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Verteidigungsetat im BundeshaushaltSo viel Geld

Die Bundeswehr soll 2027 über 140 Milliarden Euro verfügen. Aus dem Kernhaushalt bekäme sie dann jeden fünften Euro. Die Zinslast wird indes weiter steigen.

Am Ende ihres Berichts werden die Rechnungsprüfer deutlich: „Es wird darauf ankommen, die vom Parlament zur Verfügung gestellten Mittel wirksam und verantwortungsvoll zu verwenden“, heißt es in einem Schreiben des Bundesrechnungshofs an den Haushaltsausschuss des Bundestags. Die Rechnungsprüfer verweisen in ihrem Bericht zum Verteidigungshaushalt 2027 auf die Rüstungsinflation: Die erhöhte Nachfrage und der begrenzte Wettbewerb sorgen für starke Preisanstiege in der Branche.

Diese Nachfrage spiegelt sich auch in dem hohen Wehretat wieder, den der Bundestag derzeit auf den Weg bringt. Ende November soll das Parlament den Haushalt für das kommende Jahr beschließen. Beim Verteidigungsbudget handelt es sich um den zweitgrößten Posten nach dem für das Arbeitsministerium. Laut Entwurf sollen die Ausgaben für die Bundeswehr im Vergleich zum laufenden Jahr noch mal um 30 Milliarden Euro ansteigen und dann insgesamt 140 Milliarden Euro betragen.

Etwa 110 Milliarden Euro stammen dabei aus dem Kernhaushalt, der insgesamt etwa 555 Milliarden Euro umfassen soll – damit kommt jeder fünfte Euro aus dem regulären Budget der Bundeswehr zugute. Hinzu kommen knapp 30 Milliarden Euro aus dem Sonderschuldentopf für die Bundeswehr, der 2022 in Folge des Ukrainekriegs eingerichtet wurde.

Ein Blick in die Bücher verdeutlicht die Summen, mit denen hier hantiert wird: Wegen eines Planungschaos zwischen einer niederländischen Werft und dem Bundesverteidigungsministerium war schon länger klar, dass ein zentrales Großprojekt der Marine, der Bau von Fregatten der Klasse 126, kaum umgesetzt werden kann.

Zwei Milliarden Euro Steuergeld wurde versenkt

Als Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) das Vorhaben im Juni stoppte, waren bereits etwa 2 Milliarden Euro an Steuergeldern in den Schiffbau geflossen und damit versenkt worden. Hinzu könnten noch Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe kommen, mit denen die Werft Anfang Oktober die Bundesregierung konfrontierte.

Die Ausgaben im militärischen Bereich stehen damit in hartem Kontrast zu den Einsparungen in anderen Feldern. Zum Vergleich: Die Kürzungen beim Wohngeld, die etwa eine Millionen Haushalte in Deutschland betreffen könnten, sparen laut dem Gesetzentwurf bei Bund und Ländern für das Jahr 2027 jeweils 740 Millionen Euro ein.

Die Einsparungen für den öffentlichen Haushalt entsprechen damit etwa dem Wert einer Meko-Fregatte, die die Marine anstelle der gescheiterten F126 bekommen soll. Nach Bundeswehr-Angaben soll die erste Tranche von vier Schiffen insgesamt 6,3 Milliarden kosten.

Die Zinslast wird steigen

Die Bundesregierung kontert Vergleiche wie diese mit ihren Haushaltsregeln: Seit März 2025 ist die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben faktisch ausgesetzt. Die Kosten für Rüstungsgüter können also durch neue Kredite gedeckt werden und stehen vordergründig nicht in direkter Konkurrenz zu anderen Ausgaben.

Diese Argumentation ignoriert jedoch, dass für diese immer höheren Schulden auch immer höhere Zinsen anfallen, die den Handlungsspielraum für künftige Ausgaben einengen. So soll laut dem Bundestag die Zinslast von etwa 42 Milliarden Euro im Jahr 2027 auf 81 Milliarden Euro im Jahr 2030 ansteigen.

