piwik no script img

Biodiversität Die Lösung liegt auf der Alm

Heike Holdinghausen

Kommentar von

Heike Holdinghausen

Um das lebenswichtige Miniaturvieh zu retten, braucht es ein Umdenken von Land- und Forstwirtschaft. Mehr Wald und Moore statt Dünger und Tierzucht.

D ie UN-Naturschutzkonferenz im armenischen Jerewan rechtfertigt jede Aufmerksamkeit, denn ihr Thema ist gewaltig. Es geht um die Überlebensgrundlagen der Menschheit, um fruchtbare Böden, sauberes Wasser, saubere Luft. Sie stehen uns künftig nur dann weiter zur Verfügung, wenn wir die Natur als vielfältiges System erhalten, predigen Wissenschaftler seit Jahren.

Rebhühner, Tiger, Elefanten – sie sind die plakativen Botschafter für die unsichtbaren und häufig unscheinbaren Lebewesen, die unsere Ernährung sicherstellen. Sie tragen zu einem stabilen Klima bei und bilden die Grundlage für den Fischreichtum der Meere. Die Verhandlungen sind engmaschig zu verfolgen, wollen die Mitgliedstaaten des Abkommens doch festlegen, wie sie ihre selbstgesetzten Ziele aus dem „Globalen Biodiversitätsrahmen“ endlich erreichen.

Aber ach. Wer das wirklich könnte, sitzt nicht mit am Verhandlungstisch. Denn die Haupttreiber für den Verlust der biologischen Vielfalt weltweit sind eine fehlgeleitete Land- und Forstwirtschaft. Zu viele Nutztiere, zu viel Dünger, zu viele Ackergifte. Wenn wir der Vernichtung unserer Lebensgrundlagen Einhalt gebieten wollen, müssen wir das ändern und in den reicheren Ländern anders essen. Weniger Fleisch, mehr Pflanzen.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Dann benötigen wir weniger Fläche, es bleibt mehr für Wälder, Wiesen und Moore. Die Äcker selbst müssen wir schonender bewirtschaften – und dürfen uns dabei auch gerne von Wis­sen­schaft­le­r:in­nen beraten lassen. Viele von ihnen setzen sich für den Schutz der Biodiversität und des Klimas ein und vertrauen dabei auf neue Methoden, auch gentechnische.

Wie man diese für die gesamte Menschheit sinnvoll und gewinnbringend nutzen könnte, auch darüber wird in Jerewan verhandelt. Solange die großen Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetikkonzerne von Biodiversität zwar gerne profitieren, sich aber für ihren Erhalt und gerechte Nutzung nicht verantwortlich fühlen, und solange die Agrarminister sich vor allem als Lobbyisten ihrer Agrarwirtschaft fühlen, stehen die Ergebnisse der UN-Konferenz nur auf dem Papier und kommen nicht in der Fläche an. Das zu dokumentieren ist aber auch was wert.

Heike Holdinghausen

Heike Holdinghausen Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

Mehr zum Thema

6 Kommentare

  • Rüdiger Stegemann

    liebe heike holdinghausen, liebe freundInnen, nur 'ne kleinigkeit, die aber nicht unwichtig ist: bitte nennt die vertragsstaatenkonferenz der biodiversitätskonvention (CBD) nicht "UN-Naturschutzkonferenz". es geht dort um weit mehr als nur um naturschutz. diese verfremdende und falsche verkürzung erweckt unrichtige assoziationen; der begriff biodiversität ist inzwischen allgemein verständlich und zumutbar! mfg rüdiger stegemann

  • Günter Witte

    Relativ Realitätsfern was hier verlangt wird. Jeden Tag stimmen die Käufer von Lebensmittel darüber ab was Sie haben wollen : billige Lebensmittel. Darum bleibt auch Bio ein 10 % Nischenprodukt. Wie sollten Landwirte weniger Lebensmittel bei höheren Aufwand erzeugen ohne das die Preise dafür markant steigen ?

  • vieldenker

    Ja natürlich sollten und werden die Konzerne mehr zahlen (müssen) für die Nutzung der natürlichen Ressourcen. Aber damit eben auch alle Verbraucher*innen. Egal wie sie sich ernähren - auch die in noch nicht „so entwickelten“ Ländern. Denn letztendlich ist es ja keine Frage des Systems, sondern der begrenzten Ressourcen einer wachsenden Weltbevölkerung.Soviel Durchblick darf man erwarten.

  • Axel Schäfer

    Was ist mit dem Wassermangel durch den Klimawandel auf den Almen aus der Schweiz und Österreich hört man eher Alarmierendes als die gezeigte Idylle. Hat das keine Auswirkung auf die dortige Flora und Fauna?

  • Mendou

    Was hat das jetzt mit Almen zu tun und was ist „lebenswichtiges Miniaturvieh“? Vieh bezeichnet Nutztiere.

    • Troll Eulenspiegel

      @Mendou:

      Erstens das.

      Zweitens, was "Vieh" ist, ist eine Abwertung, welche zum Geldmachen ermordet wird.

      Drittens, sind die Almen gepflegte Kulturlandschaft und kein Wildwuchs.

      Viertens, wer Naturschutz haben will, sollte sich den Regenwald anschauen oder das Sperrgebiet rund um Prypjat: Kein menschlicher Eingriff. Nicht als Jäger, nicht als Förster, nicht als Bauer.

      Zugegeben, der Regenwald wird mehr abgeholzt, als wild wachsen gelassen und Prypjat ist radioaktiv verseucht. Es geht mir schlicht um die Umsetzung.