, findet sie. (ak)

14.10 Uhr: Berlin

Vor dem Brandenburger Tor wehen Flaggen mit dem Symbol der GenZ regelt-Proteste, dem orangenem Eichhörnchen. Außerdem zu sehen sind hier Fahnen der Antifa, für Palästina und mit Regenbogen sowie von der Sozialistischen Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ).

Eine Mutter hält ein Schild hoch mit dem Spruch: „Meinem Sohn reichen die Battles in Fortnite“ – einem Computerspiel. Sie erklärt, sie mache sich Sorgen, dass ihr 13-jähriger Sohn in einen Krieg gezogen wird, mit dem er nichts zu tun hat. „Darüber sollten sich Teenager keine Gedanken machen müssen“, sagt sie der taz.

Auch eine Gruppe von Studierenden beschäftigt die Bundeswehr. „Die Unis und Schulen fallen zusammen, während so viel Geld in die Bundeswehr fließt“, sagt eine Studentin und erinnert daran: „Friedrich Merz ist nicht nur Kanzler von seiner Wählergruppe“. (mst)

14.06 Uhr: Köln

Am Rheinufer wird es jetzt schnell voll. Mittlerweile sind sicher einige tausend Menschen vor Ort. In Sprechchören rufen sie „Alerta, Alerta, Antifascista“, „Tax the rich“ und „Merz leck Eier“. Auch die „internationale Solidarität“ lassen die meist jungen Leute hochleben. (wyp)

14.00 Uhr: Leipzig

In der Leipziger Innenstadt wimmelt es vor Polizei, auch hier haben Läden sich hinter Spanplatten verschanzt. Auf dem Augustusplatz stehen bislang etwa 1.500 Menschen. Wo einst Legida mit „Merkel muss weg“-Rufen demonstrierte, fordern nun Jugendliche „Merz muss weg“. Aus dem Lautsprecher des kleinen Lautsprecherwagens ist der Song des Rappers Disarstar „Siamo Tutti Antifa“ zu hören. (epe)

13.45 Uhr: Erfurt

In keiner anderen ostdeutschen Stadt haben sich so viele für den Gen Z Protest angemeldet wie in Thüringens Landeshauptstadt. Mehr als 10.000 Mal wurde laut der Website auf „Ich bin dabei“ geklickt. 15 Minuten vor Beginn ist davon wenig zu sehen. Ein Banner gegen Krieg, eine Pali-Fahne, ein Dutzend junger Menschen, die etwas unschlüssig auf dem Domplatz herumstehen. Aber: Während die Website für diesen Ort geworben hat, beginnt die Demo tatsächlich ein paar hundert Meter entfernt am Anger, einem anderen zentralen Platz in der Stadt. Als die kleine Gruppe den Post dazu auf Insta entdeckt, zieht sie um, der Pali-Fahne hinterher. (dmn)

13.40 Uhr: Hamburg

Am Jungfernstieg füllt sich der Platz. Antifafahnen, Palästinafahnen, und die „One Piece“-Fahne, die international zum Zeichen der Gen Z Proteste geworden ist, sind zu sehen. Eine 24-Jährige sagt der taz, sie habe das Gefühl, dass die Situation für junge Leute sich immer weiter verschlechtere. „Also ich in der Schule war, hatten wir ein Loch in der Decke“, nennt sie ein Beispiel für die schlechte Infrastruktur. Mit den neusten Sozialkürzungen und der Wehrpflicht sei die Kluft aus dem Anspruch an junge Menschen und dem, was für sie getan werde, endgültig zu groß geworden. Es sei wichtig, dagegen zu protestieren, findet die Studentin.

Tobias, 18 Jahre, und Nikita, 19 Jahre, haben sich für ihre erste Demo als Dragonball-Charaktere verkleidet. Sie hätten die Proteste in Frankreich gesehen, sich die Forderungen von Gen Z regelt durchgelesen und diese gut gefunden. Sie hofften auf Demos wie in Frankreich, nur friedlicher. Denn dort sehe man ja, dass das zu Ausgangssperren und Polizeigewalt führe. (ak)

13.20 Uhr: Die Spannung steigt

Noch zwanzig Minuten bis zum offiziellen Start: Von französischen Verhältnissen kann bislang nicht die Rede sein. Am Kölner Konrad-Adenauer-Ufer sind erst wenige hundert Leute. „Bessere Bildung, keine Waffen“ und „Faschismus stoppen“ steht auf ihren Plakate. Auch die Polizei hält sich hier personell noch zurück. Auch an der Planie, dem Platz, auf dem die Demo in Stuttgart beginnen soll, hält sich der Ansturm in Grenzen (wyp/bst)

13:05 Stuttgart

Am Neuen Schloss steht schon viel Polizei. Die Demo startet ein paar hundert Meter weiter, am zentralen Platz Planie. In Stuttgart war die Aufregung letzte Woche groß. Hier hatte sich Innenminister Manuel Hagel mit seiner Äußerung über den „gewaltbereiten Mob“ kraftmeierisch gegeben.