Es gibt deshalb im Bundestag Stimmen, die ein Ende der Sonderschuldenregel für Verteidigungsausgaben fordern. Deutlich kommt diese Kritik bislang vor allem aus der Opposition. „Die schuldenfinanzierten Schattenhaushalte wie das Sondervermögen dürfen allenfalls temporären Ausnahmesituationen vorbehalten sein“, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Linken, Ulrich Thoden.

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Er kritisiert „laxe Preiskontrollen“, die für massive Gewinne bei den Rüstungsunternehmen sorgen würden. Thoden fordert eine Übergewinnsteuer für die Waffenhersteller „oder besser noch einen Preisdeckel, der die Gewinne der Rüstungsunternehmen von vornherein nach oben begrenzt“.

Ein Problem hierbei wäre, dass die Nachfrage nach Waffen weltweit so stark gestiegen ist, dass die Staaten bei den Rüstungsherstellern Schlange stehen. Es ist üblich, dass sich die Kunden in den Orderlisten nach vorne kaufen. Deutschland mit seinen nahezu unbegrenzten Ausgabemöglichkeiten genießt dabei wohl längst den Status eines Premiumkunden.

Der SPD-Abgeordnete Andreas Schwarz begleitet als Haushälter für Verteidigungsausgaben seinen Minister Pistorius dabei durchaus kritisch: „Es geht darum, wofür das Geld ausgegeben wird und ob wir das Richtige beschaffen. Das sind wir der Truppe und dem Steuerzahler schuldig“, sagt er der taz.

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11 Kommentare

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Dass man 140 Mrd. € ausgibt, ist schon schlimm. Aber noch schlimmer ist, dass das zum großen Teil sinnlos ist.

  • Don Geraldo

    Schon vor diesem enormen Zuwachs gab Deutschland mehr für die Verteidigung aus als Frankreich und nur etwas weniger als Großbritannien.



    Aber im Gegensatz zu diesen beiden Nato-Staaten hat Deutschland keine Flugzeugträger, keine Atom-U-Boote und auch keine Spezialtruppen, die mit eigenen Flugzeugen jeden Ort der Welt erreichen können, um dort Staatsbürger zu beschützen. Von Militärstützpunkten in aller Welt und einer dazu passenden Flotte ganz zu schweigen.

    Wo ist eigentlich das ganze Geld für die Bundeswehr gelandet?

  • Gerald Müller

    Ach, schon wieder ein Preisdeckel gefordert von der Linken. Der mal wieder davon zeugt dass die LInke auch von Verteidigung keine Ahnung hat. Das eigentliche Problem ist doch dass mit dem Geld ein Haufen Sachen gekauft werden sollen die schlicht überholt sind., die auf einen modernen Gefechtsfeld höchstens noch Schrottwert haben. Schwere Kampfpanzer, F35, all das kostet Unsummen und wird von Drohnen oder Raketen die einen Bruchteil kosten sofort zerstört. Das Geld wird schlicht verschleudert. man müsste erstmal nachdenken wie ein moderner Krieg aussieht (siehe UA), was dafür benötigt wird, in welchen Zeitrahmen diese Dinge gebaut bzw entwickelt werden können, und dann einen langfristigen Ausgabeplan erstellen der effektiver und deutlich billiger wäre als das was jetzt passiert. Natürlich müsste man auch sofort Sachen anschaffen etwa Drohnen und lasergesteurte Artillerie. Dazu kommt dass der moderne Krieg im Aesentlichen von einer großen Zahl an Infanteristen geführt wird, das bringt die Wehrpflicht wieder ins Spiel usw. Also, Ulrich Thoden, ein wenig Fachwissen führt dazu dass man die Ausgaben fachlich und faktisch kritisieren kann, und nicht einfach einen Deckel fordert.

  • metalhead86

    Quintessenz: Wer am Unterhalt spart renoviert am Ende für ein Vielfaches. Altbekannt und trotzdem immer wieder ignoriert.



