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EU-Plan für Social MediaEltern sollen Kontakte von Teenagern vorher freigeben

Die EU-Kommission legt einen Gesetzentwurf vor, der Tech-Firmen zu mehr Jugendschutz verpflichten will. Doch Haken bleiben.

„Diese Technik“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Donnerstag in Straßburg, „wurde nicht mit der Sicherheit von Kindern im Kopf entwickelt.“ Deshalb sei es „nun Zeit zu handeln“. Mit „dieser Technik“ meinte von der Leyen Social-Media-Plattformen und mit „handeln“ den Gesetzentwurf EU Kids Act, den sie gemeinsam mit Vize-Präsidentin Henna Virkkunen vorstellte.

Auf 99 Seiten macht der Gesetzentwurf einen Vorschlag, wie Plattformen wie Tiktok oder Instagram, das wie Facebook zum Meta-Konzern gehört, zu mehr Jugendschutz verpflichtet werden sollen. Die Kernpunkte waren bereits am Mittwoch bekannt geworden: keine Accounts für Unter-13-Jährige, eingeschränkter Zugang bis 15 Jahre. Wie genau dieses „safety by design“ – also die jugendfreien Accounts – aussehen sollen, konkretisierte Virkkunen so: Eltern sollten „Mini-Konten“ für ihre Kinder verwalten. Die Eltern müssen die Kontakte vorher freigeben, und die Dienste müssen eine Zeitbegrenzung von maximal einer Stunde pro Tag einbauen.

„Wir setzen die Eltern wieder auf den Fahrersitz“, sagte von der Leyen, aber gleichzeitig nehme man sie aus der Verantwortung. Denn den „Kampf gegen die Algorithmen können sie nicht gewinnen“. Verantwortung übernehmen sollen deshalb nun die Tech-Firmen – und zwar grundsätzlich für alle Accounts von Minderjährigen bis 18 Jahre. Endlos-Scrolling, Geolokalisierung, Kamera- und Mikrofonzugriff sollen standardmäßig deaktiviert sein. Direkte Nachrichten von fremden Accounts sollen nicht mehr möglich sein. KI-Chatbots und -Begleiter müssen deaktiviert sein.

Erst wenn diese und weitere Kriterien erfüllt seien, bekämen Minderjährige Zugang. Virkkunen betonte, dass die EU mit dem Digital Services Act bereits ein Gesetz zur Durchsetzung dieser Regeln gegenüber den Plattformen habe. In Zukunft solle die Kommission Untersuchungen binnen 90 Tagen abschließen, sollte es einen Verdacht auf Regelverstöße geben. Das soll der Kids Act „ergänzend“ regeln.

Problem Altersüberprüfung

Kritikpunkt bleibt allerdings, dass mit einer Umsetzung der Pläne eine Altersüberprüfung für alle Nut­ze­r*in­nen notwendig würde. „Das ist eine Maßnahme, die die Informationsfreiheit und die Meinungsfreiheit in ihrem Kern betreffen würde“, kritisiert Stephan Dreyer, der am Leibniz-Institut für Medienforschung forscht, laut Science Media Center. Wenn nur bestimmte Einzelfunktionen aus Jugendschutzsicht das Problem seien, rechtfertige das nicht eine Altersgrenze für das Gesamtangebot.

Dreyer warnt davor, die „grundrechtlichen Anforderungen an eine zuverlässige, datenschutzsensible und breit akzeptierte Altersüberprüfung für alle Bürgerinnen und Bürger“ zu unterschätzen. Aufgrund zahlreicher Probleme mit entsprechenden Nachweisverfahren hatten sich bereits im März IT-Forscher:innen in einem offenen Brief gegen den Einsatz solcher Technologien ausgesprochen.

Noch sensibler wird es für Eltern, die einen geschützten Account für ihre Kinder anlegen wollen. Die Plattformen sollen nämlich sicherstellen, dass hier auch tatsächlich eine sorgeberechtigte Person für das entsprechende Kind einen Account erstellt. Zwar soll dem Gesetzentwurf zufolge zunächst auch eine Selbsterklärung ausreichen, die Plattform sollte dann einen „angemessenen Aufwand“ betreiben, um sicherzustellen, dass diese Selbsterklärung korrekt ist. Vorgesehen ist jedoch auch die Option eines Zugriffs auf staatliche Daten der Mitgliedsländer.

Nach der Vorstellung des Gesetzentwurfs geht dieser nun ans EU-Parlament und die Mitgliedstaaten. CDU-Bildungsministerin Karin Prien hat bereits eine „Übergangslösung“ für Deutschland angekündigt. Ihr zufolge liegt der Entwurf „sehr genau auf der Linie, die wir auch in Deutschland nach vorne bringen wollen“.

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11 Kommentare

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  • realnessuno

    Sollte eine Altersverifizierung für Alle kommen, dann ist es aus mit dem Internet. Für mich jedenfalls. Und ich rechne damit dass es schnell kreative Lösungen geben wird.

    Ob diese Massnahme überhaupt wie beabsichtigt wirken kann, ist sehr fraglich. Es ist schon wieder so ein schwer zu kontrollierendes Mikromanagement mit zu großem Effekt auf unsere Freiheiten.

    Warum machen diese Politiker nicht mal Nägel mit Köpfen und verbieten Werbetargeting? Niemand braucht personalisierte Werbung und wir alle bezahlen das sehr teuer!

