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Nach Ausschreitungen in Italien Fehdehandschuh an die Vorstadtjugend

Michael Braun

Kommentar von

Michael Braun

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni erlässt ein Sicherheitsdekret und schickt Soldaten nach Mailand. Das soll Tatkraft und Härte zeigen, wird aber kein Problem lösen.

M it einem neuen „Sicherheitsdekret“ reagiert Italiens Regierung unter Giorgia Meloni auf die heftigen Ausschreitungen am letzten Samstag und Sonntag in Mailand, als Hunderte Jugendliche aus den Vorstädten sich stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei lieferten, eine Spur der Verwüstung durch die City zogen und Dutzende Geschäfte plünderten.

Es ist das mittlerweile achte Sicherheitsdekret der seit vier Jahren amtierenden Rechtsregierung in Italien. Und es trägt die gleiche Handschrift wie alle seine Vorgänger. Meloni geht es darum, medienwirksam Tatkraft und Härte zu zeigen, mit neuen Straftatbeständen und Strafverschärfungen, mit Sicherheitsgewahrsam auch für Minderjährige, mit 500 zusätzlichen Soldaten auf Mailands Straßen.

Der neue Straftatbestand der „organisierten Gewalt bei öffentlichen Veranstaltungen“ zum Beispiel legt nahe, bisher sei straffrei davongekommen, wer Sicherheitskräfte mit Steinen und Knallkörpern bewirft oder wer mit Stahlrohren Schaufensterscheiben einschlägt. Doch auch mit dem bisher gültigen Strafrecht können solche Delikte schon empfindliche Strafen nach sich ziehen. Und auch 500 zusätzliche Soldaten hätten an den Unruhen schier gar nichts geändert – bei Demonstrationen und Straßenschlachten kommen sie schlicht nicht zum Einsatz.

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Einigermaßen sinnlos in der Sache, keineswegs aber folgenlos ist diese Reaktion. Wieder einmal wirft die Regierung den Vorstadtjugendlichen den Fehdehandschuh hin. Viele der Kids aus den abgehängten Stadtrandvierteln kommen aus migrantischen Familien. Es fügt sich wunderbar ins rechte Drehbuch, jetzt erneut die „braven Bürger“ gegen sie in Stimmung zu bringen. Die Regierungschefin hält es für überflüssig, auch nur einen Gedanken an die Perspektivlosigkeit der Jugend zu verschwenden. Dass Meloni sie stattdessen zur puren Stimmungsmache zum Sicherheitsrisiko erklärt, wird nicht zur Befriedung der italienischen Metropolen beitragen.

Michael Braun

Michael Braun Auslandskorrespondent Italien

Promovierter Politologe, 1985-1995 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Unis Duisburg und Essen, seit 1996 als Journalist in Rom, seit 2000 taz-Korrespondent, daneben tätig für deutsche Rundfunkanstalten, das italienische Wochenmagazin „Internazionale“ und als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Büro Rom der Friedrich-Ebert-Stiftung.
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3 Kommentare

  • Bambuspanda

    Empfehle diese Arte Doku:



    www.arte.tv/de/vid...er-sicherheit-1-2/

    Gibt mehr Einblick wie die Gewalt seit den 70ern in Frankreich mehr und mehr zunahmen - aus friedlichen Demonstranten durch gewalttätige Ordnungsmacht, mehr und mehr gewaltbereite Demonstranten.

    Gab auch mal eine Doku, über einen Meilenstein in der Berliner Demo-Historie - "Die Schlacht am Tegeler Weg" 1968



    Die voraus gegangenen Studenten Demos wurden von der Polizei (damals noch mit Reiterstaffel) gnadenlos niedergeknüppelt.

    An jenem Tag, 1968 im Tegeler Weg, waren neben den Studenten vor allem Arbeiterkids und Rocker aus dem Märkischen Viertel dabei - eine wütende junge Arbeiterschicht, die nicht gekommen waren, um sich niederknüppeln zu lassen.

    War damals ein riesen Schock für die Berliner Polizei.

    Zufriedene Menschen demonstrieren nicht. Je unzufriedener, desto mehr Demos/Widerstand. Wenn trotz aller Demos sich nichts ändert, rutscht diese Unzufriedenheit immer mehr in Ohnmachtsgefühle., die die Betroffenen entweder depressiv oder aggressiv machen

    Ein Übermaß an Aggressionen führt dann zu mehr und mehr Gewaltbereitschaft - "Macht kaputt, was euch kaputt macht".....

  • Sole Mio

    Ich kann das Vorgehen der Regierung durchaus verstehen.

    Gewalt und Vandalismus kann und darf nicht akzeptiert werden! In keinster Weise!

    Da gibt es gar nichts schönzureden!

    Weder in Frankreich, noch in Italien oder sich bei uns.

    Egal welcher Nationalität oder Herkunft!

  • DiMa

    Angesichts der Ausschreitungen ist fraglich, ob die Überschrift passt und wer tatsächlich den Fedehandschuh geworfen hat. Bei so einem Vandalismus kann kein Pardon erwartet werden.