    Betrifft aber tatsächlich nicht nur den Verteidigungsbereich. Mindestens Verkehr und Bildung sind davon auch betroffen.

    • Heho

      @metalhead86:

      Ist schon richtig, nur dass unsere Regierung sich leider den alten, völlig überteuerten Kram andrehen lässt. Um beim Renovieren zu bleiben: die freuen sich über ne "neue" Kohleheizung 🤦🏻‍♀️

  • Hans Dampf

    140 Milliarden für die Bundeswehr, aber keine 4 Milliarden um die Schulen in jeder Hinsicht zu modernisieren. Die Jugend hat recht, wenn sie auf die Straße geht.

  • StefanMaria

    Ja vielleicht war es kurzsichtig nur auf Pazifismus zu vertrauen. Wenn nun gerüstet werden muss, sollte schon die Kontrolle da sein wofür, also nur defensive Ausrichtung. Und die Wirtschaft muss endlich in die Pflicht genommen werden, mehr Leistung zu bringen und die Gewinne in Allgemeinwohl und eben für die Rüstung bereitzustellen.



    tet

  • Apropos

    Ist doch chillig. Holen wir alles wieder rein bei den arbeitslosen, rentnern und arbeitern.

  • Philippo1000

    Es ist schon überraschend,



    dass der Ukraine Krieg seit Jahren vor unserer Haustür tobt, es aber Viele weiterhin ignorieren.



    Die Behauptung, dass die aktuellen militärischen Konflikte uns nichts angehen endet an der Zapfsäule.



    Die hohen Energiepreise verteuern übrigens nicht nur Pendlerkosten und



    (Lebensmittel-)Transporte sondern auch Rüstungsgüter.



    Dass Angebot und Nachfrage den Preis regeln sollte keine Neuigkeit sein.



    Der Ausbau der Bundeswehr ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit.



    Wer meint, das Geld sollte für Anderes ausgegeben werden, verkennt die Situation.



    Derzeit werden Investitionen nachgeholt, die bereits vor Jahren nötig gewesen wären.



    Hinzu kommt der Beginn eines europäischen Flugabwehrschilds, Drohnentechnik und Cybersbwehr, alles neu zu entwickelnde Bereiche.



    Klar kostet das Geld. Allerdings trägt die derzeitige Investitionspolitik auch Früchte, wie wir am Wirtshhaftswachstum sehen.



    Es ist übrigens richtig, einen Vertrag zu stornieren, wenn der Beauftragte nicht in der Lage ist, den Anforderungen zu entsprechen.

  • Günter Witte

    Das es jetzt diese enormen Ausgaben für das Militär braucht sind, mal wieder, die Fehler der Vergangenheit. Deutschland hat über Jahrzehnte bei der Verteidigung gespart, die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt. Danach wurden Kasernen zu Bauland, Waffen verschrottet. Jetzt, durch Wahnsinnige Präsidenten in Amerika und Russland, ist Deutschland wieder selbst in der Verantwortung und muss die Fehler der Vergangenheit über Geld wiederherstellen.



    Nur sind wir jetzt wieder da wie immer in Deutschland: Dank eines total unfähigen Verteidigungsminister + Beschaffungsamt wird hier Geld verschwendet ohne Ende. Im Endeffekt werden wir wieder (viel) mehr Geld ausgegeben haben als andere Länder, dafür aber weniger Verteidigungsfähig sein als diese !

  • Elite123

    Diese Ausgaben sind fatal. Sie werden als Investition deklariert, sind aber konsumptiv.

    Eine Investition bringt einen nachgelagerten Ertrag.

    Bei einem Panzer ist das nicht zu erwarten. Bestenfalls verstaubt er, und schlimmstenfalls vernichtet er Infrastruktur.



    Sie bringen Deutschland nicht voran.

    Wahrscheinlich wäre man besser damit gefahren, ein Zehntel der Ausgaben in die Diplomatie zu stecken.