    Es ist eben unauffällig und darum stört es scheinbar niemanden. Es kam schleichend über ca 20 Jahre zu uns. Inzwischen sind wir gewohnt dass unsere Geräte uns ausspionieren und wir das auch noch bezahlen. Selbst Apple will jetzt auf diese Werbeeinahmen setzen.

    Den Sumpf austrocknen und personalisierte Werbung verbieten! Bitte! Jetzt! Dann trocknen die meisten süchtigmachenden Mechanismen aus und die Industrie "muss" uns nicht mehr derart verarschen.



    Dann gehört unsere Aufmerksamkeit wieder unseren Interessen!



    Und Produkte können wieder günstiger werden... Der Effekt wäre riesig!

    • Peter Rabe

      @realnessuno:

      Werbung ist nur ein kleiner Teil des Vorschlags. Die Apps zur Altersverifikation wiederum darf jeder entwickeln - dann sollen die Kritiker halt ihre angeblich perfekte Lösung mal vorstellen. Und seit ich einen Mandanten vertreten durfte, der im Internet auf übelste verleumdet wurde, halte ich das anonyme Internet auch sowieso für ein großes Übel - wir leben hier nicht in China, auch wenn der arme chinesische Dissident immer wieder als Argument dafür herhalten muss, dass man leider hinnehmen muss, dass "Ronnie1455" und Co. die örtliche Frauenbeauftragte als "F****" bezeichnen und es ziemlich umständlich ist, das zu unterbinden. Geschweige denn "Ronnie" zur Verantwortung zu ziehen.

  • Axel Berger

    > Die Eltern müssen die Kontakte vorher freigeben



    Warum wird auch hier schon wieder nicht unterschieden zwischen Drogen, die von Zuteilungsalgorithmen auf maximale Suchterzeugung getrimmt werden, und Messengern, über die man mit persönlich Bekannten in Kontakt tritt und bei denen allein Menschen entscheiden, was gesendet und angezeigt wird? Über die gehirnschädigende Wirkung der asozialen Nichtmedien auch für Erwachsene besteht schon lange kein Zweifel mehr. Siehe auch /!6213938/ von erst gestern.

  • Martin Sauer

    Da sich jeder anmelden und ausweisen muss wird die Zahl der Nutzer wohl schrumpfen. Die Linke Zb. ist viel auf Instagram/TicToc vertreten und die AfD auf X. Beide Parteien werden das zu spüren bekommen. Ich werde nirgendwo mein Ausweis vorlegen.

    proton.me/de/blog/...ication-app-hacked



    Die EU-App zur Altersverifizierung wurde in zwei Minuten gehackt

    • Peter Rabe

      @Martin Sauer:

      Die App ist - wie auch die deutsche Variante - Open Source. Also können die Hacker die Lücken auch schließen. Schreien CCC und Co. nicht deswegen ständig nach Open Source?

      • elektrozwerg

        @Peter Rabe:

        Open Source ist dafuer da, dass Fehler schneller auffallen und der Hersteller sie nicht verschweigt. Open Source ist nicht dafuer da, die Erstellung einer sicheren Software auf andere auszulagern.

        Denn das was Sie hier beschreiben ist, andere zur Nutzung eines defekten Produkts zu verpflichten, ihnen den Bauplan daneben zu legen und dann zu sagen: Repariere es doch selber.

  • Bolzkopf

    Ich verstehe die Hilflosigkeit der Gesetzgeber ja - denn sie stehen den Milliardenwerbeetas der TechBros im kurzen Hemd gegenüber.

    Aber ob das eine Lösung des Problems ist ? Ich habe meine Zweifel.

    Wäre es nicht besser Jugendschutzvorschriften zu erlassen und bei Verstössen dagegen exorbitante Strafen zu verhängen ?



    Ähnlich wie beim Alkohol- und Nikotinverbot oder dem Verbot jugendgefährdender Schriften ?

    Warum wohl achtet jeder Gastronom peinlichst genau auf die Einhaltung ?

    Aber mich bescheicht der Verdacht Jugendschutz wird mal wieder vorgeschoben um Datenschutz zu erodieren.

  • DiMa

    Man kann den Plan inhaltlich für richtig halten oder auch nicht.

    NUR, die EU ist für den Kinderschutz nicht zuständig. Für ein solches Gesetz müssten die Grundlagenverträge angepasst werden, was Einstimmigkeit erfordert. Bis dahin sind ausschließlich die jeweiligen Mitglieder zuständig und bis dahin sollte über das Gesetzesvorhaben der EU auch nicht weiter diskutiert werden.

    • Peter Rabe

      @DiMa:

      Der Vorschlag ist auf Art. 114 AEUV gestützt. Er dient - jedenfalls rechtlich - nicht dem Kinderschutz, sondern der Herstellung einheitlicher rechtlicher Regelungen im Binnenmarkt. Hier droht insbesondere, dass jedes Land seine eigenen Altersgrenzen uns sonstigen Beschränkungen einführt. Was auch nicht so einfach ist - denn nach dem Herkunftslandprinzip gilt das Recht des Sitzstaates. Und das ist in der Regel Irland.

      • DiMa

        @Peter Rabe:

        Ziel ist ausschließlich der Kinderschutz, nicht die Einheitlichkeit des Marktes. Wenn Ihre Argumentation richtig wäre, dann wären die Mitglieder der EU auch nicht zuständig, Einschränkungen bei der Abgabe von Alkohol oder Tabak zu erlassen.