Die Organisatoren der Demonstration sind im Umfeld des Kommunistischen Aufbruchs (KA) zu verorten. Eine Vertreterin der Gruppe Internationalen Jugend hatte gegenüber der Südwestpresse erklärt, sie hätten mit den Betreibern der bundesweiten Website Generations-Z-Regelt nichts zu tun. Letztere hatten die Stuttgarter für deren Sturmmaskenlogo kritisiert. Die Vertreterin kritisierte: „Die versuchen für uns zu sprechen. Wir nehmen sie als externes Element wahr.“ Man lasse sich aber nicht „an der Gewaltfrage spalten.“ Der Landesschülerbeirat hat hier hingegen nicht zur Demo aufgerufen, weil man laut seinem Vorsitzenden nicht abschätzen könne, ob es zu Gewalt kommt.

Im einem offenen Brief an die Stadt hatten Ladenbesitzer in Stuttgart ihre Befürchtungen formuliert, dass sich Krawalle wie im Juni 2020 wiederholen könnten. Nun haben Stadt und Polizei die Demonstrationsroute verlegt. Der Zug wird jetzt nicht mehr vom Neuen Schloß durch die Innenstadt geführt, sondern an der Von der Planie über die Hauptatätterstraße zum Marienplatz. Damit an den Einkaufsstrassen der Fußgängerzone vorbei. (bst)

Nicht die Polizei empfiehlt Verbarrikadierung von Läden

Angesichts verbarrikadierter Schaufenster von Luxusboutiquen sagt ein Polizeisprecher aus München, dies geschehe jedenfalls nicht auf Empfehlung der Polizei. Es gebe keinerlei Hinweise auf Randale am Abend. Manche seien eben „sehr, sehr vorsichtig“. Es habe sich eine „gewisse Dynamik“ entwickelt, vermutet der Sprecher. Seit gestern Abend werden wie hier in der Maximilianstraße in vielen deutschen Innenstädten auf Hochtouren Spanplatten vor Schaufenster genagelt. Auch das Online-Shopping könnte eingeschränkt laufen, Kunden erhalten von Zustellern wie DPD Hinweise, dass ihre Pakete aufgrund der Proteste womöglich nicht ausgeliefert werden können. (tk/lol)

GenZ regelt distanziert sich vorab von Gewalt

Veronika Dinter, die Pressesprecherin von Gen-Z regelt in Berlin, distanziert sich bereits im Voraus von einer anderen Demonstration, die in der Hauptstadt für den späteren Nachmittag angemeldet ist: „Wir übernehmen nur Verantwortung für das, was wir angemeldet haben.“ Zu der Demonstration mit dem Namen „Gen Z hat genug“, um 17:30 Uhr am Rosenthaler Platz, ruft unter anderem das Offene Rote Treffen Berlin (ORT) auf. Die Polizei erwartet zwar, dass auch diese Demonstration friedlich verläuft. Insider erwarten dort jedoch durchaus Protestierende mit Interesse an „Aktionismus“. (mst)

Die taz ist für Euch vor Ort

Unsere Reporterinnen und Reporter schwirren aus und covern die heutigen Proteste in Hamburg, Berlin, Leipzig, Erfurt, Köln, Bielefeld, Frankfurt, Stuttgart und München.

Teilnehmen wollen laut der Website von GenZ aktuell die meisten Menschen in Köln, wo sich mehr als 16.000 Personen angemeldet haben. In Frankfurt sind es mehr als 14.000, in Berlin mehr als 12.000 und in München mehr als 9000 Zusagen. Ob tatsächlich alle, die sich angemeldet haben, auch auf die Straße gehen, wird sich zeigen. (taz)

Wuff, wuff!

In Städten wie Hamburg, Berlin und Frankfurt sollen jeweils mehr als 1000 Polizeikräfte eingesetzt werden. Stefan Müller, seines Zeichens Polizeipräsident von Frankfurt am Main, scheint sich aber eher wie ein Hundeherrchen zu fühlen. „Ich freue mich über den friedlichen Protest und dann kriegen sie von mir maximalsten Leine“, sagte er vorab bei einer Pressekonferenz – ganz so, als wären die Demonstrierende Hunde. Wenn es „kippe“ seien seine Leute da, um zu „beschränken“. (lol/cay)

Ein erster Erfolg

Etwas haben die „Gen Z regelt“-Proteste bereits erreicht, bevor sie überhaupt losgegangen sind: Zu zeigen, welche Ängste allein die Ankündigung eines Jugendprotestes nach französischem Vorbild in Deutschland auslöst. Gegen einen angeblich „gewaltbereiten Mob“ müsse man „mit aller Härte des Rechtsstaates zurückschlagen“, beschwor etwa der Innenminister von Baden-Württemberg, Manuel Hagel. Die Jungen Union wollte gar Soldaten gegen die Jugendlichen einsetzen. Ein Polizeigewerkschafter schürte ein rassistisches Bild, in dem er von „Krawallmigranten“ sprach, die „keine Gnade“ zu erwarten hätten, wochenlang wurde über eine Unterwanderung der Bewegung durch Linksextreme oder sogar Islamisten fantasiert.

Heute ist nun der Tag der Wahrheit. Gelingt es der neuen Bewegung, dieses Momentum nach Deutschland zu tragen? Oder bleibt es bei einem von vielen Versuchen linker Aktivist:innen, in Deutschland Sozialproteste auf die Beine zu stellen? Werden am Abend Bilder von bunten Schildern oder doch von brennenden Mülltonnen die Nachrichten beherrschen – obwohl „Gen Z regelt“ mehrfach friedliche Absichten betont hat? (tk)

Soziologe sieht Potenzial für größere Bewegung

Der Berliner Sozialwissenschaftler Christian Volk sieht in den geplanten „GenZ“-Demonstrationen das Potenzial für eine größere Protestbewegung. „Es ist enorm viel Druck im Kessel“, sagte der Professor der Humboldt-Universität der Nachrichtenagentur AFP. „Wohnungsnot, Kürzungen im Bildungsbereich, Wehrpflichtdebatte und gesellschaftlicher Rechtsruck – da kommt vieles zusammen.“ Die jungen Menschen forderten ein, „dass ihre politischen Erfahrungen und Zukunftserwartungen auch gehört werden“ (afp).

Worum geht's bei den Demos?

Unter dem Motto „Mehr Geld für Klima, Schulen, bezahlbares Leben für alle“ wollen am Samstag in 34 Städten junge Menschen auf die Straße gehen. Angemeldet haben sich auf der Website GenZ-regelt rund 180.000 Leute. „Alle sind willkommen, egal wie alt“, steht dort.

Die Initiative „Gen Z regelt“ besteht aus Einzelpersonen, die in Köln, Frankfurt, Berlin und München Versammlungen angemeldet hat. Weitere Proteste, die sich dem Aufruf angeschlossen haben finden zum Beispiel in Dresden, Aachen, Kiel und Freiburg statt. In den meisten Städten sind Proteste ab 14 Uhr angekündigt.

Unterstützt haben den Aufruf auch linke Polit-Gruppen, etwa durch Posts, die wiederum von Gen Z regelt verbreitet wurden. Daraufhin haben CDU und Polizeigewerkschaft mit einer Polizei ohne Gnade gedroht. Der Verfassungsschutz schwadronierte von einem linksextremistischem Einfluss. „Belastbare Erkenntnisse über gezielte extremistische Einflussnahme oder Steuerung der Gruppierung“ lagen der Polizei aber nicht vor. Andere Beobachter fürchten eher, dass die Bewegung so brav wird wie Fridays For Future es waren. Eine erste Blockade hatte es bereits am 12. Oktober im Französischen Gymnasium in Berlin-Tiergarten gegeben. Mehr über die Entstehung der Bewegung lesen Sie hier.

In Frankreich, aber auch Spanien, Italien, Albanien oder Portugal entlädt sich bereits seit mehreren Wochen die Wut der Jugend über kaputtgesparte Bildungs- und Sozialsysteme, das Totalversagen von Regierungen in der Klimakrise, über Aufrüstung und Krieg. (tk/lol)

Mehr zum Thema

2 Kommentare

  • fly

    Gutes Titelbild. Demo der Jugend gegen Fremdbestimmung durch Ältere und frau demonstriert mit einem Motto mit dem der Sohn fremdbestimmt wird.

  • shitstormcowboy

    Meine Generation kneift bald den Arsch zu und verschwindet. Es geht in der Tat um die Zukunft der Jugend und da sieht es nicht so aus, als liege sie in den richtigen Händen. Die Zukunft, die sich Reiche, Merz und andere ausdenken, ist eine Zukunft für bestimmte Kreise. Einige Wenige, die sich aus dem Staub machen, wenn Ki die Jobs kostet, wenn der Klimawandel die Welt weitestgehend unbewohnbar macht, wenn Wohnen unmöglich wird, weil es zum Geschäftsmodell verkommen ist, wenn all die vom Neoliberalismus angelegten Krisen loslegen. Klar, Gewalt ist keine Lösung, aber eine zerstörte Zukunft ist auch Gewalt und auch diese Gewalt muss verhindert werden.